Die Deutschen und ihr Brot

Durch Sebastians Liebeserklärung an das Brot, das gebackene bin ich wieder an mein Auslandsjahr in Schottland erinnert worden, wo ich unter großem Brotentzug litt. Es ist nämlich eine typisch deutsche Geschichte[1], das Brot und die Lust auf Brot. Wo sonst isst man zweimal am Tag dieses fantastische Erzeugnis? Klar, es gibt Müsli und Cerealien in Deutschland und es gibt brotähnliche Dinge in anderen Ländern, aber so etwas, das Sebastian in Worte gefasst hat, das gibt es nur hierzulande.

verschiedenen BrotsortenWoran liegt es? Laut Wikipedia gibt es über 600 Sorten Brot im deutschen Sprachraum und mein Brotbackbuch spricht sogar von ca. 1500, wenn man Brötchen mitzählt. Ich wette, dass es in keinem anderen Land auch nur einen Bruchteil so viele verschiedene Arten gibt. Und dementsprechend gibt es auch weniger Angebote für „aufs Brot“. Das geht von süßen Sachen (die keineswegs bäh sind) über Wurst und Käse hin zu verschiedenen Salaten. Diese Auswahl findet man nicht im Ausland und man sucht vergeblich nach so etwas wie Leberwurst. Mit Ausnahme von Erdnussbutter kommt hierzulande so ziemlich alles aufs Brot, auch Eier etc. die dafür gar nicht vorgesehen waren.

Bevor ich jetzt zu sehr abschweife, schwenke ich schnell wieder zurück zum Brot selber. In meinem Auslandsjahr in Schottland habe ich sehr schnell gemerkt, wie sehr Grundnahrungsmittel Brot für mich ist. Als ich nach über zwei Monaten zum ersten Mal wieder nach Deutschland gereist bin (zu Weihnachten), wollte ich sofort nach der Ankunft einfach nur Brot haben, ganz viel Brot. Man glaubt gar nicht, wie sehr man eine so simple Sache vermissen kann.

Brot und BrotzutatenWeitere zwei Monate später habe ich so etwas wie eine Bäckerei entdeckt, die Vollkornbrot verkaufte. Das Brot war natürlich total weich und konnte nicht mit dem Messer geschnitten werden, aber es schmeckte einigermaßen und kam dem am nächsten, was man in Deutschland unter Brot versteht (siehe Bild links). Da das Einkaufen in dem Laden eine längere Busfahrt erforderte, habe ich jedes Mal alle Brote gekauft, die sie da hatten, d.h. so vier bis sechs Stück (geschnitten natürlich). Daheim wurden die dann eingefroren, weil sie erstaunlicherweise nach dem Auftauen noch besser schmecken.

Einmal habe ich nach einem Kurztrip nach Deutschland (Billigflieger sei Dank) ein herrliches Schwarzbrot und mehrere Gläser selbstgemachte Marmelade importiert. (Und eine Packung Spinat, aber das ist eine andere Geschichte.) Das hat bei der Kontrolle auf dem Flughafen für Erheiterung gesorgt, man hat mich aber zum Glück unbelästigt durchgelassen. Auch zurück in Schottland hat meine Aktion für Erheiterung gesorgt, aber das war mir egal, da ich ja lecker Schwarzbrot zu verzehren hatte.

Neben meinen eigenen Erfahrungen, wurde diese Brotliebe auch von anderen bestätigt. Ich habe in mehreren Ländern Deutsche getroffen, die ausgewandert sind und diese meinten, dass bzgl. Nahrungsmitteln Brot dasjenige ist, das sie am meisten vermissen.

Bilder: das obere steht unter der GNU Free Documentation Licence und das zweite ist in der Public Domain

  1. Gilt das auch für Österreich? Falls ja, dann gilt der Artikel für beide Länder. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

16 Gedanken zu „Die Deutschen und ihr Brot“

  1. Ich behaupte, in der Schweiz ist das nicht anders. Ich liebe Brot und hasse es, wenn’s mal nur fladenähnliches Zeugs ohne Geschmack gibt und das als Brot verkauft wird. Igitt.

