Prince und Metallica haben da was missverstanden

Manchmal kann man nur den Kopf schütteln ob der Doppelmoral, die manche Künstler an den Tag legen. Die Aktion von Prince ist schon eine Weile her, Metallica haben gestern (erneut) den Vogel abgeschossen.

Eigentlich wollte diese Prince-Geschichte schon gestern in meinem Coverversion-Beitrag schreiben, es dann aber aus Platzgründen gelassen. Doch da sich Metallica heute bzw. gestern einen ähnlichen Schnitzer geleistet haben, bekommen die beiden eben heute einen eigenen Beitrag spendiert.

Worum geht es überhaupt? Es geht um den Wandel, den wir (gefühlt oder echt) im Moment in der Musikindustrie erleben und wie Künstler damit umgehen. Man kann dafür oder dagegen sein, man kann die bösen Piraten verteufeln oder das Filesharing als Chance begreifen, man kann das Internet als Spielwiese mit neuen Möglichkeiten sehen oder als Bedrohung für die eigene Existenz. Doch wenn man einmal eine Entscheidung getroffen hat, sollte man dabei bleiben (oder nur aus trifftigen Gründen revidieren) und nicht hin und her springen oder gar doppelmoralische Züge walten lassen.

Nun zu den zwei Beispielen. Prince hat beim Coachella-Festival Ende April den Song „Creep“ von Radiohead gecovert. Alle Videomitschnitte, die Fans auf YouTube eingestellt hatten, wurden aufgrund von Copyright-Verletzungen wieder entfernt. Das Verkorkste an der Situtation ist, dass die Anfragen von Prince‘ Plattenlabel kamen und nicht von Radiohead. Thom Yorke sieht die Sache anscheinend anders und fordert die Entsprerrung des Videos. Beiträge dazu: Pressetext (dt), Billboard (engl) (beide via), Stereogum (engl) (via).

Die aktuellere Geschichte betrifft Metallica. Wir erinnern uns daran, dass die Jungs (bzw. ihre Plattenfirma) damals Napster verklagten und Drummer Lars Ulrich persönlich einen Ausdruck mit den Name von Tausenden Fans vorbeibrachte, die Songs der Band illegal anboten. Mit dem kommenden Album haben sie anscheinend ihre Meinung scheinbar geändert und bieten vorab Hintergrundinformationen und exklusive Downloads an. Die größtenteils kostenpflichtigen Optionen sind aber wohl auch nicht das Gelbe vom Ei und die Fans scheinen „ihrer“ Band auch nach acht Jahren nicht verziehen zu haben, wie die Kommentare zur Auflistung bei Wired und eine knapp 94%ige Ablehung bei dieser Umfage (ebenfalls Wired) verraten.

Der Auslöser für meinen Beitrag war jedoch die Nachricht, dass Metallica die Vorabkritiken zu ihrem neuen Album, die Blogger nach einer Listening Party veröffentlichten, verbieten lässt (wieder Wired):

Let me get this straight… Metallica held a listening party for music reviewers and was surprised when some of them wrote reviews? That has to be a public relations first.

Die Ausrede im Update, dass es sich um einen Vorabmix des Albums handelte, erscheint mir fadenscheinig, vor allem, da die Kritiken das Album eher positiv beurteilten und die Zuhörer keine Geheimhaltungsvereinbarung unterschreiben mussten.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

16 Gedanken zu „Prince und Metallica haben da was missverstanden“

  1. Metallica !!!

    Das ist mal eine scheiss Aktion,wenn dies so gelaufen sein sollte.

    Aber nach der letzten „überragenden“ Platte kein wunder,die war sowas von überzeugend. Wäre das letzte Metallica-Album von einer anderen Band gewesen dann wäre es sicherlich abgefeiert worden.

    Egal,aber warum laden die dann Leute ein,Schreiberlinge,wenn die nicht über Metallica schreiben sollen ?

    Oder sollen die Artikel alle erst erscheinen wenn das Album kommt ?

