Foto-Projekt 52 Thema #12: Kindheitserinnerungen

Projekt 52Die Themen beim Projekt 52[1] passen manchmal zufällig sehr gut in meine persönliche Planung. Das Thema für Woche 12 lautet Kindheitserinnerungen und da ich diese Woche meine Eltern besuche und im Keller nach Erinnerungen stöbern kann, war es ein Leichtes, was Interessantes zu finden.

Auch Konna scheint was geahnt zu haben, denn einen Tag VOR Bekanntgabe des Themas hat er einen Beitrag zum Thema Kindheit geschrieben, der so einige Erinnerungen bei mir geweckt hat. Ausschlaggebend für mein gewähltes Motiv war aber Davids Beitrag über Schullektüre, wie man hier sehen kann.

12 Bücher

Das sind alle Bücher, die sich in der Kiste befanden. Es fehlt auf jeden Fall Faust. Der Tragödie erster Teil, das ich an meinen Bruder weiter gereicht habe und das hat das arme Reclam-Heftchen wohl nicht überstanden. Stichwort Reclam: so viele sind es doch nicht, wie ich gedacht hätte. Außerdem fehlen Der Besuch der alten Dame von Dürrenmatt und Cal von Bernard MacLaverty (Inhaltsangabe, Film), das erste englische Buch, das ich gelesen habe. Wo die abgeblieben sind, weiß ich nicht. Es können durchaus noch mehr fehlen, die mir jetzt nicht einfallen.

Um noch ein bisschen mehr in meinen Erinnerungen zu kramen, schreibe ich zu allen Büchern ein paar Worte und in welcher Klasse wir die gelesen haben (Reihenfolge wie oben im Bild).