  2. Danke. Wie aus einem einfachen,schnellen Gedankengang bei mir ein schöner weiterer Artikel bei Dir werden konnte.

    Dabei habe ich mich nur schnell durch ein frisches,gekauftes Brot zu meinem Artikel inspirieren lassen,Gedanken einfach niedergeschrieben ohne zu viel dabei zu denken.

    Trotzdem wundert es mich ein wenig,das in vielen anderen Ländern nicht so der Geschmack zu Brot da ist. Jedenfalls nicht so in der Vielfalt auch wenn ich gerne Pita uä mal esse,auch Baguette mag ich. Aber in vielen Ländern ist dieser Varationsreichtung noch nicht so aufgefallen wie in der BRD.
    Doch war ich auch noch nicht überall. Tschechien,Belgien,Niederlande,Österreich (ka was es da gibt,war nur auf Klassenfahrt dort),Spanien,Griechenland. Ich glaube,das waren schon alle Ziele meiner Reisen.

    So viele verschiedene Sorten Brot,wie es sie hier im Rheinland gibt, sind mir dort nicht augefallen.

    Und ja, ich liebe Brot.

  3. Also was ich in Österreich bisher an Brot/Brötchen erlebt habe, kommt auch ganz und gar nicht an das heran, was es hierzulande an Brot gibt. Zwar ist da auch relativ viel Vielfalt gegeben, aber die haben so’ne Eigenart in fast jedes Körnerbrot Kümmel zu stopfen. Damit fällt für mich schonmal ein Großteil der Brotsorten aus. Und was dann so an Weizenbrot und einfachen Brötchen übrig bleibt, ist meistens einfach pappig… – also ich bin auch immer wieder froh, nach einem mehrwöchigen Kundeneinsatz in Österreich, wieder hier zu sein…

  4. Brot ist schon eine tolle Sache (man mag es kaum glauben, aber während ich hier gelesen habe, habe ich ein Käsebrot gegessen) und ohne könnte ich nur schwer leben. Wenn man sich irgendwo im Ausland mal selbst versorgen muss, merkt man erst, wie typisch deutsch Brot ist und was einem fehlen kann, wenn man es nicht mehr bekommt.
    Ich verweise in dem Zusammenhang einfach mal auf mein sehr simples Brotrezept.

  5. Also bei mir ist es genau umgekehrt: mir schmeckt das österreichische Brot um einiges besser als das deutsche 😉

  6. Das Dumme am frischen Brot vom Bäcker ist jedoch, dass man es sofort anschneiden muss (nicht zu knapp) und gerne mal kurzzeitig unter Magenschmerzen leidet.

    Nicht vom Bäcker möchte ich dir dennoch meinen derzeitigen Liebling Vitaminbrot (mit Karotten und Sonnenblumenkernen) wärmstens empfehlen.

  7. Witzig- erst jetzt fällt mir auf, dass ich wirklich Appetit auf Brot habe. Jaaa, ist schon was feines … man sollte es wirklich mehr wertschätzen; auch oder erstrecht weil es bei uns etwas ganz alltägliches ist.

  8. Erstens: die Holländer/Niederländer machen das beste Brot
    zweitens: Erdnussbutter essen auch einige Deutsche. Kann ich auch nicht verstehen, ekliges Zeug. Aber manche essen auch Käse (Gouda) mit Marmelade.
    drittens: ich mag kein Brot, finde ich langweilig. Außer mit Nutella esse ich fast nie Brot. Meistens esse ich Abends ein Müsli.

  9. Ich kann auch nur bestätigen, dass in Deutschland
    die Brotvielfalt und -qualität sehr gut ist.
    Ja, ich esse auch gerne Erdnusbutter, schmeckt doch gut 🙄
    Und Zwiebelbrot finde ich auch sehr lecker. Brot ist
    sicherlich nicht langweilig :motz:

  10. Ja und nicht vergessen, wo wären wir ohne Brot denn, da es in diesem Fall nicht „Bernd das Brot“ geben würde. :clap:
    Viel Brot esse ich nicht. Aber ab und an überkommt es mich schon, das ich mir dann Butterbrotstullen schmiere.
    Auch lecker Spiegelei auf Brot ist was feines.