    Und wenn Prince einen Song covert,dann hat er wahrscheinlich imemr noch nicht die Rechte an diesem Song.Aber wahrscheinlich kann er es trotzdem verbieten,denn er ist der Künstler.

    Was wollen die eigendlich alle immer ? Diese kleinen Filme auf Youtube usw sind kostenlose Werbung. Ich würde mich über sowas freuen,wenn ich Musiker wäre.

  2. Lebenslangen Boykott wäre wohl meine persönliche Antwort auf sowas. 🙂 Oder vielleicht nicht lebens-, aber zumindest jahrelangen. Nicht, dass denen das wehtäte, sondern mehr zu meiner persönlichen, kleinen Genugtuung. 😉

  3. Ich konnte Lars Ullrich noch nie leiden :mrgreen: Das jetzt unsachlich, entspricht aber trotzdem meine Meinung. Ich bin da hin und hergerissen. Bis Justice for all (inklusive) hatte ich mir alle Platten gekauft. Seit der Napstergeschichte bekommen die Jungs keinen Cent von mir. Allerdings muss ich sagen, ST.Anger wäre das Geld schon wert gewesen. Der neue Bassist ist einfach der Hit, und Musikalisch gings ja eher wieder zurück zu den Wurzeln.

    Wer mit Kritik nicht umgehen kann ist in meinen Augen ganz arm drann. Jeder sollte froh sein, um konstruktive Kritik, ist ja schliesslich eine Möglichkeit sich selbst zuverbessern…

  4. Jaja, ich sags ja immer wieder, die alten Platten von Metallica sind und waren immer die besten. Alles nach „Metallica – The Black Album“ war nur noch Schrott und genau so hat sich auch die Band entwickelt. 🙄

  5. -Metallica verstand das Internet/seine Fans noch nie
    -Metallica versteht das Internet/seine Fans nicht
    -Metallica wird das Internet/seine Fans nie verstehen

    :kopfwand: :motz:

  6. Wenn sie meinen, sich durch solche Aktionen etwas Gutes zu tun…

    Ich habe Musik-Gruppen, die ihre eigenen Hörer verklagen oder beschuldigen, noch nie verstanden und ich werde sie wohl auch nicht mehr verstehen. Ist es nicht der Sinn von Musik, dass sie gehört wird? Klar, illegal downloaden ist illegal und somit nicht legal und nicht erlaubt und so, aber ich für meinen Teil hätte lieber glückliche/treue Fans als einen Haufen Geld. Und den haben sie ja trotzdem, wo liegt also das Problem?! 😕

  7. Nach einem kurzen Blick in den Wikipedia-Eintrag von Metallica habe ich endgültig das Verständnis für die Typen verloren.

    Die restlichen Vier arbeiteten im Juni 1982 an einem dritten Demo: „No Life ‚Til Leather“. Es gewann auf dem Weg des damals üblichen privaten Tausch- und Kleinhandels mit Kassettenkopien enorme Popularität in der Untergrundszene der San Francisco Bay Area.

    Demnach haben die Jungs überhaupt den Einstieg in die Top-Liga dank „illegalem“ Tauschen und Kopieren geschafft. Doof, oder wie?

  8. Habe das Gefühl, es ist schon wieder alles gesagt worden. Im Zusammenhang dazu missfällt mir auch die gängige Praxis auf Konzerten Kameraverbot erteilt zu bekommen. Schreibe ich ein Review auf meinem Blog und versehe es mit ansprechenden Bildern (nicht mal Videos!) so wäre das perfekte kostenlose Werbung wie Bandshirts u.ä..

  9. Zugegebenermaßen bin ich jetzt zu faul, den kompletten Digital Millenium Copyright Act durchzulesen, aber ich befürchte doch, daß die Anwälte von Prinzens Plattenfirma nicht so doof sind, sich auf das Gesetz zu berufen ohne es vorher gelesen zu haben. Wahrscheinlich ist der, die, das DMCA etwas umfangreicher und bezieht sich auch auf künstlerische Eigenleistungen, zu denen selbstverständlich auch Prinzens Interpretation von Radiohead Songs gehört. Ich halte das also eher für einen Fehler der Presseabteilung der Plattenfirma, der von den Medien gerne aufgenommen wurde.
    Prince scheint aber sowieso ein eher gespaltenes Verhältnis zu Youtube zu haben.

