Zwischen Übersichtlichkeit und Informationsvermittlung (Blog-Parade: Was soll in die Sidebar?)

Perun möchte wissen, welche Elemente in der Sidebar sinnvoll sind und wonach man selber so gut wie nie schaut[1]. Da die Parade morgen endet, ist Beeilung angesagt.

Bevor ich nun konkret die Elemente nenne, die ich in einer Sidebar für wichtig bzw. überflüssig halte, möchte ich noch kurz auf das Dilemma Übersichtlichkeit vs. Informationsvermittlung eingehen. Das taucht vor allem in der Einzelansicht eines Beitrags auf. Die Übersichtlichkeit ist hier ohne Frage wichtig und beim Lesen stört jedwede überflüssige Information. Das würde bedeuten, dass möglichst wenig Elemente in der Sidebar zu finden sind.

Auf der anderen Seite steht die Frage, was nach dem Lesen des Beitrags passiert, wobei man zwischen Stammlesern und von Suchmaschinen hergeleiteten Lesern unterscheiden muss. Erstere wissen, wie der Blog thematisch einzuordnen ist, möchten aber vielleicht gerne wissen, ob es neue Beiträge oder Kommentare gibt. Bei Erstbesuchern ist es genau umgekehrt. Oft sind es auch Besucher, die nicht genau wissen, dass sie auf einem Blog gelandet sind und wie so ein Ungetüm aufgebaut ist. Diese Informationen sollten also irgendwie vermittelt werden, ohne dass die Übersichtlichkeit leidet.

Will man alle diese Anforderungen beachten, so ergeben sich völlig gegenteilige Empfehlungen für den Aufbau der Sidebar. Doch wenn man beachtet, um was für eine Art Blog es sich denn im Einzelfall handelt, wird die Sache wieder etwas einfacher. Bzw. es besteht die Chance, dass es einfacher wird. Nämlich dann, wenn der Blog eine kleine Palette an Themen abdeckt und nur einen bestimmten Personenkreis anspricht. Das betrifft sowohl „seriöse“ Blogs, die über Technik, Politik, Webdesign, Fotografie oder was auch immer informieren, als auch reine „Tagebücher“, in denen es etwas lockerer zugeht. Bei ersteren soll der Leser informiert werden und möglichst schnell ans Ziel kommen, bei letzteren kann durchaus ein wenig Verwirrung beim zufällig vorbei kommenden Besucher gestiftet werden, weil viele Insiderinformationen“ vorausgesetzt werden.

Wird einigermaßen klar, was ich damit ausdrücken möchte? Wahrscheinlich nicht, doch zum Glück gibt es die Kommentarfunktion um nachzufragen! Nun werde ich endlich die geforderten Angaben für die Blog-Parade machen. Ich orientiere mich dabei grob an Peruns Angaben und meiner Sidebar und schreibe noch dazu, ob das Element nur auf bestimmten, oder auf allen Seiten sichtbar sein soll.

Was finde ich sinnvoll in der Sidebar?

  1. Suche
    Sehr wichtig und sollte sofort zu finden sein. Damit erübrigt sich die Angabe, dass das Suchfeld auf allen Seiten sichtbar sein soll. Es gibt ja so Experten, die meinen, über dem Header sei das besonders auffällig, aber das geht ein Stück zu weit, im wahrsten Sinne des Wortes.
  2. Link zum Newsfeed (RSS-Button) mit Erklärung
    Wichtig einerseits, um neue Leser zum Abonnieren zu animieren und zweitens um „Unkundige“ zu informieren. Ich habe es mir einfach gemacht und verlinke auf Peruns excellenten Beitrag zum Thema RSS. Auf allen Seiten sichtbar.
  3. Kurze Vorstellung bzw. prominenter Link zu „Über mich“
    Ein paar Worte zur Einordnung, wer der Mensch hinter dem Blog ist, sind hilfreich. Das habe ich allerdings jetzt nicht mehr, sondern eine eigene Über Mich-Seite[2]. Diese Information sollte auf allen Seiten sichtbar sein, denn dadurch weiß der Leser sofort, was los ist, egal woher er kommt.
  4. Hauptpunkte einer Navigation (Impressum, Archiv etc.)
    Selbstverständlich müssen diese Informationen vorhanden sein und auf allen Seiten sichtbar. Bei mir stellt sich die Frage gar nicht, da die Navigation im Header ist. Das hat den Vorteil, dass es eher an eine Nicht-Blog-Webseite erinnert und Neulinge sich vielleicht besser zurechtfinden. Und die Sonderstellung von Seiten im Blog wird betont, denn sie entsprechen nicht dem typisch bloggisch-dynamischen Inhalt.
  5. Die letzten Kommentare
    Diese Option ist vor allem für Leute, die häufiger vorbei kommen und sollte deshalb auf jeden Fall auf der Startseite und den Archivseiten zu finden sein. Ob auch beim Einzelbeitrag ist Geschmackssache. Nicht so wichtig sind die letzten Kommentare auf statischen Seiten und Suchergebnisseiten
  6. Die letzten Beiträge
    Diese Angabe mag vielleicht erst überflüssig erscheinen und das ist sie auch auf der Startseite, aber im Archiv und der Einzelansicht ist das sehr wohl sinnvoll. Ein Leser, der sich dort tummelt, sieht dadurch wie regelmäßig auf diesem Blog geschrieben wird und wie aktuell die letzten Beiträge sind (wenn das Datum angegeben ist).
  7. Die Auflistung von Kategorien
    Diese Angabe ist einerseits relevant für Erstbesucher, damit sie sehen, womit sich das Blog beschäftigt (und ob es sich lohnt zu abonnieren) und andererseits für Leser, die ein bisschen stöbern wollen und sich für bestimmte Themen interessieren. Außerdem ist es hilfreich, wenn jemand auf der 404-Fehlerseite gelandet ist und sich orientieren möchte. Damit ist auch klar, dass diese Angaben auf allen Seiten zu finden sein sollte. Wenn es dann noch hübsch verpackt in Form eine Tag-Wolke ist, umso besser.
  8. Monatsarchiv
    Diese Angabe scheidet die Geister und es gibt für beide Seiten gute Argumente. Eines dagegen ist meist der unnötige Platz, der durch eine lange Monatsliste verbraten wird. Doch da gibt es zum Glück Abhilfe und mit dem Plugin Compact Monthy Archive wird ein kurzer und raumsparender Einstieg ins Archiv ermöglicht.