  • Max Frisch – Homo Faber (11)
    Eines der wenigen Bücher, die mir wirklich gut gefallen haben. Interessante Geschichte und auch der Film war ok. Das sollte ich die Tage nochmal lesen.
  • Jurek Becker – Jakob der Lügner (10)
    Bäume! So beginnt und endet das Buch, richtig? Auch den DEFA-Film dazu haben wir gesehen und auch wenn ich das Buch damals nicht ganz so gut fand, gehört es meiner Meinung nach auf jeden Fall gelesen.
  • Ödön von Horváth – Jugend ohne Gott (10)
    Figuren: T, N, Z, W, Eva und der Lehrer. Hört sich prächtig an, aber dieses Buch fand ich fürchterlich in dem Sinne, dass es ein typisches Buch für die Schule ist. Als wir entscheiden sollten, welches wir als nächstes lesen, haben fast alle Jungs dafür gestimmt, weil ein Mord vorkommt. Ich glaube, diese Entscheidung haben sie später bereut.
  • Bertholt Brecht – Mutter Courage und ihre Kinder (10)
    Ich hatte das „Glück“ dieses Stück zweimal zu lesen, da ich mitten in der 10. Klasse umgezogen bin. Viel weiß ich nicht mehr, außer dass alle Kinder umkommen, oder?
  • Gottfried Keller – Romeo und Julia auf dem Dorfe (10)
    Dieses Buch wiederum habe ich eigentlich nicht gelesen, da wir es kurz vor meinem Umzug angefangen haben. Ich weiß nicht, ob ich lieber das zuende gelesen hätte oder Mutter Courage nur einmal.
  • E.T.A. Hoffman – Das Fräulein von Scuderi (9)
    Der erste Kriminalroman der Literaturgeschichte. Oder so. Da gab es einen französischen Satz, der andauernd wiederholt wurde. Es wurde Schmuck geklaut und es gab einen Juwelier mit Adoptivsohn und natürlich das gute und nicht mehr ganz so junge Fräulein. Wenn ich das noch richtig in Erinnerung habe, haben wir das bei einem ziemlich coolen Referendar gelesen. Der hat auch Das Parfüm empfohlen, was ich daraufhin gelesen habe.
  • Peter Shaffer – Amadeus (12)
    Das war ein wirklich gutes Theaterstück über Salieri, den patron saint of mediocrity, der Mozart umgebracht hat. Der Film ist auch ein absolutes Muss und wer den noch nicht gesehen hat, sollte das schleunigst nachholen.
  • E.T.A. Hoffmann – Der Sandmann (10?)
    Sehr seltsam und sehr verstörend. Worum es genau ging, wusste niemand in der Klasse genau. Definitiv im unteren Drittel meiner Lieblingsschullektüren.
  • Friedrich Schiller – Wilhelm Tell (8)
    Ja die hohle Gasse und der Rütli-Schwur. In dem Heft lag ein Zettel mit Inhaltsangaben der einzelnen Szenen, den offensichtlich ich geschrieben habe. Aber bis auf die Überschrift kann ich nichts mehr lesen, so schlimm war meine Schrift. Da gibt es Buchstaben, die man gar nicht dem lateinischen Alphabet zuordnen würde.
  • Johann Wolfgang von Goethe – Götz von Berlichingen (9)
    Dank diesem literarischen Erguss gibt es nun das geflügelte Wort „kann mich mal am A*sch lecken“ und mein „Dank“ geht an Johnny aus Frankfurt.
  • Theodor Storm – Der Schimmelreiter (9?)
    Im hohen Norden war schon immer einiges im Argen. Ich kenne sogar Jemanden, der seinen ersten Sohn Hauke nennen will. Ansonsten weiß ich nicht mehr viel über den Inhalt.
  • Annette von Droste-Hülsoff – Die Judenbuche (x)
    Die junge Dame vom 20-Mark-Schein. Hab ich gar nicht gelesen, sondern mein Bruder und deswegen kann ich zum Inhalt nichts sagen. Eigentlich sollte an dieser Stelle Faust I liegen, den ich in der 13. Klasse als allerletztes Buch in meiner Schulkarriere gelesen habe. Für mich das Stück, aus dem ich (heute noch) die meisten Zitate kenne.
  • Berholt Brecht – Der gute Mensch von Sezuan (11)
    Sehr seltsames Stück. Es fängt mit Engeln an. Oder so. Ich weiß gar nichts mehr über den Inhalt. Auch das ist seltsam.
  • Othmar Franz Lang – Warum zeigst du der Welt das Licht? (7)
    Ein wohl eher unbekanntes Buch über eine junge Frau, die für zwei Jahre als Entwicklungshelferin nach Bolivien geht. Hat mich nachhaltig beeindruckt und ich habe es später noch mindestens einmal gelesen.
