Albumkritik: British Sea Power – Do You Like Rock Music?

YES WE DO! lautet erstmal die Antwort auf die Frage von British Sea Power und damit weiche ich zumindest ein wenig von den britischen Indiepop-Alben ab, die bisher das 49 Suns CD-Projekt 2008 dominieren. Doch so ganz löse ich mich nicht davon, denn erstens handelt es sich wieder um eine englische Band und zweitens ist das Album meiner Meinung nach nicht sooo rockig.

Positiv fällt schon mal auf, dass immerhin 55 Minuten Rock Music geboten werden. Allerdings keine Texte, denn was dieses Album in meiner Serie hervorhebt, ist die Tatsache, dass es dieses Jahr erschienen ist (am 18. Januar). Wer aufmerksam das CD-Projekt 2008 verfolgt, wird jetzt böse mit dem Finger wackeln und sagen, dass der Sinn der Sache doch war, dass ich drei Monate KEINE CDs kaufen darf. Doch ich kann Euch beruhigen, denn das Album habe ich mir im Rahmen meines eMusic-Abonnements zugelegt (Affiliate-Link[1]).

Wer jetzt schon gelangweilt ist und endlich was über die Musik wissen will, der scrollt einfach runter zur Songliste. Wer noch eine kleine Einführung möchte, der liest einfach Buchstabe für Buchstabe, Wort für Wort, Satz für Satz, Absatz für Absatz durch!

Noch da? Zur Einführung erzähle ich erstmal, wie ich überhaupt auf das Album gekommen bin. Mein Interesse wurde ganz allmählich geweckt, erst durch ein Video bei Gorgmorg und einen Hinweis zum Stream des Albums. Und dann durch zwei Kritiken, die am Veröffentlichungstag erschienen von Nicorola und NME, die das sogar zum Essential Album erklärten. Dort heißt es (meine Übersetzung im Anschluss):

‚Do You Like Rock Music?‘ – the title’s not nearly half as ironic as you might think, but more of that later – is the band’s third album. It’s a gloomily anthemic collection of songs that owe less to the bands BSP are most often compared to – Joy Division and The Cure – and more to the transatlantic likes of Arcade Fire and Interpol. And while your average Kaiser Chiefs fan is unlikely to give two hoots about Danish nuclear physicist Niels Bohr, as on ‚Atom‘, they’re never less than interesting.
‚Do You Like Rock Music?‘ – der Titel des Albums ist nicht halb so ironisch, wie man vielleicht denken könnte, doch mehr davon später – ist das dritte Album der Band. Es ist eine düstere, hymnische Sammlung von Songs, die weniger an die Bands erinnern, mit denen BSP am häufigsten verglichen wird – Joy Division und The Cure – sondern eher an die transatlantischen Entsprechungen Arcade Fire und Interpol. Und während der durchschnittliche Kaiser Chiefs-Fan sich wahrscheinlich kaum für den dänischen Nuklearphysiker Niels Bohr begeistern kann, wie bei ‚Atom‘, sind sie nie weniger als interessant.[2]

Als dann noch erwähnt wurde, dass die eigentlich ziemlich exzentrische Band sich hier ein wenig dem Mainstream öffnet, war klar, dass es sich hier um einen idealen Kandidaten für mich handelt.

Deswegen habe ich das Angebot wahrgenommen und das Album erstmal per Stream Probe gehört und dann zugegriffen. Es gefielen mir zwar nicht alle Songs auf Anhieb, aber ich habe trotzdem alle zwölf Songs runtergeladen und das war eine gute Entscheidung. Denn erstens finde ich mittlerweile doch alle Songs hörenswert und zweitens ist das Album als Gesamtkunstwerk zu sehen, weil es sich hier laut Wikipedia um eine Konzeptband handelt.

So, lang genug auf die Folter gespannt, jetzt geht es endlich um die Songs (in Klammern die Punkte)

