Albumkritik: The Wombats proudly present…. A Guide to Love, Loss & Desperation

Das zweite Album im Rahmen meines 49 Suns CD-Projekt 2008 ist, wie schon in der Sidebar angekündigt das treffend betitelte Album The Wombats proudly present… A Guide to Love, Loss & Desperation.

Wie beim ersten Mal eine britische Band[1], deren Album etwas ausführlicher vorgestellt wird. Ursprünglich wollte ich das letzte Jahr alphabetisch durcharbeiten, aber die Wombats sind mir so sympathisch aufgefallen, die konnten nicht warten.

Besonders gefallen hat mir das „Booklet“ der CD, welches eigentlich ein Poster ist. Auf der Vorderseite ist ein Regal mit viel Krimskrams, das alle(?) Songs repräsentiert und auf der Rückseite in pinker(!) Krakelschrift die Texte. Ich meine die meisten Songs erkannt zu haben und dass sie mehr oder weniger in der Reihenfolge wie auf dem Album aufgestellt sind. Leider habe ich dazu nichts im Internet gefunden und wäre für jeden Hinweis dankbar.

Nun zur Musik, die in Richtung Indierock-Britpop geht, mit viel Gitarren, witzigen Texten und einer sehr eindeutig zuzuweisenden Stimme. Da die Songs mehr oder weniger alle gut sind (entweder 4/5 oder 5/5 Punkten), lasse ich diesmal die Einzelwertungen weg und gebe beim Albumfazit eine Gesamtwertung ab.

  1. Tales Of Girls, Boys & Marsupials
    Der gut einminütige Einstieg a capella und mit nicht mehr Text als der Titelzeile. Perfekt, denn man erfährt, worum es im Folgenden geht, sowohl thematisch (Jungs, Mädels, Beuteltiere) als auch musikalisch, denn selbst auf diese instrumentlose Weise kommt der typische Stil durch.
  2. Kill The Director
    Die erste Singleauskopplung ist ein „weiterer Song über ein Geschlecht, das ich nicht verstehe“ und die gute Dame, die der Sänger getroffen hat, stellt sich als Nicht-Bridget Jones heraus, denn es handelt sich hier nicht um eine Rom-Kom. Im Video wird das deutlich gemacht durch eine Art Notting Hill meets Independence Day[2]. (als kostenloser Download bei Indiepedia – ganz unten auf der Seite)
  3. Moving To New York
    Die dritte Singleauskopplung ist ein wenig gitarriger und schwermütiger, was aber im Wombats-Zusammenhang nichts heißt. Doch wenn man glaubt, den Verstand zu verlieren und deshalb nach New York zieht, weil es dort die besten Therapiemöglichkeiten gibt, dann ist das schon ein ernstes Thema (siehe Video).
  4. Lost In The Post
    Auftritt der Keyboards und ein weiterhin treibender Bass, die alle nicht verhindern können, dass die Angebetete es nicht aushielt und plötzlich verschwand (siehe Video).
  5. Party In A Forest (Where’s Laura?)
    Wieder mehr Gitarren, die aber dem Gesang Platz machen, während verzweifelt nach Laura gerufen wird. Ist ein wenig langweilig, aber die Melodie ist ganz ordentlich.
  6. School Uniforms
    Zu den Gitarren jetzt noch die Drums in den Vordergrund und wir weinen der Kindheitsliebe nach, die leider wegen der lächerlichen Schuluniformen nie tiefere Formen annahm.
  7. Here Comes The Anxiety
    Wieder spärlichere Instrumentierung (immerhin „der finsterste Song, den ich je schrieb“) und wir leiden mit. Wirkt noch intensiver in der Live Acoustic-Version.
  8. Let’s Dance To Joy Division
    Die zweite Singleauskopplung und ihr wohl bekanntester Song (bei manchen einer der besten des letzten Jahres), der von dem Paradoxon handelt, dass man zur vermeintlich depressiven Musik glücklich tanzen möchte. Macht richtig Laune und für mich der zweitbeste Song des Albums. Anschaubefehl: Video
  9. Backfire At The Disco
    Weiter in diesem Stil geht es, wenn da das Video nicht wär mit bunten Lichtern, Rollschuhen, Walkmen, Gymnastikanzügen und Stulpen. Nicht anschauen, wenn man das Lied in positver Erinnerung behalten möchte! Denn das sollte man in jedem Fall.
  10. Little Miss Pipedream
    So, nun aber der wirklich beste Song des Albums! Fängt ganz unscheinbar mit einem Beat an und steigert sich dann langsam. Genau richtig für die Unerreichbare, die sich wie Oliver Reed betrinken kann (und dann mit anderen Jungs nach Hause geht). Der Song klingt aus mit Mundharmonika und Gepfeife, einfach herrlich.
  11. Dr Suzanne Mattox PhD
    Bekannt flotter Song, der zwar textlich nicht allzu variiert, aber doch einen gewissen Charme verbreitet.
  12. Patricia The Stripper
    Wieder ein klein wenig ruhiger, aber genauso verzweifelt wie der Vorgänger. Gekonntes Gitarrengeschrammel , das fast den ganzen Song trägt.
  13. My First Wedding
    Zum Abschluss den textlich besten Song, denn schon die ersten Zeilen
    This is my first wedding and I hope that it’s my last
    Things would be fantastic if me and the bride didn’t have a past

    sind einfach umwerfend und mit einer solchen komischen Ruhe vorgetragen.

Wer sich selber überzeugen möchte, der sollte auf der offiziellen Seite vorbeischauen. Dort kann man in bisherigen Singles (Moving to New York, Let’s Dance To Joy Division, Kill the Director) und den Albumcloser My First Wedding reinhören. Auch eine interessante Version von Bryan Adams‘ (Everything I Do) I Do It For You wird geboten. Bis auf letzteres sind die Songs auch auf der MySpace-Seite anzuhören. Die Videos gibt es alle auf ihrer YouTube-Seite. Hörbeispiele für das komplette Album gibt es bei Amazon[Partner-Link].

Fazit: Ein richtiges Gute-Laune-Album, das sich hervorragend als Begleitung zum Aufräumen und produktiven Arbeiten eignet, allerdings weniger zum Entspannen oder Einschlafen. Ich vergebe 4 von 5 Punkten als Gesamtwertung. Die Höchstwertung gibt es nicht, weil man nach mehrmaligem Durchhören von der überwiegend hektischen Musik ein wenig überfordert ist.

Zum Abschluss noch ein Zitat aus einer Albumkritik

The Wombats are a rare gem. Catchy enough for the charts, indie enough for the music press, sarcastic enough for the miserable sods who moan that music was better when it came on slabs of black plastic, fresh enough for the kids who are getting a bit fed up with Arctic Monkeys and, best of all, clever enough to get Joy Division fans onto the dancefloor in a more original way than Bernard Sumner ever thought of. And with better tunes.

  1. Bei meinem Musikgeschmack und folglich bei meiner CD-Sammlung ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, dass es eine britische Band bzw. einen Künstler von der Insel trifft. []
  2. Die Notting Hill-Referenz ist eindeutig durch die fast identische Szene am Anfang. Doch mit Independence Day bin ich mir nicht sicher. Weiß jemand einen besseren Vergleich? []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker