Es geht hier der Reihe nach und nicht nach Schönheit Oder Vormittags im Supermarkt

Dem einen oder anderen wird es vermutlich schon längst klar sein, doch ich möchte es nochmals betonen: Vormittags sollte man besser nicht im Supermarkt einkaufen gehen. Besonders nicht, wenn man nur kurz ein kleines Teil braucht und das Geld sogar passend hat.

Denn es ist so, dass vormittags fast die gesamte Klientel aus Rentnern besteht und die sind nicht nur altersgebeut und geschwächt von vielen Jahrzehnten harter Arbeit, sondern auch sehr, sehr, sehr, sehr eigensinnig und dickköpfig und halsstarrig und trotzköpfig und bestehen auf ihren Regeln, dass es eine wahre Freude ist.

Nehmen wir mein heutiges Erlebnis als Beispiel. Dass eine ältere Dame für 2 Euro und ein paar zerquetschte einkaufte und entgegen der minutenlangen Untersuchung ihrer Münzsammlung doch mit einem 5-Euro-Schein zahlen musste, das will ich gar nicht erwähnen. Das erwartet man ganz einfach. Doch die Eigenart, seinen Einkaufswagen irgendwo in der Nähe der Kasse abzustellen, weiter Sachen zusammenzusuchen und dann unbedarfte (eindeutig noch nicht verrentete) Kunden anzuschnauzen, dass man sich doch bitte an die Regeln zu halten hat (siehe Überschrift), das ist mir bisher noch nicht passiert. Wie gesagt, ich hatte nur ein Teil, hatte das Geld passend und hielt mich nur Sekunden mit dem eigentlichen Kassieren auf. Es kommt mittlerweile häufiger vor, dass man dann von Kunden mit einem vollen Einkaufswagen vorgelassen wird, doch altersmäßig waren diese Exemplare eher im arbeitsfähigen Bereich angesiedelt.

Man muss sich nur mal kurz vor Augen halten, dass mein Einkauf für den Kassierer nur daraus bestand, das Produkt über den Scanner ziehen, den Preis zu nennen, die Kasse zu öffnen, von mir das passende Geld in Empfang zu nehmen, in die Kasse einzusortieren und zu schließen. Wie lange dauert das? 10-13 Sekunden? Und im Gegensatz dazu, wie lange dauert es, zwei Dutzend Produkte mit zittriger Hand auf das Band zu legen, nach dem Scannen die zwei Dutzend Produkte mit zittriger Hand im Einkaufswagen zu verstauen, mit zittriger Hand zwei Dutzend Münzen zu sortieren und mit zittriger Hand das Wechselgeld und den Kassenbon zu verstauen? So ca. 10-13 Minuten?

Mit diesem Bild vor Augen verabschiede ich mich…

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

9 Gedanken zu „Es geht hier der Reihe nach und nicht nach Schönheit Oder Vormittags im Supermarkt“

  1. Das erinnert mich an den Kerl, der mich in der Supermarktschlange angebrüllt hat:
    Ich schob meinen Wagen Richtung Kasse, winkte aber einer älteren Dame Vorfahrt und stellte mich dahinter. Dann kam eine junge Mutti mit Kinderwagen, die so verzweifelt schaute, dass ich sie vorließ – der Windelwechsel war dringend! – dann noch einen Studi mit nur einer Tüte Milch – kein Problem, junger Mann! Aber dann kam ein Typ, versuchte sich an mir vorbeizudrängen, ich ließ ihn aber nicht.
    Er:
    „So eine Unverschämtheit! Lassen Sie mich gefälligst an die Kasse – ich habe es eilig! Haben Sie noch nichts von Höflichkeit gehört?“.

    Der war höchstens 25.

  2. Mittags isses auch immer schön. Will man in der Mittagspause mal schnell nen Salat und was zum Nachtisch kaufen, verbringt man meistens die gesamte als Pause zur Verfügung stehende Zeit damit, an der Kasse zu stehen und Rentnern beim Bezahlen zuzuschauen… – die machen das bestimmt absichtlich, immer dann einkaufen zu gehen, wenn noch-nicht-Rentner auch mal kurz die Zeit dazu haben…

  3. Hehe, heute passiert:
    Mittags schnell essen gegangen und am Tisch gesessen. Eine alte Frau kommt rein und lehnt sich an unseren Tisch, den Kopf fast über meinem Schnitzel. Dann schreit sie quer durch den Raum, dass sie das gleiche wie jeden Tag will, verschnauft noch zwei Minuten über unserem Tisch und setzt sich hin.

  4. buchstaeblich, die BWL-Studenten bilden ja eine eigene Klasse (da ordne ich den 25-jährigen mal ein), ansonsten bestätigt dein Beispiel mal wieder die Theorie von dem kleinen Finger und dem ganzen Arm.

    beety, die Mittagszeit ist ebenfalls eine eigene Klasse, weil dann nicht nur nicht mehr Berufstätige, sondern auch noch noch nicht Berufstätige die Kassen stürmen.

    boff, das mit dem Kopf überm Schnitzel stelle ich mir besser nicht vor…

  5. Macht mir keine Angst, ich muss gleich noch einkaufen…
    Es ist zwar schon lange nicht mehr Mittag, aber der Kampf ums letzte Brot ist mindestens genauso hart!

  6. Oh ja, auch immer gern genommen sind die Leute, die an der Kasse hinter mir stehen und die Koordination mit dem Abstand und dem Einkaufswagen nicht so drauf haben. Da stehe ich da so, bezahle meine Ware und die nette Dame hinter mir schiebt mir gepflegt Ihren Wagen in den Rücken, weil ich hatte ja schon bezahlt und könnte mich doch dann eigentlich spontan in Luft auflösen 🙄 .

  7. Also bei meinem Supermarkt kann man relativ entspannt einkaufen vormittags…aber vormittags heißt bei mir auc h nicht vor 10 ^^

  8. Ach ne, was ist das herrlich, die Gelassenheit des Alters. Und damit meine ich mein Alter. Das mir so etwas überhaupt gar nichts mehr ausmacht, wenn die ältere Generation vor mir an der Kasse wieder stundenlang nicht weiterweiß. Da kommt ihr auch noch alle hin. Vertraut mir.
    Und außerdem, in meinem Supermarkt gehen die alle nach meinem Feierabend nachmittags einkaufen, oder Samstagvormittag. Was solls… c’est la vie…..

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