Die Sache mit dem viralen Marketing und den Blogs und der Käuflichkeit und dem Gewissen

Eine kleine Nachdenkstunde vor dem Wochenende, denn in den letzten Tagen (und Wochen) häuften sich die Vorfälle, wo mir als bloggendes Individuum Angebote per E-Mail gemacht wurden. Da gibt es positive und negative Beispiele und da ich solche Dinge nicht rundheraus ablehne, kann das richtige Einschätzen der Situation schwierig sein. Caschy schrieb vorhin über einen Fall, wo nicht mal eine persönliche Anrede verwendet wurde und dass er eine Antwort-E-Mail dazu verfasst hatte.

Die Bandbreite der Reaktion auf solche Angebote reicht von „verwerfe ich grundsätzlich als unmoralisch“ (dann aber bitte konsequent dran halten) und „her mit allem, was mir einen Vorteil verschafft, ich sag es auch keinem“. Ich habe mich für den bzw. einen Mittelweg entschieden, d.h. wenn

  • eine nette, persönliche, erklärende Anfrage kommt,
  • ich das Produkt bzw. den Service tatsächlich ausprobieren möchte,
  • ich offen über meine Eindrücke berichten kann und
  • mir generell die Sache nicht dubios vorkommt,

dann ist es durchaus möglich, dass ich mich in den Dienst des sog. viralen Marketings stelle. Das haben die regelmäßigen Leser sicherlich mitbekommen und ich habe einige Testberichte verfasst. Bei diesen Testberichten habe ich immer einen Hinweis eingefügt, was natürlich nicht Pflicht ist, aber wenn ich anderswo Berichte über das gleiche Produkt ohne Hinweis lese, dann kommt mir das doch ein wenig seltsam vor. Einen Schritt weiter gehen da Dienste wie Trigami, wo man sich extra für solche Tests bewerben kann. Da war ich aber nie angemeldet und werde es auch bleiben lassen, da mir das zu weit geht (Mittelweg und so).

Soviel zu den Berichten, die dann tatsächlich entstehen, doch es gab noch einige andere E-Mails, die ich ignoriert habe, weil sie nicht obigen Kriterien entsprachen und teilweise recht grobschlächtig klangen[1]. Heute habe ich wieder per Kontaktformular einen vorgefertigten PR-Text bekommen (immerhin mit persönlicher Ansprache) und während ich noch rätselte, ob ich mir das Produkt mal näher ansehen soll, tauchen die ersten Beiträge dazu in meinem Feedreader auf. Das Perfide ist, dass diese PR-Texte keine wirkliche Aufforderung enthalten, sondern empfehlen, dass ich mir das ja mal ansehen könne und man sich auf meine Meinung freut.

Was mich aber abschließend dazu bewogen hat, keine Empfehlung auszusprechen, war die Formulierung, dass ich eine E-Mail schreiben soll, wenn ich in Zukunft keine weiteren Informationen erhalten möchte! Mir stellt sich die Situation ehrlich gesagt eher umgekehrt dar, denn ich wurde bereits unaufgefordert kontaktiert und solange ich nicht freudestrahlend auf diese Eigeninitiative antworte, ist dieser Kommunikationskanal geschlossen.

Der Themenkomplex ist nicht neu und wer sich schon länger und breiter auf den einschlägigen Blogs rumtreibt, wird schon mehrere Kampagnen bzw. deren Verdammung mitbekommen haben. Wie seht Ihr das? Am besten ich bastele mal eine Umfrage (man kann Antworten hinzufügen, aber bitte mit Bedacht):

{democracy:5}
  1. Extrembeispiel war ein unfreundliches Angebot für das Setzen eines Links für einen lächerlichen niedriges Betrag. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

