Albumkritik: Hard-Fi – Once Upon A Time In The West

Nach einem kurzen Ausflug nach Nordamerika kehre ich beim 49 Suns CD-Projekt 2008 wieder nach England zurück und widme mich einer BandHard-Fi, die letztes Jahr ihr zweites Album veröffentlicht hathaben. Die Betonung, dass wir uns jetzt nicht mehr im Wilden Westen befinden, ist auch deshalb nötig, weil man bei dem Titel eigentlich eher an einen der berühmtesten Western denkt. Bzw. in Deutschland vielleicht nicht, weil wir mit Spiel mir das Lied vom Tod abgespeist wurden.

Nun aber zum Album. Fangen wir mit den zwar kleinen, aber dennoch schmerzlichen Kritikpunkten an. Wie schon beim letzten Mal angesprochen, gibt es keine Texte im Booklet, die zum Glück auf der offiziellen Seite nachgereicht werden. Ok, das Cover ist ganz witzig gemacht, dass da NO COVER ART drauf steht und innen im ausklappbaren Booklet dann ganz groß und lang INSIGNIFICANT PHOTOSHOT, aber das hilft mir nicht weiter, wenn ich nebenbei die Texte lesen will. Auf der leeren (!) Rückseite hätte man die locker unterbringen können. Ausserdem ist das Album mit 38 Minuten Länge sehr kurz[1].

Zur Einführung ein kleiner Rückblick. Mir sind Hard-Fi durch Cash Machine aufgefallen, das sich übrigens sehr gut zum Joggen eignet und auf ihrem ersten Album Stars of CCTV drauf ist.
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Wie so oft gefällt mir das zweite Album besser als das erste, was in diesem Fall wohl an der größeren Bandbreite, besseren Produktionsqualität und an der generell mehr auf Rock ausgerichteten Musik liegt. Kann aber auch eine pathologische Störung meines Unterbewusstseins sein.

Nach der Schmalkost beim letzten Mal gibt es dieses Mal wieder eine Song-für-Song-Kritik (mit den vergebenen Punkten in Klammern)

Cover der Singles von Hard-Fi

  1. Suburban Knights (3,5/5)
    Die erste Single, wieder mit lustigem Spruch auf dem Cover (s. rechts). Der Song macht trotz ernstem Thema richtig Laune und ist ein guter Einstieg ins Album. Video bei YouTube und Last.fm
  2. I Shall Overcome (3/5)
    Dritte Single, die im März erscheinen wird und ausnahmsweise ist das Cover etwas einfallslos (s. rechts). Ist aber ein recht schmissiger Song, ein wenig abgehackt und im Chorus wieder diese typischen Tröten. Video
  3. Tonight (3,5/5)
    Etwas ruhiger und anfangs nur mit Piano, dann Drum Machine (?) und schließlich alle Instrumente, dann wieder zurück, zwischendurch auch mal Geigen. Ist ein Song, den man öfter hören muss. Zuerst fand ich ihn mittelprächtig, aber mittlerweile ganz gut, auch durch die abwechslungsreiche Instrumentation.
  4. Watch Me Fall Apart (4/5)
    Dieser Song dagegen packte mich gleich von Anfang an. Ein whohoho vom Hintergrundchor und ein Streichquarett (?) hübschen das Ganze auf und es wird eine leicht depressive Stimmung verbreitet, was man bei diesem Text auch erwarten sollte.
  5. I Close My Eyes (3,5/5)
    Wieder so ein Song, bei dem ich hin und her gerissen bin. Er wechselt zwischen düsteren, basslastigen Strophen und einem munteren, chorlastigen Chorus und zwischendurch wird der Gesang sogar fast zum Geschrei. Hat seltsamerweise aber Ohrwurmpotential, ist schwer zu erklären.
  6. Television (4,5/5)
    Mein Lieblingsstück des Album. Liegt hauptsächlich am wunderbar melodiösen Chorus (mit einigen Hallelujahs) und dem cleveren Text.
  7. Help Me Please (4/5)
    Etwas ruhiger und wieder mit Drum Machine. Aber die aktustische Gitarre und das Piano machen schon was her. Der Text trifft voll ins Mark.
  8. Can’t Get Along (Without You) (4/5)
    Zweite Single mit einem Cover, dass Bilder von Betrunkenen, Gewalt, Blamage, Erlösung und Liebe verspricht (s. rechts)[2]. Ein eigentlich demprimierendes Thema wird heiter verpackt und die Stimme von Sänger Richard Archer kommt gut zur Geltung. Video bei YouTube und Last.fm (in Berlin gedreht?)
  9. We Need Love (3,5/5)
    Viele Bässe und eingestreute Keyboards zu einem Text mit vielen Städtenamen. Verbreitet positive Stimmung.
  10. Little Angel (3,5/5)
    Verzerrte Gitarren und Bläser (!) geleiten diesen zum Mitgrölen einladenden Song. Nur die nervige Triangel hätte man sich sparen sollen.
  11. The King (4,5/5)
    Nur ganz knapp an der Bezeichnung „Lieblingsstück des Albums“ vorbei geschrammt, aber auf jeden fantastisch als Abschluss. Ist stellenweise eher ruhig und nachdenklich mit einigen Streichern, aber keinesfalls einschläfernd.