  11. Von dem Niederländischen Brot wird man doch nicht statt.Fühlt sich eher wie ein trägermaterial für den Aufstrich an. Aber wie in der Musik sind wohl auch beim Brot ect die Geschmäcker verschieden.

  12. Paddy, dann einigen wir uns (erstmal) auf den deutschen Sprachraum 😉

    Sebastian, gern geschehen – für einen Kommentar wäre das ein bisschen lang geworden :mrgreen:

    beetFreeQ, Kümmel ist wirklich eine schreckliche Unart :motz:

    Caesar, guten Appetit nachträglich 🙂 Danke für das Rezept, hoffentlich hilft es einer armen Seele im Ausland :mrgreen: Ich habe in Schottland auch ein paar Mal gebacken, wie mir gerade einfällt…

    Ivy, willkommen! Schmecken dir alle Arten von Brot in Österreich besser oder nur bestimmte Sorten? Magst du vielleicht Kümmel sehr gerne?

    Chlorine, noch warmes Brot ist natürlich wieder ein Phänomen für sich und gehört gesondert angebetet. Aber Vitaminbrot klingt lecker. Ich werde mal mein Brotbackbuch konsultieren, ob da ein solches Rezept drin ist. Und wenn ja, dann backe ich das vielleicht morgen…

    Lilly, hast du zugeschlagen? 😉 Lass dir also gesagt sein, dass du bei einem längeren Auslandsaufenthalt vorsorgen musst!

    David, machen die Holländer nur eine Sorte Brot?!? Und ja, es gibt einige Deutsche, die Erdnussbutter gerne essen (genauso wie einige Brot nicht so gerne mögen 😉 ). Aber im Vergleich zu den USA sind das verschwindend wenige und die Abhängigkeit erreicht hierzulande sicherlich nicht diese Grade wie bei den Amis.

    Last Minute Reisen, es hat auch niemand behauptet, dass Brot langweilig ist (bei 600 bzw. 1500 Sorten).

    Andi (du bist erst im Spam gelandet, sorry), aber Bernd ist natürlich wirklich wichtig :mrgreen: Und Ei auf Brot hat wirklich was, auch wenn ich es für einen „erworbenen“ Genuss halte.

    Sebastian, ein schönes Schlusswort!

  13. Das erinnert mich an meinen Schüleraustausch in Frankreich. Ständig Baguet, was für eine Qual. Als ich wieder zu Hause war, bin ich so glücklich gewesen, wieder ein richtiges Brot essen zu können…was wirklich komisch ist, ich esse nämlich kaum Brot 😆

  14. Deutschland ist wirklich ein El Dorado der Backwaren. Echt cool! 🙂
    Da fällt mir auch noch was ein: Einmal waren wir auf einer Kursparty und da läuft die ganze Zeit so ein Lied über Brot. Ich hörte mal genauer hin…es hieß „Ich liebe Deutsches Brot“ und dann hörte ich noch genauer hin. Und ich dann so: Hä?? Die Stimme hört ich voll an wie von unserem Mathelehrer Herrn Mewes! Und dann einer so: Ja, der hat ne Band und die haben einige CDs herausgebracht…
    Voll genial :clap:
    Hab mir natürlich den Kram gerippt. Herr Mewes selbst mag nicht so gern auf die Band angesprochen werden, vor allem nicht in der Schuke ^^

  15. Ich bin wirklich mal gespannt, wie sehr mir deutsches Brot in meinem dreiwöchigen USA Urlaub fehlen wird. Wobei ich auch schon in anderen Ländern war, in denen Brot unüblich ist und das auch überlebt habe. In Thailand habe ich das Reis essen ausgesprochen schätzen gelernt. Aber drei Wochen sind natürlich auch keine wirklich lange Zeit. Und ich esse schon gerne Brot, am liebsten selbst gebackenes.
    LG – Elke

  16. Wobei Deutsches Brot nicht gleich Deutsches Brot ist. Nach einem 400km im selben Land habe ich Probleme Brote die zu finden, die mir schmecken.

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