Archiv für den Monat: Februar 2007

Es regnet draußen

Das ist doppelt gemoppelt, weil es selbstverständlich ist, dass es draußen regnet. Sollte es einmal wider Erwarten drinnen regnen, dann darf man das ruhig erwähnen, aber ansonsten reicht ein einfaches “Es regnet”.

P.S. Es regnet tatsächlich gerade mehr oder weniger. Das ändert sich alle paar Minuten. Aber ich sitze ja schön im Trockenen.

Vom Mythos, dass Islam und Terror gleichzusetzen sind

Die nicht-religiöse Tageszeitung The Christian Science Monitor[1] veröffentlichte letzte Woche einen interessanten Artikel von Kenneth Ballen.[2]

Der Artikel stellt zwei Umfragen in den USA und den bevölkerungsreichsten muslimischen Ländern (Indonesien, Pakistan, Bangladesh, Nigeria) gegenüber. Gefragt wurde nach “Bomben- und anderen Angriffen, die absichtlich gegen Zivilisten gerichtet” sind. Antwortmöglichkeiten waren u.a., dass diese Angriffe “niemals gerechtfertigt” oder “oft oder manchmal gerechtfertigt” sind.

Die Umfrage in den USA wurde im Dezember 2006 vom Program on International Public Attitudes (PIPA) der Universität Maryland durchgeführt. Weniger als die Hälfte (46 Prozent) der Amerikaner antworteten “niemals” und fast ein Viertel (24 Prozent) meinten “oft oder manchmal”.

In den muslimischen Ländern wurde die Studie von Terror Free Tomorrow durchgeführt. Das Ergebnis war, dass die drei asiatischen Staaten zu mindestens Dreivierteln solche Angriffe als “niemals gerechtfertigt” sehen (Indonesien: 74 Prozent, Pakistan: 86 Prozent, Bangladesh: 81 Prozent). Die Zahl für Nigeria wird nicht erwähnt.

Weiter wird auf die negativen Folgen der wiederholten Stereotypisierung von Muslimen in den Medien und von der Minderheit der Radikalen selber hingewiesen. Dadurch ist es einerseits schwierig in muslimischen Ländern Unterstützung für den Krieg gegen den Terror zu finden. Andererseits bekommen dadurch die radikalen Gruppierungen weiter Futter für ihre Anschuldigungen gegen den Westen.

Die Organisation Terror Free Tomorrow hat in den letzten zwei Jahren mehr als zwanzig Studien in muslimischen Ländern durchgeführt mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen (World’s Largest Muslim Countries Welcome U.S. Navy, American Aid Key to Favorable Muslim Public Opinion, und weitere).

Holeritis in Trier und Umgebung

Porta NigraGerade bin ich auf den Zwiebelfisch-Beitrag Wo holen seliger denn nehmen ist gestoßen, der von der Trierer bzw. moselfränkischen Eigenart berichtet, dass man anstelle des Verbs holen immer nehmen holt nimmt. Sehr amüsanter und interessanter Artikel. Und die darauffolgenden Einsendungen (Hart im Holen) mit weiteren Beispielen und Anekdoten haben mich mehrmals laut auflachen lassen. Wirklich empfehlens- und lesenswerte Artikel.

Nun aber zum Anlass dieses Beitrags, warum schreibe ich darüber? Nun, ich habe die letzten dreieinhalb Jahre meines Schuldaseins in eben dieser schönen Moselstadt verbracht. Wir sind dorthin gezogen, als ich mitten in der zehnten Klasse war und so wurde ich nicht nur mit dem Problem des Aufholens, sondern auch dem des Holens konfrontiert. Mir hat natürlich niemand von der Trierer Besonderheit berichtet und ich wunderte mich bei Gelegenheit sehr.

In der ersten Woche z.B. im Kunstunterricht sagte meine Tischnachbarin wiederholt “Welche Farbe hole ich denn jetzt?” Und ich war völlig verwirrt, weil ich nicht wusste, wo sie die denn herholen will, weil ihr Farbkasten doch direkt vor ihr stand. Aber man hat mich dann irgendwann aufgeklärt und dann war alles klar. Ich habe mich allerdings nie daran gewöhnt zu sagen, dass ich einen Film auf Video aufgeholt oder Gewicht abgeholt habe. Da ich im Judoverein war, habe ich diese Formulierung des öfteren gehört. Mittlerweile gibt es ja nicht mehr soviele Telefone mit Hörer, sonst wäre es sicherlich in Trier immer noch Standard zu sagen, dass man den Telefonhörer aufgeholt hat.

Orangefarbener Kaffee

Kaffe mit orangefarbenem SchimmelDa wollte ich mir einen frischen Kaffee vom Kaffeevollautomaten holen und habe zum Glück nochmal in die Tasse geschaut. Der Inhalt ließ mich erschauern: Schimmel in knallorange in einer gallertartigen Masse.

Merke: vor dem Wochenende immer schön die Kaffeetasse ausspülen, damit es am Montag nicht die Augen und den Magen verdirbt!

