Erkenntnisse einer Konferenz am Templiner See

Die letzten drei Tage war ich auf einer Konferenz. Die fand in Potsdam statt. Am Templiner See. Also in einem Hotel, das am Templiner See liegt. War wahnsinnig interessant auf mehreren Ebenen. Erst einmal inhaltlich, dann hotelfachlich und darüber hinaus gab es noch weitere Aspekte zu entdecken. Daran, liebe Leser möchte ich Euch gerne teilhaben lassen. Zur besseren Unterhaltung habe ich auch ein paar Fotos mitgebracht. Die sind allerdings mit dem Handy gemacht, denn meine Kamera wollte ich nicht mitnehmen.

Erkenntnisse (mit Fotos)

Am Abend vor der Konferenz hatte ich mich ja zu einer Proberunde Mobilblogging hinreißen lassen und wollte noch ein Foto davon nachreichen.

Zur Konferenz selber kann ich sagen, dass sich einiges wiederholt hat, was mir vor einige Monaten schon auffiel. Namentlich war das der angereiste Politiker (leider nicht die versprochene Ministerin), der als Einziger auf deutsch sprach und als Einziger überzogen hat (bei einer dreitägigen Konferenz mit Dutzenden von Vorträgen).

Nun aber zu den Ereignissen außerhalb der Konferenz. Da wir da so inmitten der Natur am Templiner See untergebracht waren, bot sich ja ein Spaziergang geradezu an. Dabei fiel mir auf, dass Nordic Walking in Brandenburg wahnsinnig beliebt sein muss. Es gab mindestens dreimal so viele Sportbegeisterte mit Stöcken als sich normal Fortbewegende (Jogger und Radfahrer). Außerdem treten die immer in Rudeln auf. Ist ja verständlich, denn das einsame durch die Gegend staksen mit Skistöcken im herbstlichen Wald hat schon einen Hauch von Lächerlichkeit. Ein Grund für die Beliebtheit dieser Art der Ertüchtigung könnte darin liegen, dass man sich (als Frau hauptsächlich) sehr einfach gegen allerlei böse Gestalten wehren kann, die da (angeblich) so im Wald umher krauchen.

Das soll es jedoch der sportlichen Aktivitäten nicht gewesen sein. Man stolpert da ja auch über viele Gebäude der Ruderer (Vereinsheime, Fitnessräume, Umkleidekabinen, Geräteschuppen, etc). Ist da nicht irgendwo ein Olympia-Stützpunkt? Jedenfalls was machen Ruderer mit ihrem nicht benötigten Schuhwerk während sie in ihrem Element sind? Hier gibt es Erleuchtung.

Deutsche Bahn AG Geschäftsbereich NetzEine ungewöhnliche und unerklärliche Sichtung mitten im Wald dokumentiert das Foto rechts (Klick für Vergrößerung). Den Firmensitz eines Unternehmens mit 100 Mio Euro Gewinn im letzten Jahr (laut Wikipedia) hätte ich mir schon prunkvoller als ein paar halb verfallene Hütten mitten im Wald vorgestellt! Am Ende handelt es sich gar nur um eine Briefkastenfirma?!?

Kein SonnenuntergangDas nächste Bild ist ein Wiederholungstäter. Schon einmal berichtete ich über einen tollen, geradezu spektakulären Sonnenuntergang, der ohne mich stattfand. Wie man auf dem Bild links (Klick für Vergrößerung) sehen kann, sieht man praktisch nichts. Aber nur wenige Sekunden (ja, Sekunden!) vorher war der Himmel noch knallrot. Und wenige Minuten davor (und hinter den Bäumen) gab es (wahrscheinlich) einen wahnsinnig tollen Sonnenuntergang. Aber am Westufer eines Sees und mitten im Wald hat man da nicht wirklich einen guten Blick drauf!