  1. All In It (3/5)
    Der Opener hat mir erst nicht so gefallen durch den düsteren, rhythmischen Sprechgesang, der eigentlich nur aus der Titelzeile des ersten und letzten Songs besteht. Aber nach ein paar Hördurchläufen findet man Zugang und da das Thema noch mal im letzten Song aufgenommen wird, fungieren die beiden als Klammer für das Album.
  2. Lights Out For Darker Skies (4/5)
    Hier wird’s schon wesentlich heller und freundlicher, auch wenn der Text das Gegenteil verlangt. Eine eingängige und fast fröhliche Melodie mit einer klaren Gitarre und einem angenehmen Gesang. Und wenn man denkt es sei schon vorbei, kommt nochmal ein etwas ruhigerer Vers hinterher. Mein zweitliebster Song des Albums.
  3. No Lucifer (3,5/5)
    Wird die zweite Single sein (VÖ?) und das „Easy! Easy! Easy!“ als Mantra zum langsamen Anfang macht was her. Drums und ein Hintergrundchor tragen den teilweise langgezogenen Gesang, aber der Song ist bis auf die Mantra-Unterbrechungen ein wenig eintönig. Video
  4. Waving Flags (4/5)
    Die erste Single, die im Januar veröffentlicht wurde und von allen Songs am stärksten an Joy Division erinnert. Nur mit ein bisschen aufmunternderen Gitarren. Video | Download
  5. Canvey Island (3,5/5)
    Oh ein Klavier! Das ist aber nur der Anfang, nach und nach wird das immer bombastischer. Eine geografische Referenz an eine Insel, die bekannt ist durch eine verheerende Überflutung und Elvis Costello. Interessant.
  6. Down On The Ground (4/5)
    Wieder mehr treibende Gitarren und ein paar Tempo-Spielereien. Sehr abwechslungsreich.
  7. A Trip Out (5/5)
    Absolut fantastischer Song, den ich mir stundenlang anhören könnte. Fängt gleich super an mit schrammelnden Gitarren und einem melodiösen Gesang. We’re all goin on a trip out! Echt zum wiederholten Anhören geeignet.
  8. The Great Skua (3,5/5)
    Orchestrales Instrumentalstück über ein Thema, das wirklich mehr Beachtung verdient: die große Raubmöwe. Jawoll! Wie mir ein Kenner der Materie mitteilte, wird dieser Vogel mittlerweile auch bei uns meist nur noch Skua genannt.
  9. Atom (3,5/5)
    Hier ist also der oben angesprochene Bezug zu Niels Bohr, den Vater des Atommodells. Was allerdings die Zeile Oh caveat emptor open the atom’s core (Oh Gewährleistungsausschluss öffne den Atomkern) bedeuten soll, ist mir ein Rätsel. Der Song selber ist ein flottes Gitarrenstückchen, obwohl die Version, die ich habe noch eine Minute vom vorangegangenen Stück enthält (aber nicht die Version von der offiziellen Seite, s.u.) und wenn das Ende mit den nervigen Kreischgeräuschen nicht wäre, gäbe es mehr Punkte.
  10. No Need To Cry (3/5)
    Zur Abwechslung was Ruhiges mit recht gleichmäßiger Instrumentierung und damit etwas zu langweilig und eintönig. Doch im Gesamtkonzept des Albums passt es.
  11. Open The Door (3,5/5)
    Wieder etwas flotter instrumentiert und mit einem Pling alle paar Sekunden. Angenehmer Song, aber es fehlt das gewisse Etwas, vielleicht ist es der zurückhaltende, fast zögerliche Gesang. (Die Akustikversion gefällt mir natürlich wieder besser, s.u.)
  12. We Close Our Eyes (2,5/5)
    Acht Minuten insgesamt, die erste Hälfte fast still, dann seltsames Gitarrenkreischen (keine Raubmöwen) und die zweite Hälte ist praktisch eine Wiederholung des ersten Songs. Klar, das Stück gehört zum Album, da es mit dem ersten eine Klammer bildet, aber ich würde es nicht auswählen, um jemanden als Fan von BSP zu gewinnen.

Fazit: Ein abwechslungsreiches Album mit Höhen und Tiefen, das einerseits wunderbar als Ganzes funktioniert und andererseits mit A Trip Out einen Dauerrotationskandidaten zu bieten hat. Gesamtwertung: 3,5 von 5 Punkten

Weitere Informationen zum Album und zur Musik unter den folgenden Links:

  1. Wer auf diesen Link klickt, kann eMusic einen Monat testen und bekommt 25 Songs umsonst. Ich bekomme dafür im Rahmen eines Affiliate-Programms einige Cents gut geschrieben. []
  2. Bei dem letzten Satz ist die Übersetzung nicht sehr gelungen. Für einen besseren Vorschlag wäre ich dankbar. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Albumkritik: British Sea Power – Do You Like Rock Music?“

  1. Eigentlich braucht man BSP Alben immer als CD oder LPs, einfach weil sie teils enorm umfangreiche Liner Notes schreiben, die irgendwie dazugehören.

    „Ea-sy! Ea-sy!“ ist übrigens der Schlachtruf von Big Daddy, einem inzwischen verstorbenen britischen Wrestler.

  2. Durch deine Rezensionen lernt mann immer wieder was neues Interessantes kennen. 😎

    Zu der Zeile bei „Atom“:
    „caveat emptor“ ist nicht nur der juristische Begriff „Gewährleistungsausschluss“, sondern einfach auch die Warnung „pass auf, was du kaufst“ – somit würde ich das im Liedtext-Zusammenhang so sehen: Wenn man Dingen auf den Grund geht, kann’s vorkommen, dass man nichts mehr versteht, also Vorsicht!

    (Und das nicht unbedingt nur bezogen auf die Quantenmechanik, die ja nicht gerade leicht zu verstehen ist…)

  3. Liebe Julia, Du weißt ja – ich liebe Deinen Blog. Aber einen so tollen Artikel wie diesen liest man ja so gut wie nie. Ich habe hier zwei sehr interessante Blogs gefunden und zwei Musikseiten, die ich mir näher betrachten werde. Außerdem hört sich das Album sehr vielversprechend an und das YouTube-Video habe ich schon zweimal gehört – nicht gesehen. Frau ist halt Multi-tasking. Äh….ja.

  4. Denis, heißt das also ich sollte mir das Album noch in physischer Form besorgen? Ist auch bei DYLRM ein umfangreiches Booklet dabei?

    Andreas, danke für den Hinweis, ich denke auch, dass man die Zeile nicht wörtlich übersetzen darf, aber als ich das nachgeschaut habe, fiel es mir auf :mrgreen:

    Dany, Danke für das Lob, ich werde mich bemühen mehr solche Artikel zu schreiben und immer auf gute Musikseiten zu verweisen. Und ganz viele Videos und Streams zu verlinken, damit du alle gleichzeitig hören kannst =)

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