MediaMonkey vs iTunes (Teil 6: Doppelte Songs)

Willkommen zu einer weiteren Ausgabe des Vergleichs der Musikverwaltungsprogramme iTunes und MediaMonkey. Angetreten sind iTunes 7.6.2 (iT) und MediaMonkey 3.0.3 (MM) und heute soll es um das Erkennen und Behandelns von Duplikaten gehen. In einer großen Musiksammlung (> 10.000 Songs) sammeln sich unweigerlich doppelte Songs an, z.B durch Best Of/Greatest Hits-Alben und Compilations. Und es sammeln sich „falsche“ Duplikate an, wie Liveaufnahmen und Remixe.

Aufgrund meiner umfangreichen Sammlung, in der viele Spezialfälle auftauchen, konnten beide Programme ausführlich getestet werden. Es wurden sowohl Bordmittel als auch Erweiterungen zugelassen.

Ein kurzer Einschub, bevor wir beginnen: Duplikate bezeichnen hier Songs, die in der Bibliothek mehrfach auftauchen, d.h. physische Duplikate. Es geht nicht um Songs, die in einer Playliste mehrfach auftauchen, d.h. Links zum selben physischen Songs. Letzterer Fall sollte bei beiden Programmen nur auf Wunsch auftreten, da beim Hinzufügen von Songs zu einer Playliste darauf hingewiesen wird und man bestätigen oder ablehnen muss. Bei MM kann man außerdem nachträglich doppelt auftauchende Songs mit einem Klick im Kontextmenü entfernen.

Doppelte Songs mit Bordmitteln finden

Beide Programme bieten von Haus aus beschränkte Möglichkeiten zum Finden und Behandeln von Duplikaten und es wird vorausgesetzt, dass Titel und Interpret übereinstimmen. Das wiederum funktioniert nur, wenn der Nutzer des Programms alle Songs ordentlich mit Tags versehen hat.

Die Auflistung der doppelten Titel ist in beiden Programmen sehr einfach. In MediaMonkey gibt es einen eigenen Knoten Doppelte Titel unterhalb der zu bearbeitenden Dateien und in iTunes gibt es einen Menüpunkt Doppelte Titel anzeigen im Menü Anzeigen.

MediaMonkey - Doppelte TiteliTunes - Doppelte Titel

Die Anzeige bei iTunes hat den Vorteil, dass sich die Anzeige nur auf die aktuelle Auswahl bezieht und man so die Suche einschränken kann. Mehr zum Thema bei Apple und bei methodshop.com. Bei Doug’s Apple Scripts gibt es einen Artikel zum Konzept von Duplikaten und wie sie (bei iTunes) entstehen können. Alle drei Texte sind in englisch.

MediaMonkey dagegen kann auch echte Duplikate finden, d.h. Songs die den gleichen Audioinhalt haben, unabhänig von Dateiname und Meta-Tags. Dies ist z.B. hilfreich, wenn man öfter kostenlose Songs von verschiedenen Quellen runterlädt. So kann es vorkommen, dass die gleichen Songs sich mehrfach in der Sammlung befinden. Wie man am folgenden Beispiel sehen kann, wurden die Dateien richtig erkannt, obwohl weder Interpret noch Dateiname übereinstimmen.

MediaMonkey - Doppelter Inhalt

Damit dies funktioniert müssen jedoch die Songs überprüft werden und das dauert länger. Außerdem werden wirklich nur identische Dateien gefunden. Wer identische Songs finden möchte, dem empfehle ich MusicIP.

Duplikate finden mithilfe von Erweitertungen

Bei MM gibt es das Skript Advanced Duplicate Find & Fix, das eine feinkörnige Suche nach Duplikaten erlaubt und es ermöglicht, die Duplikate zu „vereinigen“ (Abspielzähler wird addiert, Datum des Hinzufügens angepasst, Song in Playlisten ersetzt). Dieses Skript kann eigentlich alles und noch viel mehr, das man benötigt, um Duplikate zu finden und zu manipulieren. Das Skript kommt als Installer und mit einem Doppelklick und einer Bestätigung ist es einsatzbereit. Eine ausführliche Beschreibung und Screenshots aller Features bietet obiger Link. Dort heißt es

This script is rather four scripts in one!
– Copy/Paste: Tags – Album Art – PlayStatistics, between any tracks
– Find More From Same – Custom Search
– Find Duplicate Tracks by metadata (tags) or Duplicate Tracks/Folders by Hash value (audio finger print)
– Find UnAnalyzed tracks i.e. tracks with no hash value

Das Skript ermöglicht das Suchen nach Tags mit identischem Inhalt (Nutzer bestimmt, welche Tags übereinstimmen sollen) und nach echten Duplikaten. Wieder gilt, dass für Letzteres die zeitaufwendige Überprüfung durchgeführt worden sein muss.

