Buchempfehlung: Alan Weisman – Die Welt ohne uns

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Heute gibt es wieder ein Sachbuch bzw. sog. populärwissenschaftliches Buch, das ich empfehlen möchte. Im Januar wurde ich auf Die Welt ohne uns / The World without us aufmerksam[1], habe es aber erst jetzt geschafft zu lesen. Es passt allerdings sehr gut, wie wir gleich sehen werden.

Kurz zum Inhalt: Nehmen wir an, dass innherhalb kürzester Zeit, die gesamte Weltbevölkerung sterben würde, d.h. alle Menschen von einen Virus dahingerafft werden. Was würde dann mit der Erde passieren? Würde sich die Natur erholen? Wie schnell würde unser Einfluss unsichtbar gemacht werden? Bzw. würde das überhaupt der Fall sein oder haben wir dem Planeten unheilbare „Wunden“ zugefügt?

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Dieser Frage geht Alan Weisman auf erstaunliche Weise nach. Er bereiste eine Vielzahl ungewöhnlicher Orte auf der ganzen Welt und erzählt die Entstehungsgeschichte dieser Orte. Das mag auf den ersten Blick ungewöhnlich erscheinen, doch wenn man weiß, wie etwas entstanden ist, dann kann man einschätzen, was passiert, wenn kein menschlicher Einfluss mehr wirkt. Er zeigt anhand von Beispielen auf, wie sich die Natur entwickelt, wenn sich die Menschen gezwungenermaßen zurückziehen mussten, z.B. rund um Tschernobyl oder in der demilitarisierten Zone in Korea. Am interessantesten fand ich den Blick auf künstliche Werke, die nur mit größten, kontinuierlichem Aufwand in ihrem Zustand gehalten werden, wie den Panamakanal (Regulation durch Dämme) und Manhattans U-Bahn, die zum großem Teil unter dem Grundwasserspiegel liegt (Entwässerung durch 753 elektrische Pumpen).

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Erschreckend fand ich die Berechnungen, wie lange unsere modernen „Errungenschaften“ wie Plastik und Atomkraft nach unserem Ableben unverändert bestehen bleiben. Und damit sind wir auch beim aktuellen Thema, denn beim gerade stattfindenden G8-Gipfel in Japan, wird die Atomkraft zum Heilmittel gegen die Ölkrise ausgerufen. Es gibt momentan 443 Atomkraftwerke weltweit (Quelle), im Buch sind es noch 441 und das dort verwendete Uran hat eine Halbwertszeit von 704 Mio Jahren (U-235) bzw. 4,5 Mrd Jahren (U-238). D.h. wenn die Erde doppelt so alt ist wie jetzt, dann strahlt immer noch halb so viel U-238 wie heute. Und wir buddeln das weiter munter aus und sehen darin eine Lösung für Umweltprobleme. Daneben gibt es noch 30.000 intakte Atomsprengköpfe mit Plutonium, deren Radioaktivität nach ungefähr 250.000 Jahren so weit abgenommen hat, dass es der natürlichen Hintergrundstrahlung entspricht. Ein schönes Erbe, das wir da hinterlassen…

Diese Beispiele sind bei weitem noch nicht alles, was den Leser bei diesem interessanten Buch erwartet und ich empfehle es uneingeschränkt:
Die Welt ohne uns / The World Without Us

  1. Wissenswerkstatt – Die wichtigsten Sachbücher des Jahres 2007 []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

11 Gedanken zu „Buchempfehlung: Alan Weisman – Die Welt ohne uns“

  1. Ja, ein interessantes Thema… im Spektrum der Wisenschaft 11/07 war auch ein schöner Artikel dazu – den gibt’s zwar nicht frei zum Herunterladen, aber zumindest der Haupt-Text ist hier anzuhören (knapp 10 Minuten).

  2. Dieses Buch steht seit ca. 3 Wochen auf meiner „zu lesen“ Liste, von daher kommt Deine Empfehlung nicht unerwartet 🙂

  3. Ich habe das Buch gerade von meinem Bruder empfohlen bekommen und werde es in den Semesterferien mal schnell durchrasseln 🙂
    Er war genauso wie du sehr fasziniert davon

  4. Spannend, ein guter Buch-Tipp. Werde ich mir mal anschauen. Kommt das Buch ohne Bilder aus? Wär‘ doch schade, fürchte ich aber.

  5. Andreas, ist gespeichert und werde ich mir gleich anhören :mrgreen:
    Nachtrag: es geht um die U-Bahn-Pumpen von Manhatten, ha!

    Luto + Schaps: viel Spaß

    Paddy, ein paar Bilder gibt es zur Illustration. Und ich habe vorher auch gesehen, dass es eine Webseite zum Buch gibt, wo man u.a. mit GoogleEarth einige der Orte besuchen kann. Wer das Programm installiert hat, kann damit sogar eine ganze Reise unternehmen.

  6. So, ich wollt mich hier ja nochmal melden wenn ich das Ding durchhabe. Es hat doch ein wenig länger gedauert, aber das lag nicht am geringen Tempo! Sondern weil ich iwie mehr anderen Kram zu erledigen hatte als ich dachte ^^
    Poah! 1,5 Jahre für ein Buch…hammer 😀
    Naja, es ist ziemlich geil. Ich fand, dass es den Höhepunkt irgendwo in der Mitte hatte, danach wurd es meiner Meinung nach etwas langweilig. Am meisten hat mich der Teil interessiert in dem es um die Kunststoffe geht die von uns produziert werden und nun föhlich in der Welt herumschwimmen und schaden anrichten.
    Ansonsten natürlich der Anfang, in dem schön anschaulich geschildert wird wie alles nach und nach zerfällt…und was eben von uns übrig bleibt.
    Fazi: Sehr zu empfehlen!

  7. Super, dass du durchgehalten hast 🙂 Das Buch kann man ja durchaus in mehreren Stücken lesen, da es keine durchgehende Geschichte erzählt, sondern Beispiele bringt.

  8. Genau das denk ich mir auch. Bei Romanen ist es immer sone Sache. Aber da komm ich auch immer recht schnell wieder rein. Hab auch noch nen Stephen King halb durch…ma sehn wann ich den zuende schaff. ich fang andauernd neue Sachen an ^^

  9. Organisation ist das Stichwort! Wenn du eine Übersicht möchtest, deine Bücher eintragen möchtest, die du gelesen hast/am lesen bist/lesen möchtest und Rezensionen lesen, Freunde finden etc, kann ich dir goodreads empfehlen. Mich findest du hier.

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