Albumkritik: Vampire Weekend – Vampire Weekend

Das heutige selbstbetitelte Debütalbum von Vampire Weekend stand schon sehr lange auf meiner Liste für eine Albumkritik[1]. Wer am Anfang bei meiner lauf.fm-Radiostation reingehört hat, hat bereits drei Songs von Vampire Weekend kennen- und hoffentlich lieben gelernt. Das Schreiben dieser Kritik hat so lange gedauert, weil das Album wie aus einem Guss scheint und die Songs zwar individuell sind, aber es schwer fällt, einzelne raus zu picken.

Genremäßig bewegen wir uns in amerikanischen Indierock-Gefilden mit afrikansichen Einflüssen. Das Album ist sehr energiegeladen und es macht richtig Spaß zuzuhören. Die Stimme von Sänger Ezra Koenig ist gewöhnungsbedürftig und vielleicht nicht für jedes Ohr angenehm. Mir jedoch gefällt die Stimme[2] ausgesprochen gut und sie ist eine weitere Zutat, die den Sound von Vampire Weekend einzigartig macht. Dazu kommen einige recht ungewöhnliche Instrumente, die die einzelnen Songs weiter aufpeppen. Die Geschwindigkeit und Aufgeregtheit der Songs verändert sich für meine Begriffe nur innerhalb eines geringen Rahmens und deswegen bekommen in der folgenden übersichtlichen Aufzählung der Einfachheit halber alle vier von fünf Punkten verliehen.

  1. Mansard Roof
    Gesang und Orgel legen gleich fesch los und bald steigen auch die Drums ein. Durchgehender, flotter Beat und nach nur drei Versen ist der erste Song nach gut zwei Minuten schon vorbei. Passend als Einstieg ins Album und als erste Single. Da das Video auf einem Boot spielt taucht dort jedoch kein Mansardendach auf.
  2. Oxford Comma
    Geklapper und dann wieder diese komische Orgel. Gleich der erste Satz „Who Gives a Fuck About an Oxford Comma?“ macht klar, dass hier Grammatik nicht so ganz ernst genommen wird und sich lustig gemacht wird über die, die das tun. [mp3-Download von Stereogum]
  3. A-Punk
    Schrammelige Gitarre und eine treibenbe Basstrommel. Zwischendurch mal nur Drums und Querflöte und Hey-Hey-Skandierungen. Macht einfach Laune und gute Wahl für eine Single (UK #55, US #25). Das Video sollte man sich aber nicht in alkoholisiertem Zustand ansehen, da es evtl. dazu führen könnte, dass sich alles noch mehr dreht.
  4. Cape Cod Kwassa Kwassa
    Hier kommen die afrikanischen Einflüsse voll durch, d.h. es erinnert ein wenig an Graceland von Paul Simon, was mir als großer Fan dieses Albums sehr gefällt. Im Text werden einige berühmte Namen verbraten und in seltsame Reime verpackt (Louis Vuitton – sandy lawn, see the dawn – colors of Bennetton). Was der Titel aussagen soll, ist mir schleierhaft. [mp3-Download von der offiziellen Seite]
  5. M79
    Oh, ein Cembalo und Bratschen. Der längste Song des Albums (mit 4:15) und einer meiner Favoriten. Ein wenig ruhiger im Vergleich zu den anderen Songs und eine schöne Abwechlsung.
  6. Campus
    Hier wird es wieder flotter und stellenweise wird jede Silbe mit einem Paukenschlag betont. Großes Ohrwurmpotential.
  7. Bryn
    Ein sehr seltsamer Text mit Tweepop-Gitarren.
  8. One (Blake’s Got A New Face)
    Im Refrain wird die Stimme etwas kreischig, doch immerhin merkt man sich so den Titel. Insgesamt wirkt der Song etwas gehetzt durch die abgehackten Zeilen und die fast militärischen Drums.
  9. I Stand Corrected
    Ein Gegenpol dazu ist der langsame Beginn des nächsten Songs mit Orgel. Die Drums kommen auch wieder, aber trotzdem wirkt der Song ziemlich beschaulich, was bei dem Thema auch zu erwarten wäre.
  10. Walcott
    Eine klingelnde Gitarre im Wechsel mit Bratschen stellen Walcott mehrfach die Frage, ob er aus Cape Cod verschwinden möchte, womit immerhin geklärt sein dürfte, dass das ein Ort ist. [mp3-Download von you aint no picasso]
  11. The Kids Don’t Stand A Chance
    Basslastiger Abschluss mit ein paar Schüsschen Cembalo und Bratsche. Hier werden nochmal instrumental und auch stimmlich alle Register gezogen. Textlich schön mysteriös und man möchte sofort einen weiteren Durchlauf des Albums starten.

Fazit: Gut vier von fünf Punkten für dieses angenehm kompakte und kurzweilige Album. Wer einen Song mag, dem gefällt das Gesamtwerk. Eignet sich hervorragend zur Dauerrotation für jede Gelegenheit, sowohl als Untermalung nebenher als auch mit voller Aufmerksamkeit.

Wer mehr wissen möchte werfe einen Blick auf die Wikipedia-Seiten von Band und Album und die Indiepedia-Seite. Auf der offiziellen Seite gibt es die zwei Videos und alle Texte im Lyricwiki. Reinhören in die Songs kann man bei eMusic.

Zum Abschluss noch eine Liste von englischsprachigen Reviews (Bewertung in Klammern, Liste von Wikipedia):

  1. Die Liste ist relativ lang und wenn alles nach Plan läuft, sollten in den nächsten Wochen viele Albumkritiken erscheinen. []
  2. Wie ich immer öfter merke, ist die Stimme für mich eines der wichtigsten Kriterien, ob mir eine Band ge- und auffällt. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

3 Gedanken zu „Albumkritik: Vampire Weekend – Vampire Weekend“

  1. Klingt durch die verschiedenen recht unterschiedlichen und vorallem außergewöhnlichen Instrumente sehr interessant. Gibt es auch bei Napster – ich kann es mir also anhören und werde das wohl auch tun. :mrgreen:

  2. Die waren neulich in München unterwgs und eine Kollegin von mir war dabei. Ich habe allerdings erst danach mit ihr gesprochen, sonst wäre ich nämlich mitgegangen, live sollen sie wohl wirklich gut sein. Das Album selbst ist mir manchmal ein bisschen zu schrill.

  3. Okay, witzig ist, dass ich bei meiner Suche durch die unendlichen Weiten von iTunes immer wieder auf Vampire Weekend stieß, aber nie das Verlangen verspürte, dem Namen auf den Grund zu gehen, da ich ihn irgendwie als…lächerlich oder zumindest schlecht überlegt empfand. Da musst erst du kommen, um mir diese Band näher zu bringen! 🙂

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