    Das Metallica natürlich einen an der Klatsche haben, sollte sich ja langsam bis in den entferntesten Winkel der Erde herumgesprochen haben.

  10. Sebastian, du meinst St Anger?! Wie der Herr Crosa meint, war die wohl ganz gut 🙂 Kann ich aber nicht beurteilen, weil mir die Band aufgrund des exzessiven Hörgenusses meines Bruders schon in jungen Jahren verleidet wurde…

    Paddy, danke für die Recherche – das macht die Sache wirklich noch viel schlimmer! Und wer sagt denn, dass alleine Napster schuld ist? Zur gleichen Zeit wurden CD-Brenner erschwinglich und ich möchte behaupten, dass dadurch ebenfalls viele CDs nicht verkauft, sondern kopiert wurden.

    Schaps, wer und wo? Die genannten Herren? Das Internet? Ich? 😉

    Suriel, dich hätte ich nie als Metal-Fan eingeschätzt :-O

    Gilly, sehr treffend! Genau so verhält es sich.

    Boff, Metallica gehören wirklich zu den wenigen Bands, die es sich leisten können, wenn ein paar weniger Alben verkauft werden. Dennoch glaube ich, dass nicht jeder illegal heruntergeladene Song automatisch legal gekauft worden wäre. Und umgekehrt bietet ein (erstmal) kostenloser Download die Möglichkeit sich mit der Musik anzufreunden. Aber das ist ein kompliziertes Thema und egal wie es sich verhält, wir hören anders Musik als noch vor 20 oder 10 oder gar 5 Jahren. Da kann man der guten alten Zeit noch so viel hinterher heulen, sie kommt nicht wieder.

    Chlorine, janz jenau! Wenn ich bei dir lese, wie toll es war und du machst wunderschöne Fotos, dann will ich das nächste Mal auch dabei sein!

    Postpunk, das mit dem DMCA stimmt wohl und die Videos wurden ja berechtigterweise gesperrt. Doch die Hartnäckigkeit mit der dies geschieht ist geradezu traurig. Eigentlich müsste er wissen, dass es funktioniert: vor einem Jahr hat er sein Album mit einer Zeitung verschenkt (also fast umsonst), doch die darauffolgenden höheren Ticketverkäufe haben das mehr als wett gemacht.
    Und ja, Purple Rain gehört zu den Songs, die nicht gecovert werden sollten 😉

  11. „Suriel, dich hätte ich nie als Metal-Fan eingeschätzt :-O “

    :mrgreen: Aber Hallo *gg* meine Jugend habe ich mit Metallica, Iron Maiden, AC/DC und Co. verbracht und ich könnt jetzt noch die Schuppen schütteln, wenn ich Lieder von damals höre, nur leider schauen die einen in der Disco dann immer so doof an, sind halt nix gutes gewöhnt die Discogänger von heute 😉 😆

  12. Die Metallica-Geschichte geht noch weiter. Laut einer Pressemitteilung auf ihrer Seite war das böse Management schuld und sie wussten nix von der Sache. Der Schreiber dieses Artikels glaubt das nicht wirklich und packt das in eloquente Worte. Der erste Kommentar dazu ist auch sehr lesenswert, besonders der letzte Satz:

    You want to make a statement Lars? Write a song!

  13. für mich ging es nach cliff burton´s tod bei metallica musikalisch nur noch bergab!
    metallica haben genug verdient und sollten aufhören, sie sind nur noch wack!

    wg mp3 downloaderei: gute bands verkaufen immer lps oder cds, weil die fans es zu würdigen wissen…

    mahmut aus frankfurt

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