Viele Themen am Montag morgen

Der heutige Morgen bietet viele Themen, die alle eine ausführliche Würdigung erfahren sollten. Aus Zeitgründen werde ich nur jeweils ein paar Gedanken dazu anbieten.

Happy Birthday Johnny Cash

Heute wäre er 75 Jahre geworden. Viele halten ihn einfach für einen Country-Sänger, was viel zu eindimensional wäre. Außerdem hat hat diese Musikrichtung in Deutschland ja keinen so guten Ruf. Sein Spektrum war sehr viel breiter und auch politisch, immmerhin war er der Man in Black. Im gleichnamigen Song von 1971 heißt es:

I wear the black for the poor and the beaten down,
Livin’ in the hopeless, hungry side of town,
I wear it for the prisoner who has long paid for his crime,
But is there because he’s a victim of the time.

79th Annual Academy Awards

Es gab nicht viele Überraschungen, mal wieder hat sich meine Vermutung bestätigt, dass sehr auf Sicherheit gewählt wird. Martin Scorsese hat endlich seinen Regie-Oscar bekommen. Mittlerweile ist der Bann gebrochen, dass auch schwarze Darsteller ausgezeichnet werden (2002 Hauptdarsteller und Hauptdarstellerin, 2005 Hautdarsteller und Nebendarsteller). Diese Tradition hat sich in diesem Jahr mit dem Hautdarsteller und der Nebendarstellerin fortgesetzt.

Ein angebliche Sensation die Auszeichnung des deutschen Films Das Leben der Anderen. In den USA können wohl nur Filme über die deutsch-deutsche Geschichte Erfolg haben, die nicht so ganz wahrheitsgemäß sind. War genauso mit Goodbye Lenin. Die Dankesrede von Florian Henckel von Donnersmarck laut Oscars.com

Oh my God! I was already crying after Tornatore’s film.

Life on Mars = Die Zwei + Zurück in die Vergangenheit

Hat jemand gestern Kabel 1 gesehen und nicht Verstehen Sie Spaß oder Batman? Dort kam gestern abend das Finale der ersten Staffel der britischen Serie Life on Mars (siebter und achter Teil). Hat mir sehr gut gefallen. Den Pilotfilm, d.h. die ersten beiden Teile habe ich leider nicht gesehen. Aber die Vorschau hat mich neugierig gemacht und so habe ich die letzten drei Samstage jeweils zwei Folgen gesehen. Bei Kabel 1 heißt es zur Story

Sam Tyler (John Simm), Kriminalkommissar in Manchester, wird während der Fahndung nach einem Mörder von einem Auto angefahren. Als er erwacht, findet er sich im Jahr 1973 wieder. Hat er eine Zeitreise unternommen? Liegt er im Koma? Oder ist er einfach verrückt geworden?

Besonders fasziniert hat mich die gelungene Kombination einer Polizeiserie aus den 70ern mit einer Zeitreiseserie plus eine Prise Nordengland, sozusagen Die Zwei (The Persuaders) gemixt mit Zurück in die Vergangenheit (Quantum Leap). Das Ambiente erinnert ein wenig an Billy Elliot, das ja auch in der Vergangenheit in Nordengland spielt. Zwei meiner Lieblingsserien, die ich komplett auf DVD besitze in Kombination, muss ich ja mögen.

Die vordergründige Handlung besteht aus den zu lösenden Kriminalfällen im Manchester von 1973. Gespickt wird das Ganze durch kleine Anekdoten, die zeigen, dass die Hauptfigur Sam Tyler eigentlich aus dem Jahr 2006 kommt, z.B. möchte er Täterprofile erstellen und ausführlichere kriminaltechnische Untersuchungen durchführen; er wünscht sich Datenbanken und Suchmaschinen. Die Titelmusik und die Klamotten erinnern sehr an Die Zwei[1], wenn auch die Aufmachung etwas realistischer ist. Hier werden Mordfälle im Arbeitermilieu von Manchester gelöst und keine Jetset-Spionage-Fälle an der Côte d’Azur. Die Musikauswahl ansonsten besteht aus ausgezeichneten zeitgenössischen Titel, die auf der Kabel 1-Seite aufgelistet und zum Download angeboten werden.

Stufen über Stufen ODER Deutsch im öffentlichen Dienst

Schon seit dem letzten November gilt im öffentlichen Dienst im Länderbereich ein neuer Tarifvertrag. Genau habe ich mich damit nicht beschäftigt, ich habe das Merkblatt dazu (PR-Info 11 – August 2006) nur ein wenig überflogen. War zu kompliziert geschrieben als dass ich irgendwas verstanden hätte. Aber ein Kollege machte mich auf folgenden Satz aufmerksam (Hervorhebungen von mir):

Wurde die höchste Lebensalterstufe noch nicht erreicht, erfolgt die Überführung in eine individuelle Besitzstands-Zwischenstufe, aus der heraus für alle Beschäftigten am 01.11.2008 der Aufstieg in die dann zutreffende nächste Erfahrungsstufe erfolgt.

