Julias Chartspunkte #9: wenig Weihnachtsstimmung

Einmal muss es noch sein vor Jahresende, dass ich mir die Neueinsteiger in die deutschen Single-Charts (Top 20) der letzten Wochen unter die Lupe nehme. Überraschenderweise sind kaum Weihnachtslieder darunter. Aber geschmalzt wird natürlich, dass es einem zu den Ohren rauskommt. Wie immer vergebe ich Plus- und Minuspunkte, deren (ungefähre) Bedeutung am Ende des Beitrags nochmal nachgelesen werden kann. Stürzen wir uns also ins „Vergnügen“.

Neueinsteiger vom 21. November

  • Platz 15 Stanfour – In Your Arms
    minusminus Ausnahmen bestätigen die Regel und hier wird man mit Pathos und 08/15-Weihnachts-Wohltätigkeits-Formel nur so erdrückt.
  • Platz 14 Christina Aguilera – Keeps Getting Better
    plusminus Der im Songtitel versprochene Effekt tritt nicht ein und ich ärgere mich über die mit einem Standard-Beat aufgemotzten Song verschwendeten Lebensminuten. Hier kommt Xtinas eigentlich fantastische Stimme überhaupt nicht zum Vorschein und das mit dem „super bitch“ und „super girl“ wird sicherlich die Zielgruppe dermaßen vom Hocker reißen, dass sie sich so den Kopf stoßen, dass sie auch die nächste Single folgsam kaufen.
  • Platz 10 The Killers – Human
    plusplusplus Ein Lichtblick! Vom genialen Video und herrlichen Text mal abgesehen haben wir hier einen überraschend guten Song vor uns. Habe ich mich am Anfang aufgrund Kritiken, die es als dancelastig bezeichneten, eher ferngehalten, so kann ich mittlerweile dem Song seine Ohrwurmqualitäten nicht mehr absprechen. Die Stimme von Brandon Flowers macht jeden Danceansatz wett und auch das zugehörige Album Day & Age gefällt mir sehr gut.
  • Platz 4 Herbert Grönemeyer – Glück
    minus Textlich zu Weihnachten genau richtig platziert, doch dieser Sprechgesang passt überhaupt nicht und irgendwie ist das derselbe Song, den Herbie seit zehn Jahren immer wieder veröffentlicht.
  • Platz 3 Beyoncé – If I Were a Boy
    plus Überraschung für alle, die hier viele Minuspunkte erwartet haben. Doch die Frau Knowles hat nun mal eine sehr gute Stimme und auch wenn es hier wieder sehr pathetisch zugeht, so kriegt der Song doch noch so gerade die Kurve und ein schwarz-weißes Video mit einem „überraschenden“ Ende ist auch nie verkehrt.

Neueinsteiger vom 28. November

  • Platz 12 T.I. feat. Rihanna – Live Your Life
    minusminusminus Es wird philosophisch! (bzw. filosofisch) Und ein Haufen Hip Hop-Klischees werden bedient. Doch wenn ein Song mit dem Dragostea Din Tei-Meihahahiehiehie anfängt, dann bekomme ich das Grausen.
  • Platz 7 Curse Feat. Silbermond – Bis Zum Schluss
    plusminus Noch mehr Philosophie, noch mehr schwarz-weiß Video, noch mehr Männlein-Weiblein-Duett. Lobenswert, wenn versucht wird, die Genreabgründe zu überbrücken. Funktioniert hier aber in meinen Augen nicht.
  • Platz 4 Britney Spears – Womanizer
    minusminusminus Einen Verweigerungsgrundsatz möge man mir zugestehen und es wäre schade, wenn 2008 als das Jahr in meine Erinnerung eingeht, in dem ich mir zum ersten Mal einen Britney Spears-Song angehört habe.
  • Platz 2 Katy Perry – Hot N Cold
    minusminus Lesbenschock-Bonus aufgebraucht und dieser Song ist so dermaßen auf einen Chartserfolg zugeschnitten, dass man sich beim Hören fremdschämen sollte.

Neueinsteiger vom 5. Dezember

  • Platz 20 The Pussycat Dolls – I Hate This Part
    minus Zu Weihnachten wird es ein wenig philosophischer und besinnlicher. Hatten wir das heute nicht schon mal?! Und wenn die Mädels dann in der Wüste knapp bekleidet im Regen tanzen, finden das genug Käufer unwiderstehlich, so dass dieses überflüssige Stückchen Geräuschkulisse in die Top 20 gelangt.
  • Platz 14 Schäfer Heinrich – Das Schäferlied
    minusminusminus Ausnahmsweise kein Weinhachtslied und wieder einmal verstehe ich die Welt nicht, warum so ein grenzdebiler Schrott es in die Charts schafft. Da haben einige wohl zu viel Schnuffel-Elch-Sweety-Crazy-Frog-Klingeltonwerbung geguckt.
  • Platz 11 Madonna – Miles Away
    minusminusminusDie Briten hatten hier mehr Verstand und haben dieses grässliche Ding zur schlechtplatziertesten Madonna-Single seit über 20 Jahren „gekürt“ (eingestiegen auf Platz 39, auf Platz 68 abgerutscht und dann raus; Quelle). Das klingt nicht nach Madonna bzw. überhaupt nach etwas, was man als Musik bezeichnen könnte.

