Buchempfehlung: Jan Weiler – In meinem kleinen Land

Jan Weiler - In meinem kleinen LandEine weitere Buchempfehlung, diesmal für ein Buch über das ich zufällig gestolpert bin und das sich als absoluter Glücksgriff entpuppte. Auch hier handelt es sich um ein Buch das erst in Blogform existierte (der Blog aber mittlerweile nicht mehr). Wusste ich aber vorher nicht. Gibt es da mittlerweile ein eigenes Genre für? Müsste man mal recherchieren…

Jedenfalls ist mir das Buch beim Stöbern in einer Buchhandlung aufgefallen, als ich Lesestoff für eine Bahnreise gesucht habe. Wie gesagt, es erwies sich als absoluter Glücksgriff und ich habe öfter laut aufgelacht[1].

Wollt Ihr jetzt noch wissen, worum es überhaupt geht? Ja, das wäre vielleicht noch wichtig zu erwähnen. Der Autor Jan Weiler ist dem Einen oder Anderen vielleicht ein Begriff durch das Buch Maria, ihm schmeckt’s nicht[Amazon-Partner-Link] (das ich aber (noch) nicht gelesen habe). Im vorliegenden Buch beschreibt er seine neunmonatige Leserreise durch ganz Deutschland. Dabei lernt man viel und es werden auch hier und da ernstere und nachdenkliche Töne angeschlagen, aber im Großen und Ganzen ist es wirklich sehr, sehr amüsant und witzig geschrieben. Sehr oft liest man einfach nur staunend und ist richtig neidisch auf die gekonnt gebastelten Satzkonstruktionen. Mein Lieblingsbeispiel stammt aus dem Kapitel Rostock. Im Auftrag der freien Marktwirtschaft und obwohl es etwas länglich erscheinen mag, empfehle ich das vollständige Durchlesen, denn ein Lachanfahl (oder zumindest ein Mundwinkelzucken) ist garantiert:

Ich zerstreue mich mit meinem neuen iPod, den ich extra für diese Reise mit ihren monatelangen Zugfahrten angeschafft habe.
Der Gesamteindruck dieses fraglos wunderbaren Gerätes wird durch die mitgelieferten Ohrhörer getrübt. Die taugen nichts und schmerzen, denn meine Ohren sind nicht dafür geschaffen, dass man etwas in sie hineinsteckt. Die Löcher sind zu klein, kein Fremdkörper hält da drin, und die Windungen meiner Ohrmuscheln lassen so etwas wie Tragekomfort ebenfalls kaum zu.
DIe iPod-Hörer taten also erst weh und fielen dann heraus, und ich beschloss, dass ich die weißen, statussymbolhaften Ohrstöpsel des iPod durch etwas Uncooles ersetzen musste.
Deshalb hatte ich noch in Krefeld einen Media Markt betreten, um andere Kopfhörer zu kaufen. Der Bursche in der Kopfhörer-Abteilung riet mir zu einem paar Stöpseln, die man wie Knetgummi in Form drücken müsse, um sie dann ins Ohr zu stopfen, wo sie sich von selber wieder aufplustern würden, um dann einen sagenhaften Bass-Sound zu erzeugen. Er selbst habe auch so welche, sagte er. Das ist normalerweise ein gutes Kriterium dafür, etwas nicht zu kaufen. Ich tat es trotzdem und probierte die Dinger gleich aus.
Ich pfriemelte die Teile in die Ohren und betrachtete mich im Außenspiegel eines Autos. Ich sah wie die beiden Stöpsel ganz langsam links und rechts aus den Ohren wuchsen, es sah aus, als würden meinen Ohren kleine Sektkorken entweichen. Dann machte es «plopp» (rechts) und dann «plopp» (links), und ich nahm den Mist und ging wieder in den Media Markt, um ihn umzutauschen.

Na, zuviel versprochen? Leider flaut es nach gut der Hälfte etwas ab mit den witzigen Stellen, aber gegen Ende wird die Lauf-Auflach-Frequenz wieder auf mehr als einmal pro Seite angehoben.

Man kann die einzelnen Stationen der Reise übrigens auf der vierseitigen Karte am Anfang des Buches mitverfolgen. In diesem Zuammenhang fiel mir auf, dass der (Nord)Osten sehr, sehr spärlich bedacht wurde (Mecklenburg-Vorpommern: 1, Brandenburg: 0, Berlin: 1, Sachsen-Anhalt: 1). Ob das nun daran liegt, dass dort (hier) niemand Interesse an Büchern hat und keiner den jungen Mann gebucht hat oder ob es keine günstigen Zug- bzw. Flugverbindungen gab oder ob der Verlag/der Autor keine Termine buchen wollte, kann ich nicht beurteilen. Ich finde es jedoch sehr schade und auch die aktuelle Lesereise scheint in dieser Hinsicht etwas dünn besetzt. Wo wir gerade bei diesem Thema sind: beim Stern schreibt Jan Weiler Kolumnen und es sind mittlerweile 24 erschienen. Da kann man sich also ganz hervorragend einen Überblick von seinem Schreibstil verschaffen.

Zum Abschluss noch (Amazon-Partner-)Links zum Taschenbuch und zum AudioHörbuch (gebunden gibt es das wohl nicht). Viel Spaß beim Lesen!

  1. Zu berichten sei an dieser Stelle, dass im Zug das Vorbeugen des Oberkörpers in Personalunion mit krampfhaft verzerrtem Gesicht und Tränen in den Augen allerdings eher ungläubige Blicke auf sich zieht, anstatt Fragen nach der anscheinend lustigen Lektüre. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker