Der gestrige Freitag: dreckig und dunkel

Unglücke kommen selten allein und da die Woche am Montag dunkel begann, endete sie auch auf diese Weise und ein wenig Dreck kam noch dazu.

Der Tag begann recht gewöhnlich und die erste Hälfte verlief unberichtenswert. Doch sobald ich mich aufmachte, einen Zug zu erreichen, nahm das Unglück seinen Lauf. Schon beim Aufbrechen fielen die ersten schweren Tropfen und natürlich war das der erste Regen seit dem Wolkenbruch vom Montag Morgen.

Keine Minute später sprang meine Kette ab. Natürlich fiel sie vorne zwischen Kettenblatt und Schutzblech, dass es mehrere Minuten dauerte bis zur Weiterfahrt und dreckige Finger gab. Das ist das dritte Mal, dass mein Fahrrad kurz vor einer Zugfahrt den Dienst verweigert (1x Platfuß, 1x Kette gerissen). Ist das eine Zweiradverschwörung? Wollen die Dinger einfach nicht, dass man auf dein anderes Verkehrsmittel umsteigt? Jedenfalls führten die dreckigen Finger dazu, dass ich die Äpfel (= Reiseproviant) im Supermarkt nicht alle angefasst habe, sondern erst von allen Seiten angesehen habe und sicherlich ein interessantes Bild abgab. Glück im Unglück: Nach mehreren Minuten Warten an der langen Kassenschlange wurde eine zweite Kasse geöffnet und ich konnte mich nach ganz vorne drängeln.

Von da an war es ein Klacks und der Regen hörte gnädigerweise auf, sobald ich im Zug saß und zusammen mit der zurück gekehrten Sonne und den regennassen Fahrgästen gab es eine schöne, saunaartige Atmosphäre im RE.

Den RE konnte ich nach knapp drei Stunden aber verlassen und einen glänzenden ICE besteigen. Würde es diesmal gut gehen? Nachdem bei den letzen beiden Malen entweder ein Triebwerksschaden oder eine auf die Gleise gefallene Dogge die Fahrt verzögert hatte? Bis anderthalb Stunden vor dem Ziel schien es so, doch dann gingen die Lichter aus und mein Laptop wurde unsanft aus dem Land der Filme gerissen.

Eine Durchsage verkündete, dass ein Baum auf die Oberleitung gefallen war, die Feuerwehr bereits am Räumen ist und es wahrscheinlich noch 20 Minuten dauern würde. Zu diesem Zeitpunkt waren wir alle noch guter Dinge, obwohl kein Strom auf den Steckdosen war (= kein Film gucken), doch die normalen Lichter waren wieder an und man konnte lesen. Dann hieß es, wir müssen 40 Minuten warten. Einige Passagiere (namentlich die Raucher) fingen langsam an zu rebellieren, denn es durften keine Türen geöffnet werden. Irgendwann durften sie dann doch und es kehrte wieder Ruhe ein.

Eine Weile später gingen die großen Lichter aus und bei der schummerigen Notbeleuchtung war es dann vorbei mit dem Lesen. Eine Durchsage informierte uns, dass die Batterien geschont werden müssen und deshalb nur das Nötigste funktionieren würde. Die Handygespräche, die geführt wurden, sorgten bei den anderen Fahrgästen für Erheiterung, denn alle anderen bekamen jedes Wort der dramtischen Schilderungen mit. Eine weitere Weile später gab es eine erneute Durchsage:

Es ist möglich, dass dies meine letzte Durchsage ist, denn bald reicht der Strom nicht mehr aus. Wir müssen jetzt alles abschalten, denn sonst sind die Batterien zu leer und wir können nicht mehr starten.

Eine ermunternde Formulierung und ich hoffe sehr, dass ich das nicht noch einmal hören muss. Mittlerweile saßen wir schon eine gute Stunde fest und es bestand durchaus die Möglichkeit, dass das noch einige Stunden so bleiben würde. Doch dann, doch dann, doch dann! … gingen die Lichter wieder an und die Maschinen starteten und ganz langsam fuhren wir wieder weiter mit läppischen 80 Minuten Verspätung!

