Nachfolger-Debütalbum-Vergleich: The Last Shadow Puppets – The Age of the Understatement / The Rascals – Rascalize

Nach diesem langen Titel erst einmal zur Erholung der Hinweis, dass dieser Teil der Serie etwas ungewöhnlich ist, da wir hier nicht zwei Alben derselben Band betrachten. Doch da der Sänger der Rascals als eine Hälfte der Last Shadow Puppets bekannt wurde, packe ich die in meine Debutalbum/Nachfolger-Vergleichsreihe rein.

Der Sound der beiden Bands ist entsprechend verschieden, doch wir haben es hier im weitesten Sinne immer noch mit britischem Gitarren(indie)rock zu tun. Positiv zu vermerken ist, dass beide Alben mit Texten im Booklet daherkommen, was besonders im Fall der Rascals[1] vorteilhaft ist, da sich in den weiten des Internet nur mühsam Texte finden lassen.

The Last Shadow Puppets – The Age of the Understatement

Wie schon gesagt bildet Miles Kane, der Sänger der Rascals die eine Hälfte und komplettiert wird die Band durch Alex Turner von den Arctic Monkeys. Beide haben dieses Projekt genutzt, um einen etwas anderen Sound zu produzieren und oft fiel als Einfluss der Name Scott Walker, der in den Sechzigern einige Alben veröffentlichte. Mir ist der Herr nicht bekannt, doch nach dem Anhören der bei Last.fm verfügbaren Titel, ist die Ähnlichkeit nicht von der Hand zu weisen.

Unabhängig davon klingt das Album sehr episch und James Bond-artig mit vielen Streichern. Die Arrangements wurden von Owen Pallett[2] mit dem London Metropolitan Orchestra aufgenommen.

Einen sehr guten Eindruck vermittelt der Opener The Age of the Understatement, der auch als erste Single veröffentlicht wurde (Anhören, Video).

Durch den 60er-Einfluss und den 00er-Bandhintergrund wirken die Titel zeitlos und stehen in ihrer bombastischen Art auf eigenen Füßen. Das Hörerlebnis ist angenehm ungewöhnlich und bleibt lange erhalten, denn die Melodien setzen sich schnell im Gedächtnis fest, besonders Standing Next to Me (zweite Single, Video) und Only the Truth mit seinem fast militärischen Beat begleiten einen noch lange nach dem Hören.

Extrasongs bei den Singles: Bei den beiden Singles gibt je drei extra Songs, wie man das von den Arctic Monkeys gewohnt ist. Die Songs gibt es als Downloads und können einzeln für £0,89 oder im Viererpack für £ 2,80 bzw. £ 2,49 gekauft werden[3].

Wermutstropfen Kopierschutz: Angepriesen wurden alle acht Songs im mp3-Format, (siehe TAotU), ausgeliefert wurde die Hälfte aber als wma mit Kopierschutz[4]. Nur auf PCs mit Windows XP oder Vista können die Songs abgespielt werden und das finde ich enttäuschend. Mal sehen, ob die auf meine Beschwerde-E-Mail antworten.

Doch diese Unannehmlichkeit soll nicht von dem hervorragenden Album ablenken, das von mir 4 von 5 Punkten erhält. Mehr Rezensionen sind im Wikipedia-Artikel verllinkt. Eine ganze Reihe Videos gibt es auf der Seite zum Album und weitere Infos wie z.B. Texte gibt es auf der Band-Seite.

The Rascals – Rascalize

Eine Bande von Lausejungen nennen sie sich und da stellt sich die Frage, wie man den Albumtitel zu verstehen hat. Sehen sie es als Mission, jeden Hörer zu verspitzbuben? Oder beschreiben sie ihren Weg dorthin? Oder handelt es sich hier gar um eine Mode-/Jugend-/Kultbewegung?

