Wo kommst du her? (Blog-Parade: Was ist Heimat?)

Heute letzte Gelegenheit zur Teilnahme an der Blog-Parade Was ist Heimat? und ich habe mich durchgerungen, auch endlich einen Beitrag zu verfassen. Warum soll es mir so schwer gefallen sein? Nun, Heimat ist ein schwieriger Begriff und ein Grund für die Parade, wie Yoda schreibt:

Mit dieser kleinen Parade möchte ich andere Wahrnehmungen vom Begriff Heimat sammeln, gegenüberstellen, vergleichen und dabei eines tun, was ich seit geraumer Zeit im Zusammenhang mit jenem Begriff tue: Lernen. Es soll sich im besten Falle also eine Bündelung von Wahrnehmungen zum Begriff Heimat ergeben, der es allen Teilnehmern und selbstverständlich auch den Lesern erlaubt, mehr von Heimat zu erfahren, tiefer zu blicken und eben zu lernen.

Was ist für mich Heimat? Nun, ganz Deutschland möchte ich da nicht einschließen. Das liegt sicherlich einerseits an der Sonderstellung Deutschland wegen der Nazizeit. Ja, das mag überholt sein und engstirnig, ein Land mit jahrtausende alter Geschichte auf zwölf Jahre zu reduzieren. Aber wer aktuell die Nachrichten verfolgt (Kardinal Meisner, Eva Herman), der weiß, dass dies immer noch in den Köpfen steckt und einen nicht unerheblichen Teil unserer Identität ausmacht. Andererseits ist Deutschland aber auch kein homogenes Land, sondern besteht aus vielen Regionen, die sich sehr stark unterscheiden und auch die Menschen sind sehr verschieden.

Deshalb ist Heimat für mich eher die Stadt bzw. Region, in der man lebt. Die Antwort auf die Frage “Wo kommst du her?” Und damit sind wir bei meinem persönlichen Problem. Ich bin sehr oft umgezogen und habe in den verschiedensten Regionen gelebt. Ich habe mich jeweils angepasst, enge Bindungen aufgebaut, aber nach dem Wegzug das Meiste schnell wieder vergessen.

Bis zum Abitur habe ich die längste Zeit (von der vierten bis zur zehnten Klasse) in Schwaben gewohnt und da ich dort einen Großteil meiner Teenagerjahre verbracht habe, kann man sagen, dass ich dort aufgewachsen bin. Ich habe sogar teilweise schwäbisch gesprochen, d.h. den Status den Neigschmeckten abgelegt. Nach dem Wegzug an die Mosel habe ich der alten “Heimat” noch lange nachgetrauert, ich habe jeden Tag mehrere Briefe an meine ehemaligen Schulkameraden geschrieben (ja, echte Briefe auf Papier, mit dem Füller!). Das ließ allerdings nach einigen Monaten nach und heute, nach über zehn Jahren betrachte ich Schwaben garantiert nicht mehr als meine Heimat. Ich war auch seit Ewigkeiten nicht mehr da.

Trier dagegen war zumindest am Anfang keine Heimat für mich. Ich wollte da nicht hin und ich bin auch nach dem Abitur ans andere Ende der Republik gezogen. Da aber meine Eltern dort immer noch wohnen, habe ich während des Studiums trotzdem jedes Jahr mehrere Wochen dort verbracht. Allerdings fuhr ich dann nicht “nach Hause”, sondern “zu meinen Eltern”. Wenn Kommilitonen mich gefragt haben, ob ich in den Ferien nach Hause fahre, habe ich geantwortet “Wieso denn, ich fahre doch jeden Tag nach Hause?!?”.

CD Friedrich: Schiffe im Hafen von GreifswaldDieses Zuhause ist mittlerweile Greifswald, wo ich (mit einem Jahr Unterbrechung) seit genau acht Jahren wohne. Das ist somit die längste Zeit, die ich an ein und demselben Ort gewohnt habe. Ist Greifswald meine Heimat? Ich denke mittlerweile ja. Während des Studiums nicht, denn das war für mich nur eine Übergangsstation; meine erste eigene, richtige Wohnung nach dem Studium würde meine neue Heimat werden. Nun, ich bin in Greifswald geblieben. Das war eine bewusste Entscheidung, die neben den beruflichen Aussichten auch mit Bequemlichkeit zu tun hat. Hier kenne ich mich aus und hier fühle ich mich wohl. Allerdings habe ich nicht vor, für immer hier zu bleiben. Wenn ich meine Promotion abgeschlossen habe, möchte ich auf jeden Fall woanders hin, vielleicht sogar nochmal ins Ausland. Deshalb zögere ich noch immer, Greifswald als meine Heimat zu bezeichnen.