Das waren die für mich sinnvollsten Elemente einer Sidebar, die in keinem Blog fehlen sollten. Daneben gibt es noch eine Handvoll, die je nach Geschmack (und Ladezeit) angezeigt werden können und vor allem Zusatzinformationen bieten und eine bessere „Kundenbindung“.

  1. Tag-Wolke
    Hier gilt das gleiche wie für die Kategorien, dass man nämlich auf einen Blick sieht, womit sich der Blog beschäftigt und es wird ein klicksparender Weg ins Archiv geboten. Ein Unterschied ist natürlich, dass Tags wesentlich zahlreicher und spezialisierter sind, weswegen erstens nur die wichtigsten Tags angezeigt werden und zweitens nicht auf allen Seiten, sondern z.B. nur auf der Startseite und der Fehlerseite (zur Orientierung).
  2. Beliebteste/Ausgewählte/Angekündigte Beiträge
    Jeder hat ein paar Beiträge, auf die er besonders stolz ist oder in die viel Arbeit investiert wurde und natürlich soll das gebührend gewürdigt werden. Deshalb ist es ganz schön, wenn eine Handvoll empfohlener Beiträge zu sehen sind. Bei mir werden die beliebtesten Beiträge angezeigt (von heute und insgesamt), aber nur auf der Startseite und im Archiv, denn die Auswahl gibt einen interessanten Einblick, ist aber nicht überlebenswichtig. Für eine kontrollierte Auswahl und automatische Anzeige empfehle ich das Articles-Plugin. Eine Art Teaser ist die Ankündigung von Beiträgen, z.B. zu einer Serie oder wenn etwas größeres ansteht, wie bei mir das Liedzeilen-Quiz (Idee abgeguckt bei Roman).
  3. Beiträge vor X Tagen/Monaten
    Ähnliches gilt für Beiträge, die vor einem Jahr oder wann auch immer erschienen sind. Das ist auch für den Blogautor eine witzige Sache, um zu sehen, was man so vor Urzeiten „verbrochen“ hat und für die Stammleser, dass sie so angeregt werden, ein bisschen in der Vergangenheit zu wühlen (wenn es „vor“ ihrer Zeit war, um noch mehr zu erfahren und für die ganz alten Bekannten, um sich an die gute alte Zeit zu erinnern).
  4. Allgemeine Statistiken
    Die Anzahl der Beiträge und Kommentare benötigt nicht viel Platz, vermittelt aber viel Information. Auch ganz interessant ist die Anzahl der Besucher, die sich gerade auf dem Blog tummeln. Wer unbedingt muss, kann auch Angaben über tägliche/wöchentliche/gesamte Besucher machen, aber dann ganz unten.
  5. Top-Kommentatoren
    Mithilfe des entsprechenden Plugins werden die fleißigsten Kommentatoren eines bestimmten Zeitraums angezeigt und mit einem Link „belohnt“ und der Blogbetreiber vielleicht mit mehr Kommentaren. Wenn dann noch eine richtige Belohnung ausgeschrieben wird, werden die Besucher erst recht animiert, regelmäßig zu kommentieren.
  6. Blogroll
    Für mich eine der besten Methoden, neue Blogs kennenzulernen. Bei wem ich gerne lese, von dem lasse ich mir gerne Empfehlungen zum Weiterlesen geben. Wenn es allerdings zu viel wird, sollte nur eine (zufällige) Auswahl angezeigt werden und die komplette Liste auf eine eigene Seite ausgelagert werden.