12 Gedanken zu „Die Sache mit dem viralen Marketing und den Blogs und der Käuflichkeit und dem Gewissen“

  1. Ganz einfach: wer einen tollen Dienst hat, der meinen Lesern und mir Mehrwert bietet – dann gerne. Soviel zu Diensten. Wenn man mir was zuschickt, was ich brauchen kann – auch toll – dann schreibe ich drüber – verrate aber auch, dass ich das Produkt „für umme“ bekommen habe – schließlich schreibe ich auch über Hardware, die ich mir gekauft habe. Wenn aber ein Provider der Meinung ist, mir einen Wasserball zu schicken, dann kommt dieser in die Tonne. So war es auch vorhin – wo man mich über Dienste mit Handynachrichten informieren wollte. Keine Ahnung, ob es bei dir so war. Witzigerweise trudelte kurz danach das neue Mercedes-Mixtape an – obwohl ich vorher nie Mails von denen bekommen habe.

  2. Diese Mixtape-Mail habe ich ebenfalls bekommen und ich fand die Aufforderung, eine Mail zu schreiben, wenn ich keine Benachrichtigungen mehr möchte, mehr als dreist. Ich lass es jetzt einfach mal und wenn ich nächstes mal wieder benachrichtigt werde, lass ich mir was einfallen.

    Zum Thema: Ich finde es grundsätzlich begrüßenswert, wenn Blogger als Meinungsmacher gefordert und gefördert werden und wenn mir wirklich etwas gefällt oder ich mich zumindest dafür interessiere, dann bin ich auch bereit, etwas darüber zu schreiben. Aber Angebote wie z.B. das von Trigami vermittelte Banner zu McDonalds für ca. 7€ für eine Woche auf meine Seite zu stellen, das geht mir zu weit, denn das würde mir mehr schaden als nützen, denn irgendwo möchte man doch auch seine Glaubwürdigkeit bewahren.

  3. @caschy: An sich finde ich Hinweise auf kostenlose Musik auch ok, ich werde mir das sicher auch mal anhören, aber in die Mail zu schreiben, dass man sich melden müsse, wenn man keine Mail mehr haben möchte (obwohl man sich nirgends eingetragen hat), finde ich nicht ok.

    Was hast du denn bei Trigami für eine Summe eingegeben und wurde das akzeptiert? Also ich hätte dieses Banner auch nicht für das Fünffache auf meinen Blog gestellt – und ich denke nicht, dass die das oder noch mehr mitgemacht hätten. Bei mir werden ja sogar meist Angebote ausgeschlagen, die ich schon vergünstige…

  4. Ja ja, die Mails, die man so bekommt… vor einiger Zeit hatte z.B. mal ein Schmuck-Design-Shop angefragt (immerhin persönlich adressiert), ob ich nicht darüber schreiben wolle, weil es gut zu meinem Blog passe. 😆 Da hab ich natürlich geantwortet, dass sie es sich dann nicht allzu gut angeschaut haben konnte und froh sein solle, wenn ich nichts darüber schreibe. :mrgreen:

    Dafür kam heute wieder eine Mail von jemandem, der an einer Lottovorhersage-Methode arbeitet… 🙄

  5. caschy, bei mir war es tatsächlich das Mixtape, wo mir eben der letzte Satz etwas aufstieß. Wasserbälle o.ä. habe ich (zum Glück) noch nie bekommen, aber unaufgefordert zugesendete Sachen ohne Nutzwert hätten bei mir wohl schlechte Karten.

    Konna, für 7 Euro die Woche hätte ich meine Seele auch nicht verkauft, aber bei 50 hätte ich es mir überlegt 😉

    Andreas, so ein bisschen Schmuck vermisse ich eigentlich auf deinem Blog, vielleicht möchtest du das ja mal als Anlass nehmen und uns deine Kreationen vorstellen 😈

  6. So, wieder da aus dem Urlaub: Für 50€ eine Woche meinen Blog verschandeln? Da wäre ich vielleicht auch schwach geworden… aber dass die so hoch gehen, hätte ich nicht gedacht und 7€ waren es mir einfach nicht wert. 😉

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