Was man sich unter einer Erfahrungstufe vorzustellen hat, kann ich nicht beantworten. Aber sie werden hier neu eingeführt. Und zwar wirklich ganz pünktlich:

Mit dem Wechsel in den neuen Tarifvertrag zwischen dem 31.10.06, 24.00 Uhr, und dem 01.11.06, 0.00 Uhr, erfolgt die Überleitung der Beschäftigten (Ausschlussfrist von 6 Monaten) in ein neues Entgeltsystem (Entgeltgruppen E 1 bis E 15), in dem an Stelle der bisherigen Lebensalterstufen Erfahrungsstufen eingeführt werden.

Wie viel Zeit vergeht denn zwischen 24 Uhr des einen und 0 Uhr des folgenden Tages? Ist das nicht beides Mitternacht? Oder sehe ich das jetzt ein wenig zu salopp? Angenommen, da tun sich ganze Zeit-Unterwelten auf, da bieten sich ungeahnte Plotkonstrukte für die Serie 24.

Temperaturunterschiede

Gefühlte Temperatur in GreifswaldGestern und heute gibt es ein interessantes Wetterphänomen im Norden. Warme Luft aus Südwesten und kalte Luft aus Nordosten treffen sich und so werden es in Niedersachsen (Osnabrück, Nordhorn) bis 13 Grad, während es in Greifswald, Wolgast und Rügen -2 Grad werden sollen. Mein touchtheSky-Widget von Opera sagt mir, dass es heute morgen allerdings noch gefühlte -16 Grad in Greifswald sind (reale Temperatur: -8 Grad) durch den leichten Südost-Wind (14 km/h SE in der Grafik).

In der dieswöchigen Ausgabe des Greifswalder Anzeiger gibt es auf der Titelseite ein Gespräch mit Stefan Kreibohm (der mit dem Puschelmikrofon vor dem Leuchtturm auf Hiddensee). Im Artikel heißt es zu Beginn

Der diesjährige Winter ist eindeutig zu warm. Sechs Grad Celsius[1] über dem Mittelwert bewegen sich die durchschnittlichen Temperaturen seit Winteranfang. Der Grund dafür, weiß Stefan Kreibohm, der im Meteomedia-Studio Hiddensee das Wetter beobachtet, sei die konstante Wetterlage: “Seit Wochen haben wir einen kräftigen West-/Südwestwind”, der bis weit bis nach Mitteleuropa hinein bis Moskau und St. Petersburg, zum Teil bis zum Ural zu spüren ist. Die Folge der zahlreichen und kräftigen Tiefs: In breiten Teilen Europas konnte der Winter keinen Einzug halten. Dieses Phänomen habe es laut Statistik zuletzt 1974/75 gegeben.

Sieht so aus, als ob der Nordost-Wind (bzw. Südostwind) zur Zeit auch was zu melden hat. Vielleicht wird es doch noch ein wenig Winter. Aber solange es nicht so kalt wird wie letztes Jahr (gefühlte Temperatur auch tagsüber unter -20 Grad), kann es mir recht sein.

Die DDR lebt weiter in der Karibik kurz vor Kuba

Via Kottke’s Remaindered Links bin ich auf den Beitrag East Germany Lives On – As A Tiny Carribean Island gestoßen.

Dort heißt es, dass eine kleine Insel kurz vor Kuba das letzte verbleibende offizielle Territorium der DDR ist. Die Insel ist 15 km lang, dabei allerdings maximal 500 m breit. Dort gibt es nur Leguane und Vögel. Im Juni 1972 verschenkte Fidel Castro die Insel bei einem Staatsbesuch. Der wichtige Punkt, mit der begründet wird, dass die Insel “Ernst Thälmann” noch der DDR gehört, ist, dass sie im Einigungsvertrag nicht erwähnt wurde. Ein Beitrag in der Online-Zeitung Thema 1 machte darauf aufmerksam. Kuba behauptete daraufhin, dass die Schenkung damals symbolhaft war.

Eine Verwendungsmöglichkeit für dieses schöne Eiland wäre doch, wenn man unbeirrbare Politiker dorthin schicken würde, oder? Mir fallen da spontan einige lokale und nationale Betonköpfe ein, die dort besser aufgehoben wären. Treffend ausgedrückt auch beim Blogwerk:

Man stelle sich vor, wie ausgediente SED-Kader unter Palmen ihr kleines bisschen Paradies verwirklichen, fernab von der Kälte eines real existierenden Kapitalismus, der die ehemalige DDR, pardon, die fünf neuen Länder längst erobert hat. Doch wie es scheint, ist das Cayo ein recht verlassenes Eiland, es findet sich nicht mal jemand, der die im letzten Tropensturm umgekippte Ernst-Thälmann-Büste wieder aufrichtet. So wird aus dem vermeintlichen Sozialistenparadies ein sprechendes Zeugnis.

Ausführlicher nachzulesen ist die Ganze Geschichte bei Wikipedia.