Wann ist eine Coverversion „erlaubt“?

Bei der letzten Ausgabe der Chartspunkte wurde eine kleine Diskussion über Coverversionen im Dancegenre angestoßen. Uwe und ich vertraten die Ansicht, dass es da Grenzen gibt, während flash und Schaps Coverversionen prinzipiell gut finden[1]. Dies hat mich zu dem folgenden Beitrag inspiriert, bei dem es auch eine Umfrage gibt (am Ende des Beitrags).

Wann sollte also meiner Meinung nach eine Coverversion „erlaubt“ sein? Ich vertrete eine recht restriktive Meinung zu Coverversionen, denn für mich hat das Covern eines Songs mit Respekt gegenüber dem Originalinterpreten zu tun. Wenn ein Künstler bei einem Konzert einen Song von jemand anders spielt, dann tut er das, weil er den Song gut findet und/oder etwas damit ausdrücken will. Wird ein Coversong regulär veröffentlicht – sei es als Single oder „nur“ auf einem Album – so geht das noch einen Schritt weiter und es war eine bewusste Entscheidung, den Song auf diese Weise zu veröffentlichen.

Erfolgte diese Entscheidung aus rein wirtschaftlichen Gründen, wo der Künstler im Extremfall das Original nicht mal kennt, dann ist die Coverversion in meinen Augen nicht erlaubt.

Prinzipiell finde ich die Idee toll und ich besitze mehrere Alben nur mit gecoverten Songs. In meiner Sammlung bekommen die dann das Genre Cover/Tribute verpasst. Darunter fallen z.B. Neuaufnahmen bekannter Alben (Legacy – A Tribute to Fleetwood Mac’s Rumours), Alben für einen guten Zweck (Make Some Noise – The Amnesty International Campaign to Save Darfur, Help: A Day in the Life), Tribute für bestimmte Künstler (Light of Day – A Tribute to Bruce Springsteen, Burning London: Clash Tribute) oder aus sonstigen Gründen, die ich als legitim erachte (Radio 1 Established 1967, Mark Ronson – Version).

In der Diskussion wurde das Beispiel Beds Are Burning von Midnight Oil genannt, das von der Eurodance-Truppe Novaspace gecovert wurde. Das geht meiner Meinung nach zu weit, denn im Song geht es um die Landrechte der Aborigines und man sollte daraus keine Tanznummer für den schnellen Gewinn machen. Das Argument, dass die Leute beim Tanzen nur auf die Melodie und nicht den Text achten, zieht bei mir nicht, denn die Produzenten und „Künstler“ werden beim Zusammenbasteln des Stücks sehr wohl darauf geachtet haben.

Ein weiteres Argument pro Cover sind die Tantiemen, die dem/den Originalinterpreten bzw. dem/den Komponisten als Urheber zustehen (möglicherweise beide identisch). Das mag wohl sein, doch ist das in meinen Augen keine Rechtfertigung. Und wenn wir in den Bereich des Samplings eintauchen wird es schnell kompliziert, weil es international unterschiedliche Regelungen gibt und es auch nicht immer eindeutig ist, wann man von Cover, Zitat, Sampling oder gar Plagiat spricht (mehr Informationen in den FAQs von coverinfo.de, bei iRights.info und bei Wikipedia).

Eine Grenze zu ziehen fällt schwer und hängt oft stark von persönlichen Vorlieben ab. Wie seht Ihr das? Bitte abstimmen oder einen Kommentar hinterlassen. Es sollte möglich sein, eigene Antworten zur Umfrage hinzufügen (bitte nur wenn es wirklich nötig ist).

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Nachtrag: Da das Umfrage-Plugin mittlerweile deaktiviert wurde, füge ich einen Screenshot des Ergebnisses ein.

Umfrageergbnis Coverversionen

  1. Gegenteilige Meinungen bzw. Verfeinerungen dürfen gern hier in den Kommentaren gegeben werden. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

12 Gedanken zu „Wann ist eine Coverversion „erlaubt“?“

  1. Erlaubt ist was gefällt. Ich denke, dass man den verpönten Dancecoveren sicher nicht aus Prinzip nur Raffgier vorwerfen kann. Die sind genauso mit der Musik groß geworden und finden die Originale großartig. Wenn es anders klingt ist nun mal zwangsläufig der Kreis der Kritiker gut. Ich finde es einfach Schade, wenn man ein gutes Lied als unantastbares Monument darstellt.
    Was wahrscheinlich das Covrn auch schwer macht ist, dass man Veränderungen an Text und Melodie nur vornehmen darf, wenn der Urheber zustimmt. Das lässt gerade die Dance-Cover oft seelenlos erscheinen. Da lässt man den Künstlern leider nur wenige Möglichkeiten sich kreativ an der Vorlage auszuüben.

