Eigene Musik online hören: Vergleich von tunesBag und laut.fm-Radio

In den letzten Tagen habe ich zwei relative neue Musikservices testen können, die es ermöglichen, Musik online zu hören und zwar Musik, die man selber und andere Nutzer dort hochgeladen haben. Sind sie einmal online verfügbar, kann man sie an jedem beliebigen Ort (mit Internetzugang) hören.

Beide Services sind zur Zeit im Betastadium und nur mit Einladung zugänglich. Beim laut.fm-Radio kann man sich als DJ bewerben und bekommt dann im positiven Fall eine Einladung per E-Mail. Für tunesBag habe ich einige Einladungen zu vergeben, die gerne per Kommentar beansprucht werden können (gültige E-Mail-Adresse angeben).

Um einzuschätzen, ob es sich lohnt, bei einem der Services mitzumachen, werde ich hier versuchen, einen kurzen Erfahrungsbericht mit Vor- und Nachteilen zu geben. Da sie sich wie gesagt jeweils im Betastadium befinden, werde ich Fehler nicht zu schwer gewichten.

laut.fm (User Generated Radio)

Seit letztem Mittwoch ist das laut.fm-Radio echt vom Nutzer beeinflussbar, wie es in der offizielle Mitteilung heißt:

Wir nennen es „user generated radio„: Anmelden, Musik hochladen oder aus dem großen laut.fm-Pool auswählen, Playlist erstellen, senden. So einfach kann Webradio sein. Und das alles kostet Euch: nichts. GEMA-Gebühren, GVL-Abgaben und Streamingkosten tragen wir. Bitte, gerne. Dafür dürfen wir in den laut.fm-Streams Werbung schalten (wenn wir irgendwann Kunden dafür gefunden haben). Fairer Deal?

Die Betonung liegt hier auf der Legalität, die nicht bei allen solchen und ähnlichen Angeboten gegeben ist. Wer sich also deshalb bisher zurückgehalten hat, der kann hier nun beruhigt zugreifen. Es gelten gewisse Einschränkungen, wie z.B. keine Programmvorschau, maximal drei Titel von einem Album und Künstler, keine Bootlegs etc. (siehe AGBs § 7), eben typisch Radio. Außerdem muss das Programm mindestens eine Stunde lang sein.

Wie funktionert das?

Nach der Annahme der Registrierung erstellt man seine Station (Name und Farbe angeben) und man wird zum Radiomanager weiter geleitet. Dort sieht man schön übersichtlich alle Songs im Angebot, auf Wunsch nur die eigenen. Diese Songs können einfach per Drag & Drop zur Trackliste hinzugefügt werden. Der Upload-Dialog ist intuitiv zu bedienen und es geht ziemlich flott (natürlich abhängig von der Internetverbindung). Vor dem endgültigen Hinzufügen wird überprüft, ob die Songs schon vorhanden sind (wenn ja, werden sie nur auf ausdrücklichen Wunsch erneut hinzugefügt) und man kann noch Änderungen vornehmen. Noch ein Klick und die Songs sind im Radiomanager vorhanden.

Auch dort können die Songangaben verändert werden, aber nur eigene und gerade nicht abgespielte Songs. Das ist eine Einschränkung, die natürlich aber notwendig ist und wem eine Songbezeichnung nicht zusagt, der kann den Song erneut zu den eigenen Bedingungen hochladen. Aber solange es der richtige Song ist, sollte das ein untergeordnetes Problem sein.

Bei Laut.fm bekannte Künstler haben einen Link zu ihrem Profil. Leider wird nach Groß- und Kleinschreibung unterschieden und so gibt es die Band Of Horses UND die Band of Horses. Doch ich hoffe, dass das im Laufe der Betaphase noch gelöst wird.

Momentan sind einige Tausend Songs verfügbar und es werden stetig mehr. Wer einen bestimmten Song oder Künstler sucht, kann danach suchen und die optionale Gruppierung gibt einen schönen Überblick. Sehr gut ist auch die Möglichkeit des Reinhörens, ohne den Song zur Tracklist hinzugefügt zu haben. Songs können innerhalb der Liste beliebig hin und her geschoben und gelöscht werden und das (meistens) recht flüssig.

