Größe ist immer relativ (Blog-Parade USA)

Diese Woche hagelt es Blog-Paraden hier, aber die Themen sind einfach zu gut, als dass ich nicht meinen Senf dazu geben möchte. Heute geht es um die USA, wo die Vorwahlen um die Präsidentschaftskandidaten in vollem Gange sind (Stichwort Super Tuesday). Patje, der bisher vorbildlich ausführlich und sogar live von den Vorwahlen berichtete, veranstaltet nun eine Blog-Parade zum Thema USA im Rahmen seiner amerikanischen Woche. Deshalb ist der Zeitrahmen auch etwas kurz, doch das Thema ist völlig offen, solange es um das Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht.

Dazu möchte ich noch auf USA erklärt hinweisen, ein Blog, das hoffentlich die meisten schon kennen. Wenn nicht, empfehle ich, sich ein paar Stunden freizuschaufeln, um alle Beiträge zu lesen. ALLE!

USA: Alles ein bisschen größer

Der amerikanische Tourist auf Europareise bereist laut Klischee (fast) den gesamten Kontinent in zwei Wochen, was dem gemeinen Deutschen unmöglich erscheint, benötigte man doch allein für Rom und Paris jeweils so viel Zeit. Die Wahrheit liegt natürlich irgendwo dazwischen[1], doch werfen wir mal einen Blick auf die Ursachen.

Ein ganz offensichtlicher Grund ist die wahnsinnig große Fläche der USA. Entfernungen in Europa scheinen verschwindend gering im Vergleich zum eigenen Land. Alle Länder der EU zusammen haben nicht mal die Hälfte der Fläche der USA (Zeile 10 bzw. 14 der Tabelle des CIA World Factbook). Zu den Größenverhältnissen habe ich zwei kleine Anekdoten erlebt, die ich Euch nicht vorenthalten möchte.

Die erste fand gar nicht in den USA statt, sondern in Rom. Genauer gesagt auf dem Flughafen, wo ich eine Nacht verbracht habe, weil mein Flug früh am nächsten Morgen ging. Natürlich hatten auch andere diese geldsparende Idee und ich kam mit zwei Amerikanerinnen ins Gespräch[2]. Eine befand sich in der Ausbildung zur Lehrerin in ihrem Auslandsjahr. Allerdings nicht, wie man vermuten würde in Italien, sondern in England und sie nutzte ein verlängertes Wochenende, um nach Rom zu fliegen, weil das sozusagen kurz um die Ecke ist. Ich vermute, dass es nur wenige Engländer gibt, die überhaupt auf die Idee kämen, mal eben übers Wochenende nach Rom zu fliegen.

Die zweite Anekdote spielt sich nun tatsächlich in den USA ab. Wir waren damals im Südwesten der USA in Urlaub und allein die in knapp drei Wochen zurückgelegten 5000 km sind für europäische Verhältnisse unglaublich. Jedenfalls habe ich dort bei einem Softball-Spiel[3] zugeschaut und kam mit einem anderen Zuschauer ins Gespräch. Wir unterhielten uns über Hochschulen (s.u.) und ich erzählte, dass ich zum Studieren ans andere der Ende der Republik ziehen würde. Die Entfernung von nicht mal 1000 km (gut 600 Meilen) fand er ziemlich lächerlich. Er plane mit ein paar Freunden nach Green Bay zu fliegen, um sich ein Football-Spiel anzusehen. Das sind 2300 Meilen (ca. 3900 km) und das nur wegen eines Football-Spiels! Ein reguläres Spiel muss dazu gesagt werden, nicht der Superbowl oder so. Wollte man das auf Europa übertragen, müsste man z.B. die Strecke von Trondheim (Norwegen) nach Athen (Griechenland) nehmen. Das ist schon so ziemlich das Weiteste innerhalb Europas, während die USA noch lange nicht an ihre Grenzen stößt.

Weiter erzählte er, dass er zwei Jobs hat, da nun auch seine dritte Tochter bald aufs College gehen wird[4]. Sie würde auf ein State College gehen, obwohl sie ein Stipendium für Stanford angeboten bekommen hatte. Das Stipendium deckt nur die Hälfte der Studiengebühren und die restlichen 20.000 Dollar müssen selber bezahlt werden. Im Vergleich dazu klingen die 500 bis 1000 Euro Gebühren hierzulande etwas lächerlich[5].

Wenn man sich diese Zahlen vor Augen führt, erscheint es nicht mehr so unglaublich, dass man Europa in zwei Wochen bereist. Das merke ich auch immer wieder beim Lesen der Lonely Planet-Reiseführer[6]. Da gibt es dann Tourenvorschläge je nach Interesse, in denen ein ganzes Land in ein paar Tagen stichprobenartig bereist werden kann.

  1. Rom kann man in einer Woche intensiv und gründlich abgrasen. Und das sogar zu Fuß! []
  2. Eine war kurz vorher (Ende 2001) in einer Anwandlung patriotischer Gefühle in die Armee eingetreten, doch das ist wieder ein ganz anderes Thema. []
  3. Das ist sowas wie Baseball – siehe Wikipedia-Link – das hat NIX mit Plastiktennisschlägern zu tun! []
  4. Geld und Jobs wären ja auch ein unerschöpfliches Thema in Bezug auf die USA. []
  5. Ja, ist nicht wirklich vergleichbar, aber man sollte sich vor Augen führen, dass ein durch Studiengebühren finanziertes Hochschul-System funktionieren kann. []
  6. Eigentlich ein australischer Verlag, aber da ist auch alles sehr groß und Entfernungen haben andere Dimensionen als in Europa. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

2 Gedanken zu „Größe ist immer relativ (Blog-Parade USA)“

  1. hehe, ich glaub, bei der Blogparade mach ich auch mit (morgen)

    zu den 2 Wochen. Als wir von San Francisco nach Salt Lake City flogen (haben wir gut hingedeichselt mit dem Meileneinlösen, sodass wir 4 Föüge zum Preis von 2 gekriegt haben^^) saß neben meiner Mutter ein Chinese, der in 2 Wochen die USA bereiste (inkl. Hawaii). Er klagte nur über den Stress^^

    ach ja, und Green Bay, das kenn ich, da war ein Nachbar mal zum Schülerausutausch 😀 Die Amis fliegen halt so oft, wie wir längere Autostrecken fahren….

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