Bayerisch ist eine Fremdsprache

Knick im Ohr (Lauscher-Skulpur)Gestern abend habe ich mich nach langer Zeit mal wieder einem deutschen Film zugewandt. Deutsch? Nein, der war bayerisch![1]

Es handelte sich um Wer früher stirbt, ist länger tot[Amazon-Partner-Link]. Dazu gibt es schon eine kurze Zusammenfassung und treffende Beschreibung bei den Milchjunkies und deshalb verkneife ich mir das hier.

Es geht mir ja hauptsächlich um die Sprache in diesem Film: die Handlung spielt in einem kleinen bayerischen Dorf und die Schauspieler/innen sprechen alle in diesem Dialekt inkl. vieler (Fremd-)Wörter, die von Ausländern, d.h. den Einwohnern Deutschlands nicht verstanden werden. Vor allem nicht, weil sie im schnell gesprochenen und ebenfalls unverständlichen Rest untergehen. Wir mussten den Film mit Untertiteln schauen!

Man mag es kaum glauben (oder zugeben), aber ansonsten hätten wir praktisch nichts mitbekommen. Das ist offensichtlich auch den Verantwortlichen[2] aufgefallen und so hat man aus der Not eine Tugend gemacht und bietet die DVD auch in einer Sonderedition mit einem Sprachführer Bayrisch an.

Bildquelle: Pixelio

  1. Wo das e in bayerisch herkommt, liest man am Besten beim Zwiebelfisch nach. []
  2. Produzenten, Verleih, Vermarkter, … []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

9 Gedanken zu „Bayerisch ist eine Fremdsprache“

  1. ach komm.. ich hab den film ohne untertitel gesehen und das allermeiste verstanden. und ich bin gebürtiger hesse.

    na gut, zugegebenermaßen habe ich auch ein paar jahre in bayern gelebt, aber so schlimm ist der dialekt im film doch nicht wirklich?!

  2. Also, ich weiß ja nicht, was Ihr mit den Ohren bzw. den damit verknüpften Synapsen habt, aber ich stamme aus dem hochdeutschEST sprechenden Norden von Deutschland. Und ich habe den Film von vorne bis hinten ohne große Probleme verstanden. 😉 Und ich fand ihn sogar richtig gut. 😛

  3. echt so schlimm ? hab den film leider noch nicht gesehen, aber als franke wurden wir ja vom feindlichen ausland vor 200 jahren in einer kriegerischen handlung eingenommen und müssen seit der zeit mitten in bayern leben. der traum vom fränkischen bundesland wird wohl einer bleiben, daher schockt mich die sprache nicht.

  4. Ach der Film ging doch eigentlich noch, Grenzverkehr ist viel schlimmer gewesen. Aber eigentlich hat man da als Hochdeutscher trotzdem kein Problem da mitzukommen, die echten Bayern hier sind wesentlich schlimmer.

  5. @ela
    Muss ich mir merken 🙂

    @Steffino + Chikatze
    Vielleicht hätte man sich daran gewöhnt, aber da wir die ersten Sätze so gar nicht verstanden haben, wurden die Untertitel angeschaltet (wofür sind die denn sonst da?!?!)

    @crosa
    Erstmal: angucken! Dann: Ihr armen Franken! Aber es gibt ja mehrere Bundelsänder, wo „verfeindete“ Gruppierungen unter einem Dach zusammengefasst sind.

    @flash
    Ja, im echten Leben ist es immer viel schlimmer 🙂 Und es ist ja auch verständlich, dass bei einem Film, der in einem kleinen Dorf spielt, keiner Hochdeutsch spricht.
    Über Grenzverkehr hattest du auch geschrieben, oder? Klingt ganz interessant…

  6. Also, ich tu mich normalerweise auch echt schwer mit Dialekten und mag Bayerisch nicht so besonders. Aber zu dem Film passte es. 😉 Und ich denk mal, die Untertitel sind für Gehörlose gedacht. 😉

  7. In dem Film wurde sehr kultiviertes bayerisch gesprochen, um nicht zu sagen fast hochdeutsch 😉

    Ne, im ernst. Wir haben im bayerischen Dritten jetzt auch eine daily Soap bekommen, wo sehr abgeflachtes bayerisch gesprochen wird, um es auch den Nordbayern verständlich zu machen.

    Neulich habe ich mal in N3 reingezappt und da war grad eine Reportage auf plattdeutsch. 3 Minuten hab ich versucht zu folgen – null chance

  8. @Chikatze
    Es gibt noch eine extra Untertitelspur für Gehörlose! Da wird dann auch jeder Seufzer etc untertitelt.

    @StoiBär
    Dass in Filmen die Dialekte für die Allgemeinheit abgeschwächt werden, ist ja klar. Wenn ich höre, wie „schwäbisch“ gesprochen wird, dann fasse ich mir auch manchmal an den Kopf.
    Aber die Plattdeutsch-Sendungen beim NDR die sind extra dafür gedacht, dass man das nicht versteht, wenn man kein Plattdeutsch kann. Es gibt ja nur noch sehr wenige Leute, die das richtig können und sprechen. In Bayern (oder Schwaben oder Hessen oder Sachsen oder Köln oder…) ist das ja was ganz anderes.

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