Hat man die gewünschten Songs in die Trackliste „gedropt“ und unter den vorgegebenen Bedingungen mindestens eine Stunde an Musik zusammengestellt, war es das auch schon. Radio ist fertig zum Anhören! Meine Station findet Ihr rechts oben im Blog (nicht zu übersehen) oder unter der Adresse http://beta.laut.fm/49suns. Der aktuelle Song wird ständig angezeigt und man muss einfach nur auf Play klicken. Außerdem kann der Stream in Winamp angehört werden und bald wohl auch mit iTunes und Windows Media Player (die Buttons dafür sind da, aber nicht funktionstüchtig). Das Radio kann per Button in MySpace eingefügt werden und der Stream kann mit einem Musikplayer abgespielt werden, der das unterstützt (Anleitung).

Zu beachten ist, dass alle Hörer einer Station wirklich das Gleiche hören und man nicht vorspulen kann, halt wie im „richtigen“ Radio. Das ist aus lizenzrechtlichen Gründen so vorgeschrieben (siehe Forum).

Dass nicht immer der Song abgespielt wird, der angezeigt ist und dass es öfter mal Aussetzer gibt, das schiebe ich auf das Betastadium. Aber ansonsten wäre das ein K.O.-Kriterium und ich hoffe sehr, dass diese Mängel behoben werden.

Für mich fehlt (noch) die Last.fm-Anbindung (jetzt mit S, nicht mit U), damit die Tracks gescrobbelt werden. Das ist ein bekannter Featurewunsch und sollte möglich sein (siehe Forum). Wird von Last.fm nicht unterstützt werden (siehe Forum).

Eine gute Erklärung gibt es bei zweinull.cc (wodurch ich darauf gekommen bin) und eigene Stationen haben schon nerdcore und nicorola im Angebot.

tunesBag

Hier wird ein etwas anderes Konzept verfolgt, nämlich dass man tatsächlich beliebig seine hochgeladene Musik hören kann. Und die seiner Freunde. Zur Einführung des Services (mit Bildern) empfehle ich die Beiträge von David und (wieder) zweinull.cc.

Positiv hervorzuheben sind vor allem die verschiedenen Möglichkeiten des Hinzufügens (per Software, Browserupload, E-Mail oder Datei im Internet) und dass mp3- und wma-Dateien unterstützt werden. Und ganz besonders, dass schnell und kompetent auf Fehlermeldungen und Wünsche eingegangen wird (siehe dazu die Google Group und den Blog).

Mit der Software (nur für Windows) kann man manuell einzelne Dateien oder ganze Verzeichnisse hochladen oder gleich die ganze iTunes- bzw. Winamp-Bibliothek. Ich habe das mal mit iTunes getestet und bestimmte Playlisten ausgewählt. Das funktionierte nicht wirklich, da erstens keine m4p- und m4a-Dateien (= im iTunes Store gekaufte Musik) angenommen werden und ich keine Meldung darüber erhielt und zweitens die Namen aller Playlisten aus iTunes in tunesBag importiert wurden. Es dauerte ein wenig bis ich die alle einzeln wieder gelöscht hatte. Der manuelle Upload funktionierte dagegen reibungslos und schnell (mit altem WIN95-Dateidialog – ein seltsamer Kontrast zur sonstigen webzwonulligen Oberfläche).

So ganz klappt es auf der Seite noch nicht überall, denn es dauert lange, bis hochgeladene Songs verfügbar sind (Aus- und wieder Einloggen hilft) und erstellte Playlisten und Wertungen verschwinden plötzlich wieder. Auch finde ich manche Funktionen etwas undurchsichtig und wild verteilt auf der Seite (und nicht immer gleich sichtbar), doch das kann noch werden, denn es wird ständig verbessert. Noch fehlt eine ordentliche Sortierfunktion Die Sortierfunktion funktioniert einigermaßen, doch ist es nicht offensichtlich (z.B. durch einen Pfeil neben dem Spaltenkopf) dass das möglich ist. Innerhalb der Sortierreihenfolge scheinen die Songs in keiner logischen Reihenfolge zu sein[1]. Man kann einzelne Genres, Künstler und Album selektieren.

