Biologen und Computer: eine Geschichte voller Missverständnisse

Folgendes Gespräch konnten meine Ohren gestern belauschen[1]

StudentIn: Wir haben ein Problem mit den Daten, die können nicht gelesen werden bzw. sehen ganz komisch aus.[2]
Kenner der Materie: Wie habt ihr die Daten denn geöffnet?
StudentIn: Na, mit Word [sic!]
Kenner der Materie: Aber das ist doch eine Textdatei, die kann man mit einem normalen Editor öffnen. Am besten Notepad++ oder ConText. Aber nicht mit dem Windows-Editor, der verwurschtelt die Zeilenumbrüche und so.
StudentIn: Moment, jetzt habe ich den Faden verloren. Was ist denn ein Editor?
Kenner der Materie: Ein Programm zum Anschauen und Bearbeiten von Textdateien. Einfach Runterladen und Installieren.
StudentIn: Wie geht das? Einfach draufklicken?
[Erklärung, wie man Software aus dem Internet runterlädt und installiert.]
Kenner der Materie: Dann die Datei damit öffnen und mit txt-Endung speichern oder gleich im Explorer umbennen.
[Erklärung, wie im Windows Explorer, die Dateiendungen angezeigt werden können.]
StudentIn: Aber ich hab die Datei gar nicht, ich hab die mir nur auf der Seite anzeigen lassen.
Kenner der Materie: Ach du hast die gar nicht runtergeladen? Wo kommt denn die Word-Datei her?
StudentIn: Da habe ich den Text kopiert und eingefügt.
Kenner der Materie: Wie und wo? Zeig mir mal, was genau gemacht wurde. Hier genau die Schritte, die du auf der Internetseite gemacht hast.
StudentIn: Da und da klicken und dann wird das ja angezeigt und dann habe ich das kopiert.
Kenner der Materie: Was, für jede [der paar Tausend] Zeile[n] einzeln?
StudentIn: Ja.
Kenner der Materie: Aber da gibt es doch hier diesen Knopf zum Aufrufen der gesamten Liste und dann kann das als Datei gespeichert werden.
StudentIn: Und das war es schon?
Kenner der Materie: Ja!

  1. Den genauen Wortlaut findet man hier natürlich nicht abgedruckt, das ist alles aus dem Gedächtnis rekonstruiert. Die entscheidenden Passagen werden hier sinngemäß vorgestellt. []
  2. Die Daten sollten in ein Programm eingelesen werden, das Textdateien verlangt. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

3 Gedanken zu „Biologen und Computer: eine Geschichte voller Missverständnisse“

  1. Köstlich, köstlich. Dass würde ich mir sinngemäss auch noch merken aufgrund des Inhaltes. Gibts solche Gespräche in deinem Umfeld öfters?

  2. Das trifft aber nicht nur die Biologen.
    Ich kenne auch Fälle in denen Leute tagtäglich 30-60 Minuten Daten per Hand von einem System per Hand umtragen, welche sich eigentlich ganz bequem per SQL koppeln lassen.

  3. @Dandu
    Zum Glück (?) nicht, denn mit der Zeit lernt ja jeder die Basics 🙂

    @flash
    Wer tagtäglich auf diese Weise Zeit verschwendet, sollte sich schon überlegen, wie das schneller geht. Aber SQL gehört zu den Werkzeugen des Fortgeschrittenen Computernutzers, oder?

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