Verwirrung um einen Parka (Blog-Parade Zollgeschichten)

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Falki startet eine Blog-Parade zum Thema Zollgeschichten und er möchte wissen, was man so in Sachen Zoll schon alles erlebt hat. Natürlich geht es in erster Linie um Erlebnisse mit Zöllnern und seine eigene Geschichte in Alaska ist ein lustiges Beispiel dafür. Meine Zollgeschichte dagegen handelt nicht vom Grenzübertritt einer Person (vorzugsweise mir), sondern von Waren, genauer gesagt handelte es sich um ein Päckchen, das mich vor gut zwei Jahren fast nicht erreicht hätte.

DVD-Box Northern Exposure Season 1Es handelte sich bei dem Päckchen um die abgebildete DVD-Box ersten Staffel der Serie Ausgerechnet Alaska/Northern Exposure, die als besonderen Gag eine Parkahülle hat und nur in den USA zu bekommen ist. Da ich großer Fan der Serie bin und die Box mit einigen tollen Extras daherkommt (und dazu noch der Parka), wurde die Box kurzerhand auf die Reise über den großen Teich geschickt. Das sollte eigentlich kein Problem darstellen, denn das hatte ich schon öfter gemacht. Zu beachten ist, dass man Steuern und Zollgebühren zahlen muss, das sind bzw. waren bei DVDs insgesamt 19,5% (16% MwSt. plus 3,5% Zoll), die normalerweise vom Postboten bzw. der Poststelle bei Auslieferung des Päckchen eingezogen werden. Normalerweise!

Irgendwie hat die ungewöhnliche Verpackung aber wohl Aufsehen erregt und deshalb ging die Auslieferung nicht den gewohnten Gang. Da ich nicht zu Hause war, wurde es dementsprechend nicht an die Hauptpost geliefert, wo ich es hätte abholen können, nein, es wurde zum Zollamt geschickt! Vor einigen Jahren wäre das kein Problem gewesen, denn da befand sich das Zollamt noch in Greifswald. Das änderte sich aber zum 01. Mai 2004 (Beitritt Polens zur EU), als die Zollämter Greifswald und Ahlbeck (Grenzübergang nach Polen auf der Insel Usedom) zusammengelegt und nach Wolgast verlegt wurden (Quelle: Stadt Wolgast). Das hat man sich wirklich schön ausgedacht!

Ich fand dann also einen hübschen grünen Zettel im Briefkasten, dass ich innerhalb eines Monats das Päckchen abzuholen habe. Da stellte sich die Frage, wie ich ohne Auto innerhalb der sehr kuriosen Öffnungszeiten[1] dahin kommen sollte. Zum Glück ergab sich aber bald eine Gelegenheit und wir sind dann zum Abenteuer aufgebrochen. Das Zollamt zu finden war nicht ganz einfach und da hätte ich alleine und mit einer Anreise per Zug keine Chance gehabt. Es war Freitag, der 1. Juli 2005[2] und obwohl wir noch während der Öffnungszeiten ankamen, schien das Gebäude menschenleer. Dazu muss man sagen, dass das Zollamt hinten im Gebäude der Sparkasse untergebracht ist und da war um diese Uhrzeit natürlich keiner mehr.

Schließlich haben wir aber dann doch jemanden aufgetrieben und ich präsentierte meinen grünen Zettel und die in weiser Voraussicht mitgebrachte Kreditkartenabrechnung. Wer jetzt erwartet, dass mir das Päckchen einfach so ausgehändigt wurde, der irrt gewaltig. Aber sowas von! Erst musste ich das Ding auspacken und zeigen, dass es sich tatsächlich um eine DVD handelt, dann musste die anscheinend komplizierte Software davon überzeugt werden, dass jetzt die Aushändigung stattfinden soll und abschließend noch die Herausforderung Gebührenberechnung bewältigt werden. Hier zeigt sich jetzt, warum ich das Datum so genau in Erinnerung habe. Die Zollgebühren werden nämlich nicht nach dem aktuellen Dollarkurs berechnet, sondern jeden Monat festgelegt! Und da sich vom Juni zum Juli bzw. von Ende Mai bis Ende Juni der Kurs sehr zu meinen Ungunsten verändert hatte, durfte ich sogar noch knapp einen Euro mehr bezahlen, als 24 Stunden vorher. Das muss man sich mal vorstellen! Nachdem ich dann noch einen Stapel Papiere unterschrieben hatte, war es dann endlich soweit und ich durfte den Parka samt Inhalt mein Eigen nennen.

Wie ich aus den Kommentaren der Zollbeamten herausgehört habe, hätte diese Prozedur auf dem Zollamt eigentlich nicht stattfinden sollen. Die Post soll und darf die Gebühren einziehen und rechnet das dann mit dem Zoll ab; die Kunden haben eigentlich nichts damit zu tun. Eigentlich!

Moral von der Geschicht: Bestelle niemals nicht Parka-DVDs aus Übersee! Besonders wenn das Zollamt nicht in greifbarer Nähe ist.

Nachtrag nach Beendigung der Blog-Parade: falki hat eine Zusammenfassung geschrieben, wo alle Teilnehmerbeiträge aufgelistet sind und ein sehr, sehr interessantes Bild, das neugierig macht. Schaut selbst.

  1. Die mittlerweile auf der Seite angegebenen Zeiten, galten damals noch nicht! []
  2. Ja, ich weiß das noch ganz genau – so einprägsam war das Erlebnis! []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

6 Gedanken zu „Verwirrung um einen Parka (Blog-Parade Zollgeschichten)“

  1. danke fürs mitmachen! eine tolle zollgeschichte!

    – ich werde also keine solchen dvds bestellen in die serie indes, muss ich glaub mal reinschauen – danke für den tipp! 😉

  2. Falki, mittlerweile gibt es die Serie ja auch in Deutschland (bzw. der Schweiz), wenn auch ohne die Extras. Und in den USA und Großbritannien eine Box mit allen sechs Staffeln. Ist natürlich nichts für Einsteiger 🙂

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