Hat man mithilfe der vorgegebenen Kriterien mögliche Duplikate gefunden, wird eine Liste erstellt, in der Vorschläge zum Löschen gegeben werden (s.u.). Diese Vorschläge basieren wieder auf mehrstufigen, vorgegebenen Kriterien (höhere Bitrate, dann früheres Datum, dann höherer Abspielzähler usw.). Wahlweise können die Metadaten kopiert und eingefügt werden und abschließend können die ausgewählten Songs mit einem Klick gelöscht und „zusammen geführt“ werden. Das ganze Vorgehen ist intuitiv und es können schnell viele Duplikate gefunden und abgearbetet werden. Zusätzlich gibt es viele Einstellungsmöglichkeiten für Sonderfälle.

Which tracks to keep

Magic Node: Duplicate TracksEin weiteres Skript, das Alles (wirklich ALLES!) kann, ist Magic Nodes, wo Knoten mit bestimmten Kriterien durch eine eigene Skriptsprache erzeugt werden. Für den Novizen ist diese Sprache (an SQL angelehnt) sicherlich zu kompliziert, doch in der neuesten Version des Skripts sind schon 50 häufig verwendete und praktische Knoten vorgegeben. Darunter auch einer mit der Beschreibung Tracks with same Name from Same Artists. Das ist nichts anderes als die Bordmittel schon hergeben, doch hier werden die Titel alphabetisch sortiert (ein Knoten pro Buchstabe). Und wer willens ist, sich in die Syntax einzuarbeiten, dem sind praktisch keine Grenzen gesetzt auf der Suche nach doppelten Songs.

Nach diesem Loblied wechseln wir nun die Seite und schauen uns iTunes an. Es gibt mehrere kommerzielle Produkte (zwischen $8 und $39,95), die ich aus verständlichen Gründen nicht getestet habe.

Für Apple-Nutzer gibt es Dupin, das Duplikate nach verschiedenen Kriterien sucht und erlaubt, diejenigen Songs zu bestimmen, die behalten werden sollen. Das Skript ist für registrierte Nutzer kostenlos, ansonsten kostet es entweder $15 oder kann nur 20 Duplikate pro Session. Wie ich das „aus der Ferne“ einschätzen kann, ist der Funktionsumfang nicht ganz so groß wie beim MM-Skript und man muss sich registrieren um es kostenlos bzw. ohne Einschränkungen nutzen zu können. Daneben gibt es noch zwei Skripte (Corral All Dupes, Corral iTunes Dupes), die nach bestimmten Kriterien Playlisten mit möglichen Duplikaten erstellen.

Bei den für Windows vorhandenen Skripten habe ich leider keins gefunden, das Duplikate findet. Habe ich etwas übersehen?

Dieser Teil meiner lustigen Reihe MediaMonkey vs. iTunes hat einen eindeutigen Sieger und es sollte klar sein, dass für jemanden mit einer großen Musiksammlung, die übersichtlich sein soll, MediaMonkey das Programm der Wahl ist.

Der nächste Teil der Serie ist schon in Vorbereitung und wird sich mit Last.fm-Einbindungen beschäftigen. Gibt es weitere Wünsche für Themen? Vielleicht welche, bei denen iTunes evtl. besser abschneiden würde?

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Dieser Beitrag ist Teil 7 von 7 der Beitragsserie MediaMonkey vs iTunes

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

16 Gedanken zu „MediaMonkey vs iTunes (Teil 6: Doppelte Songs)“

  1. Mann, ich hatte neulich eine Idee für einen weiteren Vergleich. Das will mir aber gerade partout nicht einfallen. 😕 War gaaaanz toll!!! Ich grübel mal weiter…

  2. Hey Julia,

    ich habe gerade mit großer Begeisterung deinen sehr detaillierten Vergleich MM/iT gefunden. Da ich viel mit externen Festplatten hantiere, brauchte ich noch einen Kniff zum Duplikate entfernen.

    Warst eine große Hilfe! Danke.

    Gruß aus dem schönen Barcelona,
    Markus

    [Edit vom Admin: zu anderen Beitrag verschoben]

  3. Markus, willkommen und vielen Dank 🙂

    Nutzt du MM auch direkt auf den externen Festplatten? Man kann die Datenbank (mit einer Einstellung in der ini-Datei) an einem beliebigen Ort speichern.

    PS: Deinen Kommentar habe ich vom aktuellen Beitrag zum betreffenden MM-Beitrag verschoben. Passt so besser.

  4. Danke für diesen super ausführlichen Bericht! Ich bin zwar iTunes-Nutzer seit der ersten Windows-Version, aber der Speicherhunger des Tools nervt mich so langsam, weswegen ich nach einer guten Alternative suche. Was mich momentan noch bei iTunes hält, ist die neue „Genius“-Funktion von iTunes 8. Jetzt hab ich gesehen, dass MM auch sowas in der Art haben soll. Stimmt das? Und hast Du das mal ausprobiert, wie gut da die Ergebnisse sind?

