Steinmeier mit Bewusstseinsminderung AKA Wenn die Übersetzungsmanie wieder zuschlägt

Eine kleine Anekdote aus dem Bereich „das englische Wort gibt es doch so ähnlich im Deutschen, also benutzen wir es auch“. Leider kann das manchmal schief gehen und wenn man folgenden Text im Feed von tagesschau.de liest

Tagesschau-Artikel im Feed

überliest man, dass das englische absence falsch eingedeutscht wurde. Eigentlich hätte es Abwesenheit heißen müssen, doch stattdessen entschied man sich für eine kurz dauernde Bewusstseinsminderng (Absentia mentalis) (siehe Medizinisches Wörterbuch und LEO). Im Artikel selber, auf den der Feedbeitrag verweist, hat man den Fehler korrigiert und statt

Vor allem die Absenz von Außenminister Steinmeier stößt auf Kritik.

heißt es dann

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) […] kritisierte vor allem, dass Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) keine Zeit für eine Begegnung hat.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

7 Gedanken zu „Steinmeier mit Bewusstseinsminderung AKA Wenn die Übersetzungsmanie wieder zuschlägt“

  1. Wahrscheinlich hast du schon recht mit der Vermutung hinsichtlich der Simpel-„Übersetzung“, aber ich zitiere mal aus dem Duden-Universalwörterbuch:

    Ab|senz, die; ­, -en [lat. absentia]: a) (bildungsspr.) das Fehlen, Nichtvorhandensein von etw.: die A. aller Werte;
    b) (bes. österr., schweiz.) das Abwesendsein von einem Ort, bes. von der Schule: sich für seine -en entschuldigen;
    c) (Med.) Absence.

    (c) Dudenverlag

    (letztere alternative Schreibweise in der Medizin ist französisch auszusprechen)

    wobei der Rechtschreib-Duden (21.Aufl.) meint: „österr., schweiz., sonst veraltend für Abwesenheit, Fehlen; Med. auch svw. Absence“

    :mrgreen: *duckundweg*

  2. Ach, Andreas, das Wörterbuch wird schon Recht haben, aber die Begriffe passen alle nicht auf „Abwesenheit“ in dem gwünschten Sinne.
    Außerdem ist es es „veraltend“ (Einwurf: wieso nicht veraltet?!) und die ersten Suchtreffer sind der Medizin zuzuordnen (mit „z“ und nicht mit „ce“).

    So und jetzt hole ich mit der Wasserflasche aus und werfe in Richtung Süden!

  3. Wirf nicht zu weit, sonst triffst du mich 😯
    Ich finde das jetzt eigentlich so so arg unglücklich gewählt. Ich hab auf Anhieb verstanden, was ausgedrückt werden sollte und darauf kommt es doch schließlich an. Da kann man auch mal die Rechtschreibung/rictigen Übersetzungen bei Seite lassen.

  4. Hmmmm, also ich kenne das Wort genau in dieser Bedeutung. In meiner Schule gab es z.B. ein Absenzenheft (also eine Abwesenheitsliste, s.a. Andreas‘ Kommentar) und einzelne Lehrer fragten zu Unterrichtsbeginn, wer den absent sei.
    Das mag daran liegen, daß es sich bei besagter Schule um ein rein humanistisches Gymnasium handelte, noch dazu ein bayerisches, das mit etwas übertriebenen Stolz auf seine 450-jährige Geschichte zurückblickte und für dessen Lehrkörper es nichts wichtigers als Latein und Altgriechisch zu geben schien.

    Wir hatten denn auch ein Atrium und nicht etwa einen Pausenhof. Selbstverständlich eine Aula und eine Mensa. Und, kein Witz, einer unserer Lehrer hieß Zeus. 😆 (Ich vermute, er wurde nur wegen des Namens eingestellt^^).

    Aber um nicht allzu abzuschweifen, Absenz mag altmodisch sein, aber meiner, unbedeutenden, Meinung nach im Zusammenhang völlig korrekt verwendet.

  5. @Blondes Alien: Ok, mit diesen Argumenten nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil:
    Die Tagesschau tut was für die Allgemeinbildung seiner Leser und möchte veraltete lateinischstämmige Begriffe wieder mehr in das tägliche Leben einbringen!

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