Durch eine enge Verbindung mit Last.fm werden alle gespielten Songs gescrobbelt und Empfehlungen zum aktuellen Song gegeben, was mir persönlich sehr gut gefällt.

tunesBag: Ansicht Künstler-SelektionHier ein Ausschnitt aus einem Screenshot, der die Künstleransicht und den Player zeigt. Wie man sieht, sind die Songs durcheinander und weder durch Ziehen noch durch Klick auf den Tabellenknopf sortierbar. Aber das soll noch kommen (laut Meldung in der Google Group).

Wie gesagt, ich habe noch einige Einladungen und wer eine möchte hinterlässt einen Kommentar und gibt dafür eine gültige E-Mail-Adresse an (nicht im Kommentar, sondern im E-Mail-Feld).

  1. Dieser Abschnitt wurde nach dem Kommentar von hansjoerg überarbeitet. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

9 Gedanken zu „Eigene Musik online hören: Vergleich von tunesBag und laut.fm-Radio“

  1. Hallo! Die Sortierung einfach über klicken auf „Album“, „Name“ etc sollte schon klappen – tut sich da bei Dir nichts?
    Die automatische Aktualisierung bei neuen Tracks ist bereits in Arbeit, bislang hilft da nur ein Reload der Seite selbst 🙁
    Die ignorierten Titel beim Upload sollten vielleicht angezeigt werden, da hast du Recht; bislang werden sie einfach kommentarlos ausgefiltert. Den alten W95 Dateidialog muss ich mir mal anschauen, dürfte ein Windows-Phänomen sein (wird am Flash liegen) …
    — Hansjoerg

  2. Danke, Hansjoerg, für die Rückmeldung 🙂 Das Sortieren nach Album funktioniert jetzt (seltsamerweise erst nach dem 2. Klick vollständig). Allerdings sind die Songs innerhalb des Albums nicht sortiert (die Tracknummern müssten auszulesen sein, oder?) und das wäre mir sehr wichtig, da ich ein Album gerne in der „richtigen“ Reihenfolge höre.

    Flash scheint wirklich ein Eigenleben zu haben. So kann ich z.B. in Opera alles machen, außer tatsächlich Musik zu hören 🙁 Aber mein Opera verweigert öfter mal bei so neumodischem Schnickschnack, das sollte kein Grund zur Sorge sein.

  3. Schon mal simfy (http://simfy.de) angeschaut? Ist ein ähnlicher Dienst wie tunesBag mit ansprechender Oberfläche. Es kann bei max. 150 „Freunden“ Musik gehört werden + der eigenen Sammlung (bei tunesBag kann die eigenen Musik nur für max. 10 Freunde freigegeben werden). Last.fm Unterstützung kommt mit dem nächsten Update. Download der eigenen MP3s ist (noch?) nicht möglich. Ansonsten auch sehr guter Support und schnelle Hilfe bei Problemen! Warum jetzt plötzlich so viele dieser Dienste mit sehr ähnlichem Ansatz aus dem Boden schießen, ist mir ein Rätsel. Wittert man gerade das große Geld genau in diesem Sektor?

  4. Spannende Services, muss ich mir auch mal anschauen. Bin gerade dank dem Städtenamen-Songthema darauf gestossen. Hab‘ mich gerade bei laut.fm „beworben“, über eine tunesBAG-Einladung würde ich mich freuen. 🙂

  5. Einladung ist unterwegs und wenn du beim Radio dabei bist, dann berichte mal darüber (zumindest wie deine Station heißt, damit ich ich zu meinen Nachbarn hinzufügen kann).

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