Der Rest, der sich bei mir findet, sind eigentlich überflüssige Zusatzinfos (Bilder aus meiner Galerie; Buttons zu unterstützenswerten Aktionen; die letzten Suchanfragen; Songs, die ich zuletzt gehört habe). Aber das hier ist mein Blog und die Sachen sind mir persönlich wichtig bzw. interessieren mich und deshalb werden sie angezeigt!

Wonach gucke ich so gut wie nie in den Blogs?

  • Kalender
    Der hat sich tatsächlich selber überlebt, denn es gibt bequemere und übersichtlichere Darstellungen fürs Archiv (s.o.).
  • Mitgliedschaften in irgendwelchen Blog-Gruppen
    Da ich selber nirgendwo (mehr) Mitglied bin, interessiert mich das auch nicht bei Anderen. Die Buttons dienen meistens sowieso nur als Link und Beweis zur Zugehörigkeit des Netzwerks, sind also für den Besucher überflüssig. Diese Netzwerke haben ihre Vorteile und für viele mag der Nutzen unverzichtbar sein, aber ich habe beschlossen, mich da rauszuhalten.
  • Meta/Registrierung
    Blogs, wo man sich registrieren muss, um zu kommentieren, meide ich bzw. ich kommentiere nicht und deshalb beachte ich diese Links auch nicht. Gleiches gilt für den Admin-Login, denn der ist nur für den Admin selber und somit für 99,99% der Besucher unnötig. Bei WordPress ist die Adresse zum Einloggen sehr einfach zu merken und meistens sowieso in der Browserhistorie gespeichert, warum also einen Link, der für alle sichtbar ist?!?
  1. Damit die Parade einfach bleibt, tun wir kurz so als ob es nur die Sidebar gibt und nicht den Header und Footer []
  2. Vielleicht sollte ich das wieder einführen?!? Mal sehen, was bei der Blog-Parade als Ergebnis rauskommt. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

6 Gedanken zu „Zwischen Übersichtlichkeit und Informationsvermittlung (Blog-Parade: Was soll in die Sidebar?)“

  1. Ich merke schon, ich mache mir viel zu wenig Gedanken! Aber Deine Gedankengänge sind sehr schlüssig und wirklich sehr gut umgesetzt! Bei meinem Klientel benötige ich ja normalerweise erst einmal 3 Doppelstunden um den Nutzen von feeds zu erklären und dann sind sie immer noch nicht überzeugt! (Ich hoffe, das liest jetzt keiner! 😉 )

    Der Sinn und Zweck einer „Über mich“ Seite ist mir noch nie so klar geworden. Ich denke, dies hängt ganz vom Wesen des Bloggers ab.
    Auch beim Impressum denke ich ähnlich. Ich erkenne noch nicht so richtig den Zweck eines Impressums, da ich keinerlei kommerzielle Interessen verfolge, d.h. also keine Google-Links schalte und auch nicht am berühmt, berüchtigten Amazon Partnerprogramm teilnehme. Und irgendwie habe ich ein Problem damit wenn mein Name per Google im Internet gefunden wird! Bin ich paranoid? 😕

    Das Thema führt mich allerdings zu der Frage: Bloggen Männer und Frauen anders? Inhaltlich und vom Aufbau her?

  2. Die Geschlechterfrage ist, glaub ich, total irrelevant – Julia hat das alles so aufgeschlüsselt und begründet, das es für beide Geschlechter gleichermaßen gültig ist.

    Inhaltlich stimme ich voll zu. Die Monatsliste ist für mich auch so eine Art Arbeitsnachweis und kann für den Besucher auch übersichtlich die Bloghäufigkeit anzeigen. Was der Kalender auf manchen Blogs soll, hab ich noch nie verstanden. Viel zu groß und zu unübersichtlich.

  3. Oh Herr Querdenker! Das hast du gut erkannt xD

    Postpunk, das Dilemma mit dem Erkären kenne ich auch nur zu gut und es ist leicht zu vergessen und so zu schreiben, als ob jeder wüsste, wovon man spricht.

    Zum Impressum hat ja Roman shcon einiges gesagt und ich möchte nur noch hinzufügen, dass du nicht paranoid bist und auch ich habe mich lange gescheut, meine Daten anzugeben. Aber das ist nun mal rechtlich notwendig (aufgrund des Zipfelchens Werbung) und man kann ohne ausreichende Informationsangaben juristische Probleme bekommen.

  4. Ich überdenke auch gerade die Sidebar (oder Sideboard? 😉 ) situation. Eine wesentliche Neuerung wird wohl die Blogroll sein die ich ja bisher für nicht allzu nötig hielt. Am Freitag werde ich mit meinem Administrator mal ein Schwäzchen samt Guiness haben. 🙄

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