Bildquelle: Screenshot vom Wikipedia-Artikel

Wer sich weiterbilden und informieren möchte, kann folgende Links als Ausgangslage nehmen:

Zum Abschluss noch ein paar Links zum Kaufen, damit Ihr Euch bei Gefallen das Album gleich zulegen könnt.

Und wer sich dann die CD zugelegt hat, der kommt sogar noch in den Genuss von ein paar ganz „tollen“ und exklusiven Extras. Wer dem Link auf der offiziellen Homepage zum Free Stuff folgt und die CD ins Laufwerk einlegt, der darf sich ein paar Videos aus dem Studio ansehen und Hintergrundbilder fürs Handy runterladen (s. Screenshot). Die Videos haben eine verhältnismäßig gute Qualität und in der Acoustic-Version gefällt mir Tonight richtig gut. Außerdem erinnert mich mein Handy jetzt immer daran, dass ich keine Anrufe in betrunkenem Zustand machen sollte. Beim nächsten Tapetenwechsel gibt es dann die Anspielung auf Cash Machine.

Wink mit dem Zaunpfahl: Ich würde mich über Kommentare freuen, z.B. wenn Ihr das Album auch habt, welche Songs Euch gefallen oder wenn Ihr weder von Album noch Band gehört habt, ob Ihr mal reingehört habt und Euch die Musik gefällt.

  1. Gleiches galt übrigens auch für Band of Horses, da habe ich diesen Umstand allerdings vergessen zu erwähnen. []
  2. Die Cover machen sich bestimmt gut als Poster. Ich werde mal in Erfahrung bringen, ob es die gibt oder gleich selber machen. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

5 Gedanken zu „Albumkritik: Hard-Fi – Once Upon A Time In The West“

  1. Da hast du mal wieder was Schönes rausgesucht. 😎 Ich kannte (mehr oder weniger) jetzt nur die beiden Singles, werd in den Rest aber auch noch reinhören.

    (Nebenbei: Ich fand’s irgendwie komisch, erst im 3. Absatz den Band-Namen zu finden. Aber eigentlich egal…)

  2. Wow, du reservierst dir ja mächtig viel Zeit für das Schreiben. Da musst du dich auch nicht mehr beklagen, dass ich schneller voran komme. 😉

  3. Und wieder kenne ich diese Band nicht *grml*
    Jedenfalls hat der Name mich sofort an den Film mit Robert de Niro in den Zeiten der Prohibition in America erinnert… na, weisst du welcher? 😉

  4. Andreas, du hast Recht mit dem Bandnamen 😳 Liegt wohl daran, dass ich im Beitragstitel nur den Albumnamen nenne. Nächstes Mal wirds besser!

    Paddy, deine Intentionen sind auch anders; für dich ist die Hauptsache, ob du die CD behältst oder nicht und ich will die CD ja kennenlernen. Und beschweren mach so viel Spaß :mrgreen:

    Dandu, ich weiß welcher, aber da ist das letzte Wort eben nicht „west“ sondern „America“. Der ja bei uns auch nur auf das letzte Wort zusammengekürzt wurde. Quatsch, der hieß 1901. Aber hier ist der Albumtitel wirklich ein Film.

  5. Ich hab „Stars Of CCTV“, bin auch durch „Cash Machine“ auf die Gruppe aufmerksam geworden. Die erste Single „Suburban Nights“ vom zweiten Album fand ich ziemlich langweilig, deshalb habe ich mich an die zweite Platte noch nicht rangetraut. Vielleicht war das ja ein Fehler …

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