Aufgrund dieser Verspätung war es auch schon theoretisch Samstag, als ich endlich am Zielbahnhof ankam. Wieder um ein Erlebnis reicher, dass man den Enkeln erzählen kann bzw. in den Blog schreiben kann…

Wie das sonst so mit dem Bahnfahren funktioniert, hat Uwe vor einigen Monaten festgehalten.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

10 Gedanken zu „Der gestrige Freitag: dreckig und dunkel“

  1. Das ist ganz sicher eine Verschwörung! Eine unheimliche(?) Macht möchte nicht, dass du woanders als im hohen Norden bist und versucht so jedes Mal mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln deine Reise so beschwerlich wie nur möglich zu machen, damit du dir das nächste Mal dreimal überlegst, ob du die Fahrt antreten willst.
    Da müsste die Rückfahrt ja eigentlich wie geschmiert verlaufen…

    (wo sind die Smilies?) -> blödes Javascript, sollte ich vll auch aktivieren, wenn ich hier bin.

  2. klingt nach ner netten bahnfahrt, eh? 😉

    naja, auf alle fälle ein erlebnis, mit dem nicht jeder kommen kann.

  3. Mich haben SIE (die typischen „SIE“ einer Verschwörung) auch mal in München festhalten wollen (aber am Bahnhof): ICE-1 rollt los, 2 Meter: stop. Nächste Versuche: dito. Irgendwann mitbekommen, dass im nächsten Wagen eine Durchsage zu hören war; das Lautsprechersystem in meinem Wagen war wohl auch defekt. Irgendwann ca. 40 Min. nach der geplanten Abfahrtszeit sollen wir in den ICE-3 auf dem Nebengleis (der eine Weile dort stand, nachdem er hier am Ziel war) umsteigen – „nehmen wir halt den“, meinte der Zub.

    Kaum will der ICE-3 losfahren: Plopp, alle Lichter aus (bis auf die Notbeleuchtung), nix geht mehr. Noch weniger als im ICE-1 vorhin. Ergo: Alle raus, vor zum Kopfbahnsteig und schnell zum nächsten, abfahrbereiten ICE – dem planmäßig nächsten, der dann überraschenderweise auch mit wenigen Minuten Verspätung losfährt (und natürlich „etwas“ voll ist)…

    Gut, war nur eine ca. 70-minütige Verspätung, aber wenigstens am Hbf.

  4. flash, der hat auch noch anklingen lassen, dass dann die Toiletten nicht mehr funktionieren…

    caesar, das ist eine interessante Theorie. Leider gibt es den Schönheitsfehler, dass der Triebwerksschaden auf dem Wen IN den Norden war! (Und erschreck mich doch nicht so mit verschwundenen Smilies!)

    tobi, das ist die Frage, was man lieber möchte: interessanter Beitrag oder stressfreie Fahrt xD

    Andreas, deine Schilderung klingt viel spannender, denn da kommt noch viel mehr Lauferei vor 😉

  5. Ok, Tobi habs gesehen :kopfwand: Aber dein Rechenbeispiel funktioniert nur für Städte, wo es einen Flughafen für Billigflieger gibt (und das sind prozentual gesehen verschwindend wenige). Bei mir würden die Zugfahrten zum Ab- und vom Zielflughafen genausoviel wie die gesamte Zugfahrt kosten und eine Zeitersparnis gäbe es auch nicht…

  6. zu der Stimmung passt ja schon wieder ein Zitat von Billy Bragg. „The chain that fell off my bike last night is now wrapped round my heart“

    ich hoffe, inzwischen scheint die Sonne wieder…

    P.S. und du meinst die kurze Antwort kennt tatsächlich niemand? 🙂

  7. Puh, ich gebe zu, ich bin ein klein wenig neidisch. Ich meine, ich schimpfe immer seltener auf dem Blog…und es fehlt mir. Allerdings fühlte ich beim Lesen auch stark mit dir; wusste ich doch, dass da bei dir zu allem Überfluss auch noch Kopfschmerzen im Spiel waren. Das war schon fast Popcornkino, das du uns hier präsentiert hast. 🙂

  8. Chlorine, die Kopfschmerzen! Ich hab glaub ich ein halbes Dutzend Schmerztabletten den Tag über genommen. Doch ich glaube, wenn du das hier beschrieben hättest, hätte ich Tränen gelacht (und es hätte wahrscheinlich ein schönes Bildchen gegeben 😉 )

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