Wieder eröffnet der namensgebende Song das Album und wenn im Booklet nicht der schwarze Text auf schwarzweißen Hintergrundbildern das Lesen teilweise unmöglich machen würde, wäre die Frage evtl. zu beantworten. Aber man kann (beim Hören) entziffern

And from his tired eyes we Rascalize and find our way
through
Because we know exactly where we want to go to

Also scheint die erste Option die Richtige zu sein. Nachdem wir das nun geklärt haben, fehlt noch zu erwähnen, dass dieses Album sehr viel schneller und erdiger klingt und ich würde auch sagen, dreckiger und dahingerotzter, aber da sich das zu sehr nach Musikzeitschrift anhört, bleiben diese Worte ungesagt.

Die Gitarren reichen von recht schnellem Schrammeln bis zu dangeligem Gequitsche und ich höre da auch ein bisschen Blues und R’n’B raus, aber da diese Kombi komisch klingt, sollte man sich lieber selber überzeugen. Dazu habe ich z.B. einen Beitrag mit einer imeem-Playliste des gesamten Albums verfasst.

Bei den Rascals habe ich das Downloadabenteuer nicht unternommen, auch wenn im Store (gleicher Anbieter) die sonst bereits ausverkaufte EP Suspicous Wit angeboten wird. Leider wird aber explizit darauf hingewiesen, dass es sich um wma mit Kopierschutz handelt. Vielleicht überlege ich mir das aber noch, denn ich will ja für das Konzert in drei Wochen gerüstet sein.

Deswegen zurück zum Album. Sehr gelungen finde ich die Aufteilung der Songs, denn für mich wechseln sich immer zwei bessere und zwei schlechtere nicht ganz so bessere Songs ab. Auch das Tempo wird angenehm oft gewechselt, so dass nie Langeweile aufkommt. Insgesamt vergebe ich noch 4 von 5 Punkten, da der Stil etwas konventioneller ist. Einige Links zu weiteren Reviews gibt es ebenfalls im Wikipedia-Artikel.

Fazit: Im Vergleich gefällt mir The Age of the Understatement besser, aber Rascalize könnte durch den Livebonus evtl. einen besseren Platz in meinem persönlichen Musikerinnerung bekommen. Wir werden sehen.

  1. Hinweis: Es gab in den Sechzigern eine amerikanische Soulband mit diesem Namen, die jedoch mit der hier angesprochenen Band nichts zu tun hat. []
  2. Pallett ist durch sein Projekt Final Fantasy bekannt und durch Kollaborationen mit den Hidden Cameras und Arcade Fire. Mehr dazu in der Wissenswerkstatt. []
  3. Rechnerisch lohnt es sich, die beiden Singletracks doppelt zu kaufen, da die drei Songs alleine £ 2,67 kosten. Außerdem lohnt sich der Kauf in Pfund statt in Euro, da der aktuelle Umrechnungskurs besser ist. []
  4. Laut den FAQs dürfen die Songs bis zu sieben Mal gebrannt werden und auf bis zu fünf mobile Player kopiert werden. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Nachfolger-Debütalbum-Vergleich: The Last Shadow Puppets – The Age of the Understatement / The Rascals – Rascalize“

  1. Scott Walker und episch passt wirklich sehr gut. Das hört sich in der Tat sehr interessant an!

    Und da ich dank Sparbote.de (hint!)gerade eine kostenlose 2wöchige Napster Flatrate habe, tut das Ausprobieren auch garnicht weh! :mrgreen:

  2. postpunk, der hint überflüssig, da ich selber gerade teste 🙂 Hab sogar ein Dreimonatsabo 😛 Aber dass man da Scott Walker testen kann ist natürlich ein sehr guter Tipp!

  3. Ahh, sehr guter und sinnvoller Vergleich! Das Album von den Rascals hatte ich auch noch auf der Liste. Würdest du mir zum Kauf raten? Kann man das mit den Arctic Monkeys oder den Dirty Pretty Things in eine Schublade (im besten Sinne) packen?

  4. Roman, die Monkeys und Things kann man getrost dazu packen 🙂 Mehr als nur Hörproben gibt es von den Rascals leider nicht im Netz. Probier mal die Playliste in meinem Beitrag, evtl. kannst du alle Titel in voller Länge anhören, ohne dich bei imeem anmelden zu müssen.

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