  • Erick Hackl – Auroras Anlass (12)
    Das wiederum würde ich nicht noch einmal lesen. Es beginnt damit, dass Aurora ihre Tochter umbringt. Und dann folgen ein paar hundert Seiten über ihren Anlass dazu. Ist noch relativ jung (von 1987) und basiert auf einer wahren Geschichte (siehe Wikipedia).
  • Judith Kerr – Als Hitler das rosa Kaninchen stahl (5)
    Ich glaube, das war das erste Buch überhaupt, das ich in der Schule gelesen habe und natürlich geht es ums dritte Reich (das dritte in dieser Aufzählung nach Jugend ohne Gott und Jakob der Lügner). Mir ist es v.a. als Diktatvorlage unserer Lehrerin in Erinnerung geblieben. Und dass es zwei Fortsetzungen gab, die eine Klassenkameradin auch noch las und uns ständig über ihre Fortschritte informierte.
  • An Rutgers – Die Kinderkarawane (7)
    Wieder was Unbekannteres. Sieben Geschwister beenden nach dem Tod der Eltern die beschwerliche Reise nach Oregon (basiert auf der Geschichte der Sager-Waisen). Warum wir das in der Schule gelesen haben, ist mir ein Rätsel.
  • Gotthold Ephraim Lessing – Nathan der Weise (11)
    Die Ringparabel ist das Einzige, das ich noch erinnere.
  • Hans Baumann – Flügel für Ikaros (6)
    Griechische Sagen sind ja ein beliebtes Thema und an den entscheidenden Flug kann ich mich sogar noch erinnern, obwohl das 16 Jahre her ist.
  • Tschingis Aitmatow – Der weiße Dampfer (8)
    Sehr traurig und ein Buch, das in dieser Aufzählung ziemlich aus der Reihe fällt. Am Ende wird der junge Protagonist zum Fisch. Oder so ähnlich.
  • Christa Wolf – Was bleibt (11)
    Das Thema DDR autobiografisch aufbereitet. Wir erfahren, dass der Stecker des Telefons aus der Leitung gezogen werden muss, weil man sonst abgehört werden kann.
  • J.D. Salinger – Catcher In The Rye (12)
    In Englisch haben wir irgendwie nur gute Bücher gelesen. Bei diesem fand ich die Gegenüberstellung von Festhalten an der Vergangenheit und Mitgehen mit der Zeit besonders fesselnd.
  • George Orwell – 1984 (11)
    2+2=5 und so. Klar, das muss man gelesen haben. Leider haben wir das auf deutsch gelesen und den Film dazu nicht gesehen. Ersteres Defizit werde ich demnächst nachholen, das Buch ist schon auf meinem Nachttischstapel.
  • Hans-Peter Richter – Damals war es Friedrich (8)
    Eine weitere Kindergeschichte aus dem dritten Reich und bei dem Ende kommt auch keiner auf die Idee, dass wir sowas nochmal erleben möchten.
  • Grundgesetz BRD + Verfassung Rh-Pf
    Nun, das Büchlein liegt da, weil es erstens vom Platz passt und zweitens weil ich wie gesagt in der 10. Klasse umgezogen bin und der Geschichtslehrer keine Gelegenheit ausließ, bei Unterschieden zwischen den Bundesländern mich zu fragen.
  • Jane Austen – Pride And Prejudice (13)
    Das letzte Buch im Englischunterricht und ausgesprochen gut. Leider reichte es zeitlich nicht mehr für die BBC-Verfilmung, die später dann zu Bridget Jones führte (Mr Darcy!), aber zum Glück gibt es die mittlerweile auf DVD.
  • Peter Härtling – Theo haut ab (6)
    Oha, da weiß ich gar nichts mehr drüber. Irgendwas mit Zirkus oder Jahrmarkt oder so. Also nachdem Theo abgehauen ist.
  • William Shakespeare – Romeo And Juliet (12)
    Nun, hiervon weiß ich noch eine ganze Menge, aber ob das auf die Lektüre zurückzuführen ist, ist die Frage. Hier hat es sogar für das Anschauen zweier Filme gereicht (Zeffirelli 1968, Luhrmann 1997).
  • Wilhelm Hauff – Das kalte Herz (5)
    Irgendwas mit Köhlern im Wald. Herz aus Stein? Heutzutage müsste man sich das Heftchen gar nicht mehr zulegen, denn der komplette Text ist online verfügbar.
  • Georg Büchner – Woyzeck (12)
    Fragment! Experiment!Erbsen! Vor der eigentlichen Lektüre verteilte die Lehrerin ein paar Fragmente (!) des Textes und wir sollten die chronologisch ordnen. Ging aber nicht und die richtige Reihenfolge ist wohl auch nicht bekannt (siehe Wikipedia).