  2. Cover dürfen meiner Meinung nach immer sein (sofern da rechtlich alles mit rechten Dingen zugeht). Ich finde es doch recht überheblich, wenn man fordert, dass das Covern von Songs mit „Aussage“ in einem bestimmten Genre (hier: Dancefloor) nicht erlaubt sein dürfte oder gar irgendwie verwerflich sei. Man unterstellt, dass alle, die Dancefloor hören und produzieren, irgendwie dumm oder ignorant sind.
    Letztendlich geht es um Musik und da hört jeder was er will und wie er will. Und wenn auch nur einem das Cover besser gefällt als das Original, dann hat es seine Daseinsberechtigung.

  3. Ich will das Covern von bekannten (oder weniger bekannten) Musikstücken nicht verteufeln. Aber das was mir bis jetzt im Dancemusicbereich zu Ohren gekommen ist, ist unter aller Kanone. Es klingt alles irgendwie Seelenlos.
    Das man Klassiker durch covern sogar noch besser machen kann, sieht man bei den American Recordings von Johnny Cash. DAS ist wahre Kunst!
    Bei den Stücken die er von Neil Young interpretiert hat, sind mir sogar die Tränen gekommen vor Begeisterung. Und dabei war ich zuvor der Meinung das man Mr. Young nicht covern darf.
    Es gibt also solche und solche.

  4. Coverversionen sind oft an der Grenze, nur selten so gut wie das Original aber trotzdem erlaubt. Ich denke aber, Einschränkungen sollte es geben. DJ Ötzis „Summer of ’69“ z.B. mag für Partys gut sein, tut mir aber in der Seele weh. Nicht weils schlecht ist, hab mir den Song nie ganz angehört – er lief halt mal irgendwo – aber das Original ist so grandios… Naja…
    Heuni

  5. Schwieriges Thema, also Covern nur um des Coverns willen finde ich (meist) blöd, aber wenn man merkt, dass sich der Künstler mit dem Song auseinandergesetzt hat, ja vielleicht einen ganz anderen Schwerpunkt legt oder die Interpretation verändert, dann find ich das manchmal auch echt gut.

  6. Nur Musikkenner können überhaupt solch eine Diskussion auf fruchtbarem Boden führen. Denn es gibt solche Kenner auch in dem als Coverszene verrufenen Dance/Hands up Bereich. Ich bin dort viel in Foren unterwegs und dort wird sich genauso produktiv und distanziert über Coverei unterhalten wie es hier gerade im Ansatz passiert. Die meisten Hörer sind in der Hinsicht sowieso kritisch, ob positiv oder negativ sei mal egal jetzt. Denn wichtig ist vor allem, dass den meisten auch der Ruf der Szene auch außerhalb wichtig ist. Denn in den meisten Fällen wird den Anhängern dieser Musik vorgeworfen sie sei ohne Seele und das meiste sowieso nur gecovert. Das stimmt nicht, nur den meisten Außenstehenden sind häufig nur die Cover bekannt. Mitunter bekanntestes Beispiel ist „Everytime we touch“ von Cascada. Es handelt sich hierbei um ein Cover. Die Aussage des Stückes erlaubt es meiner Meinung nach schon, daraus einen flotten Hands up Track zu machen, wie steht es mit dem Text? Nunja, es kann leider nicht als Zitat bezeichnet werden, da der Refrain 1:1 übernommen wurde. Deshalb möchte ich hier gerne betonen dass die Strophen komplett neu geschrieben wurden.
    Noch ein Beispiel ist mein Alltime Favorite „L’amour toujours“ von Gigi D’Agostino. Es handelt sich um ein Zitat, das lange nicht als solches erkannt wurde. Denn es enthält nur 4 Töne aus einem Lied von Depeche Mode. Und diese Töne sind eigentlich auch nur gut zu hören in der häufig nur unter Kennern bekannten 7 Minuten langen Version von „L’amour toujours“, sonst ist alles selbstgeschrieben, Melodie, Text usw.
    Ansonsten, das habe ich auch schon im oben genannten Artikel gesagt, sehen die meisten Hands up Hörer es garnicht gerne, wenn ein Stück auf übelste Weise billig, mit 08/15 Melodie auf den Markt gehauen wird, nur um zu versuchen möglichst viel Geld damit zu machen. Diese Produzenten sind in den meisten Fällen selbst in der Szene schnell untendurch und bekommen einen üblen Ruf. Bloß das interessiert ja nicht die Käufer der wenigen Populären Hands up-Sampler, wie Future „Trance“, oder Dream Dance. Das sind keine Kenner. Und wenn Leute die sich nicht mit der Musikrichtung auskennen, entscheiden was gerade angesagt ist, dann ist es klar, dass die Szene so in Verruf gerät.
    Die allermeisten Leute mögen die Originale mindestens genauso gerne wie die Cover und je nachdem ob sie gut oder schlecht gemacht werden, so reagieren auch diese Leute. Wir nehmen nicht alles hin. Und das bekommen die Produzenten auch langsam mit. Denn diejenigen die sich wirklich um ihre Fans kümmern, die werden auch langsam aktiv und mischen in den Foren mit – die meisten kommen nämlich hier aus god ol Germany 😉
    Oh mein Gott, entschuldigt, dass ich hier sone Bibel abgesetzt habe, wollte nur auch mal was dazu sagen. Da in den meisten Fällen, und ich werfe ganz sicher niemandem Intoleranz vor, wir nichtmal ausreden dürfen, da diese Musikrichtung schon vorab verteufelt wird.
    Danke fürs Zuhören 🙂