Bisher ging es hier um Städte, in denen ich gewohnt habe und die ich als Kandidaten für meine Heimat in Betracht gezogen habe. Nun, da gibt es noch das Dorf, aus dem meine Eltern (und fast meine gesamte Familie) kommen und wo auch ich ein Jahr lang gewohnt habe (kann mich verständlicherweise nicht mehr daran erinnern). Für meine Eltern ist das die Heimat, auch wenn sie seit über zehn Jahren in Trier wohnen, denn da sind sie aufgewachsen und die halbe Familie wohnt da. Auch ich betrachte das ein Stück weit als Heimat, die Bindung ist eher mit den Menschen als mit der Region, aber sie ist da.

Deshalb antworte ich auf die Frage “Wo kommst du her?” immer mit “Das ist kompliziert….” Aber nach dem Verfassen dieses Beitrags bin ich mir zumindest ein bisschen mehr im Klaren darüber, dass meine Heimat am ehesten Greifswald ist.

Bildquelle: Wikimedia Commons

Nachtrag nach Beendigung der Parade: Yoda/Roman hat einen wunderbaren Schlussbericht verfasst, in dem er zusammenfasst, was er durch die Parade gelernt hat und alle dreißig Beiträge vorgestellt werden. Und er hat noch eine E-Mail an alle Teilnehmer geschrieben, in der er sich nochmals bedankt für die interessanten Beiträge. Bei solchen Paraden macht man doch gerne mit. Auch ich finde, es hat meinen Horizont erweitert und es zeigt, dass es hier zwar auch um Links geht, dies aber durch das Thema in den Hintergrund rückt. Immerhin haben alle Teilnehmer (und Roman mit seinen Zusammenfassungen) Zeit und Gedanken investiert.

Nachtrag nach der Nachzügler-Runde: Da dies eine wirklich sehr schöne Aktion war, Roman sich so viel Mühe mit der Auswertung gemacht hat und die Liste der Teilnehmerbeiträge als Textdokument zur Verfügung gestellt hat, möchte ich die hier noch einfügen:

Zusatzrunde

  • Querdenker – Was ist Heimat? Betrachtungen…
  • Zeitsturz – Blogparade: Was ist Heimat?
  • ge-bloggt.de – Heimat…die Nachzügler Runde

Über juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

18 Gedanken zu „Wo kommst du her? (Blog-Parade: Was ist Heimat?)

  1. Schade ich habe es zu spät gesehen aber vielleicht mach ich einfach mal so noch einen Beitrag dazu weil es ein Thema nach meinem Geschmack is

  2. Ja, ist ein gutes Thema. Und der Querdenker hat auch einfach so einen Beitrag verfasst. Bin schon gespannt auf deinen, Ela :-)

    Oh, gerade seh ich, dass die Parade um eine Woche verlängert wurde! Ela, deine Chance!

  3. Hallo!
    Hallo!
    Geaues weis niemand wo die Heimat ist, jeder sieht sie anders.
    Der Heimatort ist für uns etwas selbstverständliches, man wächst sozusagen in das Aussehen und in die Unzulänglichkeiten des Heimatortes hinein. Das größte Geschenk von einem Heimatort ist, sich in ihm geborgen, verstanden und geliebt zu fühlen. Wenn man den Heimatort verlässt oder wechseln muss, dann kommt man manches mal zu einem Lokalaugenschein zurück und gibt gute Ratschläge oder bedauert das Ereignis, um dann wieder abzureisen. Jeder sehnt sich nach einem Ort wo er daheim sein kann. Vielleicht sollte man sich Heimat nicht kaufen, nur leihen, dann kann man sie nicht verlieren. Heimat kann auch eine Sitzbank sein, wie für mich eine Holzbank in der Oberschütt neben der Kirche. Im Rücken die Dobratschabbrüche und vor mir der Mittagskogel. Diese Bank kann ich nicht besitzen, in der nächsten Stunde werden sich wieder andere darauf ausruhen, und doch ist dies für mich einer der schönsten Heimatorte.
    Gruss schlagloch.

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