Albumkritik: The Indelicates – American Demo

Auf das Debutalbum der Indelicates habe ich (unnötig) lange warten müssen, denn hierzulande erschien das Album schon Ende März. Doch ich wollte ein bisschen Geld sparen und habe in Großbritannien bestellt, wo es erst Mitte April erschien.

Das Warten hat sich gelohnt, denn das Album von Simon und Julia Indelicate gefällt mir ausgesprochen gut. Es ist sehr abwechslungsreich, sowohl das Album als Ganzes als auch innerhalb der Songs selber, so dass sie auch nach stundenlangem Anhören immer wieder begeistern. Die Texte sind herrlich zynisch und ironisch, wie z.B. im Song Heroin

My heroine is on heroin
Not bad heroin: the good heroin
That rockstars take and that heals the ache
Of the pain she’s in

Fans, die die Band schon seit Jahren verfolgen, finden vielleicht, dass die Songs sich von ihrem ursprünglichen Ideal entfernt haben oder dass das Album in Schwermut getaucht sei. Aber ich habe sie erst im Januar entdeckt und Julia We Dont’t Live In The ’60s finde ich auch nach mehreren Hundert Durchläufen immer noch genial.

Mehr Infos auf der offizielle Seite und bei MySpace und im Interview mit nicorola.

Kommen wir zur Song-für-Song-Kritik mit Punktevergabe und anschließend Links zu einigen der Songs.

  1. New Art Theme (3/5 Punkte)
    Ein instrumentales (= Geigen) Intro, was für ein Album insgesamt Pluspunkte gibt, aber als eigenständiger Song für mich einfach zu wenig ist.
  2. The Last Significant Statement To Be Made In Rock’n’Roll (4/5 Punkte)
    Und dann geht es in die Vollen mit den selbstsicheren Behauptungen, die ich den Beiden auch abnehme. Doch wir sind ja erst beim zweiten Song. Es gibt Gitarren und einen strammen Bass, der Simons Stimme untermalt.
  3. Our Daughters Will Never Be Free (4/5 Punkte)
    Weiter geht es mit Julia und erstmal nur Klatschen und Bass. Doch schon bald setzt die gesamt Kapelle ein und die Gitarren bieten wirklich volles Programm. Let’s just be pretty, let’s just be beautiful, let’s just be retro and disco and twee, we don’t like the song so we can’t sing along and our daughters will never be free. So!
  4. Better To Know (4/5 Punkte)
    Wieder ist Simon an der Reihe und Melodie ist einfach nur genial.
  5. Sixteen (4/5 Punkte)
    War die dritte Single im Oktober letztes Jahr, aber das haben wohl nicht viele mitbekommen. Unverständlich! Jedenfalls meint Julia We just wanna be 16 even though we’re 23 und da kann ich nicht widersprechen (beim letzten Wiederholen der Zeile werden die Altersangaben noch erweitert, bis es auch auf mich passt).
  6. Julia,We Don’t Live In The ’60s (5/5 Punkte)
    Wie schon oben angedeutet, habe ich den Song auch nach Hunderten Durchläufen immer noch nicht satt, denn es ist ein unglaublich eingängiger Ohrwurm mit Gepfeife und Geklingel. Kann man wirklich stundenlang hören, ohne dass es langweilig wird. (Simon singt)
  7. Stars (4/5 Punkte)
    Langsamer Anfang mit glockenhellem Klavier (Chembalo?) und außer dem Gesang wird’s auch nicht mehr bis plötzlich Schlagzeug und Gitarren einsetzen. Bleiben aber getragen, was gar nicht zur wütenden Stimme passt. Oder irgendwie doch, denn dadurch wirkt der Text noch stärker.
  8. New Art For The People (4/5 Punkte)
    Zweigeteilter Song mit langsamem Teil (diesmal mit Gitarren und Klavier) mit eindringlichem Gesang (diesmal von beiden) und einem schnelleren, mit quengelden Gitarren untermalten Teil.
  9. Unity Mitford (3,5/5 Punkte)
    Gab es schon mal als leicht gespenstische Liveversion (B-Seite von Julia, We Don’t…) und kann mich deswegen mit dem ewig langen Klavierintro nicht so ganz überzeugen. Wer jetzt denkt, „Dies ist schon der dritte langsame Song in Folge, wird das nicht langweilig?“, dem sei gesagt, dass die Songs zum Schluss hin doch eine gewisse Geschwindigkeit entwickeln.
  10. …If Jeff Buckley Had Lived (4/5 Punkte)
    Mal schnell nachgucken und tatsächlich: Mr Buckley ist vor elf Jahren beim Aufnehmen seines zweiten Albums ertrunken und (Überraschung!) zwei seiner Songs befinden sich in meiner Sammlung. Song ist gut, Punkt.
  11. America (4,5/5 Punkte)
    Vierte Single (bzw. eigentlich erste, denn vorher gab es ja kein Album) und der Grund, warum ich mir das Album überhaupt zugelegt habe. Wieder mal eine geniale Melodie mit Ohrwurmqualitäten.
  12. Heroin (4/5 Punkte)
    Den Text habe ich ja oben schon angeführt und es bleibt zu rätseln, warum der Titel ohne e geschrieben wird (und so die Droge und nicht die Heldin besungen wird). Song ist gut, Punkt.
  13. We Hate The Kids (4/5 Punkte)
    Nochmal Draufhauen zum Schluss! Harte Klavieranschläge zu harten Worten (Oh yeah, we mean it: We hate the kids) im Wechsel mit schwebenden Gitarren. Kommt ziemlich cool daher.
  14. Untitled (3,5/5 Punkte)
    Ein versteckter Abschluss, der die Themen einiger Songs nochmal aufnimmt und somit im Kontext des Albums sinnvoll ist und mir immerhin zur Lösung des im Booklet gestellten Rätsels verholfen hat.

Fazit: 4,5 von 5 Punkten Rein rechnerisch wären es im Durchschnitt weniger, aber das Album ist einfach rund und es gibt so viel zu entdecken (textlich wie musikalisch). Deshalb: Zugreifen und dabei helfen die folgenden Links:

Links zu einzelnen Songs:

Drei Songs, die es nicht aufs Album geschafft haben, können auf der offiziellen Seite heruntergeladen werden (z.B. Waiting for Pete Doherty To Die).

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Albumkritik: The Indelicates – American Demo“

  1. Nein, das ist kosmisch so gewollt! Ich hab ja die Cimddologie genau studiert und weiß wie sowas geht 🙂

    Heißt das denn, das du das Album auch hast?

Kommentare sind geschlossen.