  7. Wow, danke für Eure aufschlussreichen Meinungen. Besonders Schaps‘ „Hintergrundbericht“ (nein, Kommentar ist nicht zu lang :mrgreen: ) ist ein Augenöffner. Wenn man so wie ich die Musikrichtung nicht mag, bekommt man eben nur die Oberfläche mit (die bekanntesten Songs) und es ist beruhigend zu hören, dass meine Meinung bzgl. der Geldgier nur einen kleinen Teil der Leute betrifft.

  8. Auch ich finde die Ausführung von Schaps sehr aufschlußreich – natürlich ist sie nicht zu lang! 😎

    Aber letzendlich spiegeln alle Aussagen hier auch nur die Meinungen der Leser wider – teilweise (ich schließe mich ausdrücklich mit ein!) auch beeinflusst durch mangelndes Wissen, das mag sein.

    Jetzt sagt Dee:

    „Ich finde es doch recht überheblich, wenn man fordert, dass das Covern von Songs mit “Aussage” in einem bestimmten Genre (hier: Dancefloor) nicht erlaubt sein dürfte oder gar irgendwie verwerflich sei.“

    Dem stimme ich grundsätzlich zu! Eine Bewertung ist hier allerdings auch ziemlich subjektiv. Denn solche Genres wie Techno oder Dance sind für mich eigentlich keine richtige Musik, d.h. ich nehme sie nicht als Musik wahr. Musik muß man genießen, analyisieren können, ddas kann ICH bei Dance und Techno nicht. Das geht mir alles auf die Nerven. Und bei Coverversionen, die den Eindruck erwecken, das nur schnell schnell was bekanntes mit Beat hinterlegt werden soll um Kohle abzuscheffeln, wird mir auch ganz schlecht.

    Coverversionen sind für mich SUBJEKTIV dann erlaubt, wenn sie sich in meinem Bereich der Definition von Musik aufhalten und das Original deutlich erkennen lassen, nicht ohne diesem etwas neues, erfrischendes hinzuzufügen.

    Ich weiß, das ist jetzt sehr subjektiv und auch provokativ – aber so sehe ich das. Ich habe von Dance und Techno sicherlich keine Ahnung – das kann man mir ruhig vorwerfen, aber Techno und Dance interessieren mich auch nicht.

  9. Noch ein Beispiel ist mein Alltime Favorite “L’amour toujours” von Gigi D’Agostino. Es handelt sich um ein Zitat, das lange nicht als solches erkannt wurde. Denn es enthält nur 4 Töne aus einem Lied von Depeche Mode.
    Mich iteressiert ja wie das Lied von Depeche Mode heisst, welches hier erwähnt wurde. Bitte um Antwort.

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