Buchempfehlung: Frank Schätzing – Nachrichten aus einem unbekannten Universum

Zur Abwechslung mal eine Buchempfehlung, diesmal das populärwissenschaftliche Pendant zu Der Schwarm*. Der Autor Frank Schätzing (Oh, der ist ein paar Tage jünger als mein Vater…) hat bei den Recherchen zu seinem Öko-Thriller so viel Material angesammelt, das er nicht ungenutzt lassen wollte. Herausgekommen ist Nachrichten aus einem unbekannten Universum. Eine Zeitreise durch die Meere*. Schon das Titelbild erinnert an den Roman (nur der Hintergrund ist weiß statt schwarz).

Kurz gesagt, sollte das Buch jedem gefallen, der Interesse an populärwissenschaftlichen Büchern hat (wie ich). Besonders wenn man Der Schwarm schon gelesen hat. Oder gerade wenn nicht. Wer sich prinzipiell für Evolution und das Leben im Meer interessiert, der dürfte auch auf seine Kosten kommen. Und wer gerne salopp geschriebene und verständlich formulierte Wissenschaftsbücher mag, der wird das Buch lieben. Also eigentlich jeder!

Werden wir ein bisschen konkreter. Worum geht es überhaupt? Eine sehr treffende Beschreibung findet sich im vorne im Buch:

Mensch und Meer. Eine merkwürdige Beziehung, geprägt von Hass, Unkenntnis, Romantisierung, Neugier und Ignoranz. Wie funktioniert dieses gewaltige System, dem wir entstammen und über das wir weniger wissen als über den Outer Space? Wie konnte im Urozean Leben entstehen, woher kam überhaupt das ganze Wasser? Warum ist die Evolution ausgerechnet diesen Weg gegangen und keine alternativen? Denn ebenso gut hätte sie uns in intelligente, flüssigkeitsgefüllte Luftmatratzen verwandeln können. Einmal hat sie es jedenfalls versucht – und beinahe geschafft.
Mit Sachverstand und Ironie spannt Schätzing den Bogen vom Urozean bis in die kommenden 100.000 Jahre, nimmt uns mit in das unbekannte Universum unter Wasser, versetzt uns in Erstaunen, Entzücken und Entsetzen. Danach sieht man die Ozeane mit anderen Augen.

Das Buch ist also eine Zeitreise durch die Evolution und ist deshalb eingeteilt in Gestern, Heute und Morgen (Vorgestern und Übermorgen finden auch jeweils eine kurze Erwähnung). Sachverstand und Ironie machen dieses Buch aus, es gibt viele umgangssprachliche Formulierungen und Bezüge zu aktuellen Geschehnissen und Personen. Doch davon sind nur soviel eingestreut, dass es als Auflockerung dient und nicht, um das Thema zu verniedlichen. Meiner Meinung nach genau die richtige Mischung, damit man das Buch so durchlesen kann und nicht das Gefühl hat, ein Lehrbuch vor sich zu haben. Als Appetitanreger gibt es hier eine Kostprobe aus dem Kapitel Eine Zelle macht Karriere

Bringt man zwei Kaninchen auf einen fremden, bis dahin kaninchenfreien Planeten, kann es passieren, dass man sehr schnell sehr viele Kaninchen hat, die ihrerseits Kaninchen fabrizieren. Australiern klingen da die Ohren. Kaninchensex ist ein immens flotter Vorgang. Es heißt, wenn ein männliches Kaninchen eine Kaninchenjungfrau besteigt, flüstert es der Liebsten zu: „Keine Angst, tut nicht weh, na, tat’s weh?“ So schnell geht das. Fortpflanzung wird mit äußerster Effizienz betrieben, das kurze Vergnügen steht in lausigem Verhältnis zur Zahl der Nachkommen. Kaninchen halten sich nicht mit Petting auf, sie treiben es nicht länger als erforderlich und pfeifen auf die Zigarette danach. Viel muss rauskommen, denn das Kaninchen als solches stirbt ungern aus, steht auf dem Speiseplan diverser Räuber. Seine Strategie ist darum, sich durch Masse zu behaupten. So haben sich die Nager einen stabilen Platz in der Evolution errammelt, ohne je einen Gedanken an Spiralen, Pillen und Kondome zu verschwenden.
Fortpflanzung ist offensichtlich nicht zum Spaß da. Man könnte Miss Evolution also der Prüderei bezichtigen, aber sie hat sich was dabei gedacht. Wir wären heute nicht so weit, wenn junge Einzeller bei Einzellervätern um die Hand des Tochterklons anhalten müssten. Die ersten stoffwechselnden Lebewesen auf unserem Planeten hatten daher nicht mal Sex. Viel zu kompliziert, allein das Vorgewurschtel: Kann heute nicht, du bist nicht mein Typ, ich hab Migräne, in zehn Minuten kommen die Gäste, doch nicht hier, Schatz … wie, bitte schön, soll man sich da vermehren im wilden Ozean?

Ein wenig mehr zum Buch und zum Autor gibt es in einem Amazon-Interview. So, nun flott die Buchhandlungen gestürmt und viel Spaß mit dem Buch! Bzw. Hörbuch

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Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

6 Gedanken zu „Buchempfehlung: Frank Schätzing – Nachrichten aus einem unbekannten Universum“

  1. Ich habe der schwarm mit begeisterung gelesen, wenn mein aktuelles buch fertig ist, könnte das mein nächstes werden. besten dank für den ausführlichen bericht

  2. ich les das Buch immer im Osiander, weil ich zu wenig Geld hab, langsam aber sicher arbeite ich mich vor… 😀

  3. Pas, das ist eine sehr gute Idee! Das habe ich mit Der Schwarm so ähnlich gemacht :mrgreen: Das hatte ich nämlich ausgeliehen, habe es aber vorm Urlaub nicht mehr geschafft auszulesen und da es mir zu schwer zum Mitnehmen war (für die restlichen paar Seiten), habe ich es in einer Buchhandlung fertig gelesen =)

  4. Ich muss sagen
    das buch is der hammer
    ich habe den schwarm leider (noch) nicht gelesen
    was ich auch empfehlen kann ist die dokumentation
    2057, da macht er im dritten part auch mit
    einfach hammer^^

    liebe grüße
    Danny

    PS: kennt einer von euch seine e-mail addresse?

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