  5. Willkommen Lagomorpha!

    Mit Genius-Funktion meinst du Vorschläge aus dem Store, die zu deiner Musik passen könnten? Bei mir wurden da keine guten Ergebnisse geliefert, aber das Ding ist ja noch in der Anfangsphase.
    Zu deiner Frage: in MM gibt es meines Wissens nur die Anbindung an Last.fm, aber dann werden passende Songs aus der eigenen Sammlung gespielt und keine neuen vorgeschlagen. Evtl. zieht MM nach oder es gibt ein Skript mit einer ähnlichen Funktionalität, da muss ich mal nachforschen.

  6. Ja – und nein: Genius schlägt, wenn man das will, auch neue Songs vor, die man sich dann im Store kaufen kann, was ich aber nicht nutze. Ich nutze die andere Funktion von Genius, nämlich die, Playlisten zu generieren, die auf einem Song, den man auswählt, basieren und wo die Songs zueinander passen. Quasi wenn ich „All I Need“ von Air wähle, dann passen alle anderen Songs in dieser Playlist zu „All I Need“. Im Grunde ist das aber das, was MM dann wohl mit Last.fm auch macht, oder?

  7. Ok, diese Funktion von Genius ist der von Last.fm ähnlich, richtig. Darüber habe ich auch schon geschrieben.

    Wenn du nichts gegen ein weiteres Programm hast, dann versuch mal den MusicIP Mixer. Dessen Hauptaufgabe ist das Erstellen von Playlisten (Mixes), die aufgrund von Ähnlichkeiten der Songs erstellt werden. Auch dazu habe ich mal einen Beitrag geschrieben.

    Nachtrag: Warum sollte man überhaupt MusicIP für die Playlisten nutzen? Weil der die dann an MediaMonkey (oder iTunes oder WMP) schicken kann zum abspielen (und abspeichern).

  8. Hallo Julia,

    per Zufall bin ich auf deinen Vergleich MM/iT gestoßen und kann nur sagen: phantastische Arbeit, Glückwunsch, sehr detail- und kenntnisreich! Ich bin gerade dabei, mir eine Musiksammlung aufzubauen und habe schon ein paar Player ausprobiert, der MM (Version 3.1.0.1244) ist eindeutig mein Favorit. Beim Blick über den „Tellerrand“ ist mir allerdings aufgefallen, dass ein anderes Programm namens „Jaangle“ (ehemals „Teen Spirit“) 2 interessante Funktionen bietet, die ich im MM noch nicht entdeckt habe (oder sind sie nicht vorhanden?):
    1.) beim Abspielen eines online gekauften Albums werden verschiedene Coveransichten (Front, back, Inlay usw.) im ständigen Wechsel angezeigt, je nachdem, wieviele Bilder ich hinterlegt habe.
    2). beim „automatischen“ Abspielen wird beim Wechsel von einem Album zum nächsten die Coveransicht aktualisiert. Das passiert beim MM leider nicht; man hört hier also schon das neue Album, sieht aber noch das Cover vom davor abgespielten Album. Nicht so schön. Hast du einen Tip? Schon mal vielen Dank.

  9. Hallo Kaspar und vielen Dank 🙂

    Mittlerweile ist übrigens Version 3.1.0.1248 raus. Bei MM kannst du auch verschiedene Cover mit entsprechenden Bezeichnungen einbinden (Vorderseite, Interpret, Komponist, Schwägerin der Cousine des ehemaligen Bassisten,…). Das Suchen und Einbinden der Cover kann auch automatisch eingebunden werden mit dem Batch Art Finder (mein Beitrag dazu) und einen Coverflow wie bei iTunes gibt es auch mit MonkeyFlow
    Zu den von dir angesprochenen Funktionen:

    1) Normalerweise wird nur ein Bild (Cover Vorderseite) angezeigt, aber vielleicht gibt es ein Plugin, welches das macht.
    2) Bei mir wird immer und sofort das aktuelle Cover angezeigt. Es gibt zwei Arten der Anzeige: ausgewählter und abgespielter Song. Einfach mal mit Rechtsklick auf das Cover und im Kontextmenü aufrufen.

    Hoffe das hilft weiter. Bei weiteren Fragen stehe ich gerne zur Verfügung 🙂

  10. hallo Julia 49, superkompliment für deine serie, die erste seriöse Tipp-Anleitung, nun habe ich ein problem, sehr viele doppelte dateien – verschiedene festplatten, viele Sticks, habe versucht das script von mediamonkey zu installieren, Anzeige Installationsfehler, mehrfach habe ich das script downgeloaded, es werden auch keine Duplikate angezeigt, kann es sein, daß ich Monkey gold brauche???
    oder was mache ich falsch? HILFE?
    Danke für deine tollen Analysen!!!!!

  11. Hallo Norbert, welche Windows-Version nutzt du? Bei Vista und 7 muss MediaMonkey mit Adminrechten gestartet werden, um Skripte zu installieren.

  12. Tritt denn das Problem nur beim Laptop auf? Ansonsten hilft vielleicht die De- und Reinstallation von MediaMonkey. Die Goldversion sollte man dazu nicht brauchen.

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