Neueinsteiger vom 12. Dezember

  • Platz 20 Wham! – Last Christmas
    plusplusplus Haha! Ja, Kinners, ich gebe es zu: ich mag diesen perfekten Popsong! Habe ihn dieses Jahr keine zehnmal gehört und in solchen Mengen kann man es aushalten. Dieser Song ist nur deshalb so ein so erfolgreicher Weihnachtssong, weil es kein Weihnachtssong ist. Das hätte auch Last April/Weekend/Summer heißen können (Zeitangabe mit zwei Silben). Nur dann hätte es halt nicht jedes Jahr einen Platz in den Top 20 gegeben. Wer es nicht mehr hören kann, dem sei die Version von Travis empfohlen (via) oder dieses Mashup (via)

Neueinsteiger vom 19. Dezember

  • Platz 17 Popstars – Just 4 Girls – I Believe In X-mas
    minusminusminus Öhm, wenn im Titel eine Castingsendung und X-mas vorkommen, dann schrillen meine Alarmglocken und mein eingebautes Rette-mich-vor-grottenschlechter-Pseudo-Musik-Sicherheitssystem verhindert, dass ich auch nur auf die Idee komme, mir das anzuhören.
  • Platz 8 Rosenstolz – Wie Weit Ist Vorbei
    minus Wem geht nicht das Herz auf bei viel schneebedeckter Landschaft (Grönland?), Schlittenhunden, Lagerfeuer und (zum Schluss) einer großen Familie? (s. Video) Allerdings nix Neues aus dem Rosenstolz-Universum.
  • Platz 3 Pink – Sober
    plusplus Zum versöhnlichen Abschluss beehrt uns die ehemalige Mrs Hart und nachdem sie erst die witzige Seite gezeigt hat (So What) kommt pünktlich zum Fest der besinnliche Nachschub. Ein Video mit einer Sexszene mit sich selbst schadet den Verkaufszahlen sicher nicht. Doch auch sonst klingt der Song erstaunlich gut. Das Album werde ich mir zwar nicht zulegen, aber wenn dieser Song im Radio oder Fernsehen kommt, schalte ich (noch) nicht um.

Damit wären die Charts für 2008 abgehakt und wer die verpasst hat, hat nichts verpasst. Allerdings bin ich auch nicht gerade die Zielgruppe der Chartsverkäufer (mag keine Castingshows, kein Hip Hop, kein Elektrozeugs, keine Verarschungsstücke, …). Hoffen wir, dass die Charts 2009 ebenfalls so grässlich sind, dass ich weiterhin meine Chartspunkte vergeben kann…

  • minusminusminus Song hätte nie produziert werden dürfen und auch den/die „Künstler“ finde ich doof.
  • minusminus Auf dem Weg zur Unerträglichkeit und dem/den Künstler/n stehe ich wahrscheinlich auch skeptisch gegenüber.
  • minus Song gefällt mir nicht, aber den/die Künstler halte ich für ok.
  • plusminus Song ist mir relativ egal und je nach Laune würde ich zuhören oder abschalten.
  • plus Song ist ok, aber entweder nervt er auf Dauer oder ich stehe dem/den Künstler/n skeptisch gegenüber.
  • plusplus Ziemlich guter Song und auch der/die Künstler ist/sind mir sympatisch.
  • plusplusplus Song könnte ich andauernd hören und auch den/die Künstler finde ich gut.
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Dieser Beitrag ist Teil 9 von 20 der Beitragsserie Julias Chartspunkte

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

9 Gedanken zu „Julias Chartspunkte #9: wenig Weihnachtsstimmung“

  1. Zu den Killers muss ich sagen: Das ist nicht dance-lastig – das ist ein waschechter, grausamer Schlager! Mit der Band hab ich schon beim vorigen Album abgeschlossen und das neue macht’s für mich nur noch schlimmer…

    Und schäm dich was! „Last Christmas“? ❓ Allein die Tatsache, dass man den Song jedes Jahr bis zum Erbrechen vorgesetzt bekommt, ist doch schon ein Grund, ihn nicht mehr ausstehen zu können, oder? Wobei ich mich dank Radio-Verweigerung, sehr selteten Fernsehkonsums und Meiden der Innenstadt in der Vorweihnachtszeit dieses Jahr bisher erfolgreich davor schützen konnte, den Song hören zu müssen! :hurra:

  2. Nachtrag: Hast du was am Kommentarsystem geändert? In letzter Zeit steht bei meinen Kommentaren oft, er müsse noch moderiert werden…

    Edith sagt: Witzigerweise ist der Kommentar hier scheinbar nicht in die Moderator-Schlange gerutscht. Noch zu moderierende lassen sich übrigens auch nicht mehr nachträglich ändern.