Oha, ist etwas länger geworden. Wer bis hierhin durchgehalten hat, kann noch einen Blick auf meine regulären Schulbücher aus der Oberstufe werfen. Dazu fällt mir ein, dass die ganz schön teuer waren. Doppelt teuer, weil jeder Lehrer entschied, welche Bücher er wollte (d.h. mein Bruder konnte die meisten nicht verwenden). Dreifach teuer, weil man sie wegen der neuen Rechtschreibung nicht mehr verkaufen konnte.

Mir kommt gerade eine Idee. Die vielen Bücher nehmen recht viel Platz weg und verkaufen kann man die nicht, also möchte ich sie verschenken. Wer Interesse an einem oder mehreren der Bücher hat, möge sich melden (per Kommentar oder Kontaktformular) und wir machen was aus.

  1. Für Uneingeweihte: Es handelt sich hier um ein Fotografieprojekt, wo jede Woche ein vorgegebenes Thema bearbeitet wird. Mehr dazu unter obigem Link. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

10 Gedanken zu „Foto-Projekt 52 Thema #12: Kindheitserinnerungen“

  1. Moment, benutzte Reclam-Hefte ohne Kritzeleien, äh, Titelverschönerung? Sowas gibt’s tatsächlich? :mrgreen:

    (PS: das „Fotot“ im Beitragstitel ist nicht Absicht, oder? 😉 )

  2. Wieso, da sind doch allerlei Kritzeleien! Der Sandmann ist bunt angemalt, bei Wilhelm Tell sind zwei „Gesichter“, beim Schimmelreiter ist ein dicker schwarzer Balken und beim Menschen von Sezuan ist ein gar wunderhübsches Muster zu sehen!
    Innen drin sieht es natürlich noch sehr viel kritzeliger aus!

  3. Hiiiiiihiiiihiiiihiii. (Das ist ein sehr gemischtes Hihi!) Das reicht ja von außerordentlich grässlich (was finden alle am Frisch) bis fabelhaft (Der Besuch der alten Dame!) und weckt nebenbei Erinnerungen. Aber leider nur Erinnerungen, die noch mal geschwind durchzulesen weil man höre und staune: Einige dieser Vertreter sind noch Vorgaben fürs Abi geblieben

    Sezuan ist „lustig“, wenn man sich drauf einlässt. Wobei nein, da ging es doch um die böse Gesellschaft und den Einzelnen, der trotz jeglicher Anstrengung nicht helfen kann und die blöden Götter flüchten filmreif auf.. na das musst du unbedingt nochmal lesen! xD

  4. Muss ich dem Uwe zustimmen: Homo Faber habe ich gehasst.
    Angemalt sind meine Buchcover übrigens auch alle 🙂
    Nebenbei: „Im Arsche lecken“ sagt der Herr v. Berlichingen, nicht „am“
    Catcher in the Rye wollte ich auch mal lesen, ganz vergessen. Wir haben ja einige Parallelen in unseren Lektüren. Das mit dem Bild ist eine tolle Idee.
    Mir fällt in der Liste der Bücher, die ich sonst noch gelesen habe, jetzt auch noch der Woyzeck und die Physiker ein.

  5. Homo Faber fand ich auch gut und Wilhelm Tell sowieso. Und der Schimmelreiter ist bei uns hier im Norden wohl Pflichtlektüre. Insgesamt aber ne ganz gute Auswahl, wenn ich da so an meine Schulzeit zurückdenke, da waren schon ein paar Sachen dabei, naja… 🙄

  6. Was denn, was denn, fehlt da etwa Emilia Galotti? Ich bin entsetzt! 😉

    Aber eine schöne Idee, das mal alles wieder rauszukramen.

  7. okok, Andreas, aber die sind auf der Rückseite praktisch gar nicht mehr gelb! ichschwör!

    Uwe, das mit dem gemischten Hihi ist nur für Abiturienten verständlich, oder?!? Und da ich BSE-LKs hatte, musste ich fürs Abi auch keine so schwere Literatur kennen :mrgreen: Vielleicht packe ich die Heftchen mit ins Reisegepäck, nehmen ja wenig Platz weg.

    David, du hast natürlich Recht mit dem „im“ (wollte es schreiben, aber dann vergessen), doch der heutige Spruch ist ja mit „am“.

    Konna, ich war überrascht, dass ich eigentlich relativ viele Bücher gut fand und nur wenige, die ich immer noch (rein subjektiv) schrecklich finde.

    Chlorine, dat musste ich getz erstma nachgucken! Aber nachdem ich gesehen habe, dass das auch vom geschätzen Gotthold Ephraim ist, denke ich mal, dass das so eine entweder-oder-Geschichte ist und es je nach Schule (oder Lehrer) verschieden ist.

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