  3. Hihi, war klar, dass ich bei Last Christmas auf Unverständnis stoßen würde. Aber wie gesagt, ich habe es in den letzten Jahren nur in sehr geringen Dosen zu mir genommen.

    Und die Killers spalten mit ihrem neuen Album die Hörerschaft. Ich bin mit geringen Erwartungen rangegangen und dafür gefällt es mir sehr gut. Bei Human finde ich vor allem den Text genial! (war ja auch mal im Liedzeilen-Quiz).

    Die Kommentarmoderationswut ist auf WP 2.7 zurückzuführen. Das habe ich zumindest öfter gelesen. Auch andere Stammkommentatoren landen hier in der Schleife und es liegt nicht am Spamplugin (ich nutze Defensio, andere Akismet). Dass man zu moderierende Kommentare nicht editieren kann, ist eine Sicherheitsmaßnahme. Dass der zweite Kommentar freigegeben wird, war schon häufiger so und ich hoffe dass das nicht für Erstkommentatoren gilt. Seltsame Sache das.

  4. Hmm, naja, solang man nicht zum Spam wird, isses ja kein Problem.

    Ich nutze bisher ja außer WP-Spamfree kein anderes Plugin gegen Spam und moderiere auch nichts. Spambots sind so bisher auch 100% zuverlässig abgewehrt worden. Gegen manuellen Spam hat’s aber leider auch keine Chance – da ich jetzt den ersten, noch harmlosen von der Sorte hatte (selber Text wie in anderen Blogs, komische Webadresse als Homepage angegeben) hatte, bin ich ja auch am Überlegen, Erstkommentatoren in die Moderation zu schicken.

  5. Ist ja kein Wunder, dass keine Neuzugänge bei den Weihnachtsliedern zu verzeichnen waren unter den ersten 20 Plätzen der Charts, die meisten tummeln sich ja jenseits. Aber unser gemeinsames Lieblingslied „Last Christmas“ hat es dann doch geschafft. Wham hat übrigens noch andere Qualitäten gehabt und sollte nicht nur auf diese eine Lied reduziert werden.

    Und was Grönemeyer angeht sind die Geschmäcker halt verschieden. Ist aber nicht schlimm. Ich liebe diesen Typen und seine Songs, ganz egal, was er schreibt und singt.

    Julia, ich wünsche dir ein fröhliches Weihnachtsfest, mit viel Zeit für die Dinge, die dir wichtig sind.
    Und freue mich auf das neue Jahr mit deinen Chartsbewertungen.

    Liebe Grüße

    Heike

  6. cimddwc, es ist mir auch unglaublich peinlich xD

    Heike, das mit der Wichtigkeit der Weihnachtssongs ist sich in Deutschland in den letzten Jahren ja ein wenig abgeflaut. In Großbritannien wird da jedes Mal ein Riesenwirbel darum gemacht. Dieses Jahr war es sogar noch aufgebauschter, da zweimal der gleiche Song (von unterschiedlichen Interpreten) auf Platz 1 und 2 war.
    Grönemeyer finde bzw. fand ich auch gut (Bonus: am gleichen Tag wie ich Geburtstag), doch in den letzten 10 Jahren wird er immer ernster und philosophischer. Diese Richtung gefällt mir gar nicht (noch schlimmer: Söhne Mannheims). Aber über zu wenig Fans kann er sich nun nicht beschweren 😀
    Auch dir frohe Weihnachten (gehabt zu haben) und bis nächstes Jahr!

  7. Also, wenn du erst einmal Ü30 bist, wirst du die Texte von Grönemeyer und den Söhnen wieder zu schätzen wissen, weil du dann selbst ernster und philosophischer wirst. Also mir geht es zumindest so. Aber ich werde in 2 1/2 Wochen auch schon 38 Jahre alt. 😥
    Rutsch gut rein und wir lesen uns.

  8. Heike, da wäre ich mir nicht so sicher. Übermorgen kann ich sagen, dass ich nächstes Jahr berichten kann 😉
    Wir werden sehen, ob ich dann mehr Pathos ertragen kann.
    Xavier Naidoo scheidet die Geister und ich mag seine Stimme nicht. Obwohl „Ich kenne nichts“ ganz gut ist.

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