Das Hotel: viel Schatten rund um einen Lichtblick

Vorweg sei gesagt, dass das dortige Frühstücksbuffet absolut erstklassig ist. Die haben praktisch alles angeboten, was man morgens an Essbarem zu sich nehmen kann. Und mehr als genug von allem. Wir haben da jeden Morgen fast eine Stunde zugebracht und sind dann zu den Vorträgen gerollt. Dass man aber auch immer alles probieren muss, wenn es schon angeboten wird!

Das war es aber auch schon mit den positiven Seiten. Ok, es gibt eine Sauna, Kraftraum, Squash-Platz und Billardtische, aber das haben wir aus Zeitgründen nicht nutzen können (nur einmal Billard mitten in der Nacht, wo ich einmal unverschuldet gewann und einmal kläglich verlor).

Ein ganz fettes Minus ist das Personal, das praktisch durchgängig unfreundlich und unorganisiert war. Doppelbuchungen sollten nicht vorkommen (an der Rezeption überhört mitbekommen) und angefragte Zweitkissen sollten ein lösbares logistisches Problem darstellen. Spinnen in der Dusche hat man zwar nicht so gerne, aber das lasse ich mal durchgehen. Doch wenn man sich nachmittags kurz im Zimmer aufhält, will man nicht dauernd gefragt werden „Hatten Sie schon Service?“ Wenn ich früh das Zimmer verlasse, war der „Service“ schon lange erledigt. Ist es zuviel verlangt, dass darüber irgendwo Buch geführt wird? Einmal kurz in einer Liste abhaken und das Zimmermädchen der nächsten Schicht weiß Bescheid, welche Zimmer noch zu „servicen“ sind! Klingt nicht so kompliziert.

Eine tragische Anekdote fand beim Mittagsbuffet statt. Ein indischer Teilnehmer erkundigte sich, ob ein Gericht vegetarisch sei. Dass direkt daneben ein recht gut sichtbares Schild mit ebendieser Information stand, lassen wir hier mal unerwähnt. Jedenfalls antwortete das abgestellte Mädel säuerlich „It stands on the shield!“

Moby Dick und die Hyp*vereinsbank

Wahnsinnsüberschrift! Doch nach den folgenden Absätzen sollte diese durchaus plausibel klingen. Besagte Begriffe tauchten nämlich beim Conference Dinner auf bzw. auf der Hin- und Rückfahrt zu und vom Ort des Geschehens.

An diesem Ort fand schon die Potsdamer Konferenz statt, wir speisten also in geschichtsträchtiger Umgebung. Doch bis dahin sind wir erst einmal zwei Stunden per Schiff durch die Havelseenlandschaft getuckert. Gestartet sind wir im Templiner See, dann durch den Tiefen See, unter der Glienicker Brück durch (es fand kein Austausch statt!) und weiter auf der Havel, vorbei an der Pfaueninsel bis fast in den Wannsee, dann gedreht und zurück, den Jungfernsee gestreift und schließlich im Heiligen See wieder an Land (Karte).

Auf der Fahrt ist mir aufgefallen, dass die Veranstalter der Bootstouren von Schiffahrt reden, die Ordnungshüter dagegen ihre Boote mit Schifffahrtpolizei beschriften.

Jedenfalls waren wir recht gemütlich unterwegs und wurden (zweimal!) von einem karierten Wal überholt, der sinnigerweise Moby Dick getauft war. Fotobeweis!

Als wir ankamen regnete es ziemlich heftig und die paar hundert Meter bis zum Cecilienhof waren genug (auf dem „Fahrradschiebeweg“), um uns völlig zu durchnässen. Natürlich wurde der Regen im Laufe des Abends immer stärker und das Stück Fußweg bis zum Bus, der uns zurück zum Hotel bringen sollte, reichte für eine Durchnässung bis auf die Haut. Aaaaaber so einfach war das Ganze nicht! Es sollte zwei Busse (im Abstand von 30 Minuten) geben, damit die gesamte Konferenzschaft wieder wohlbehalten am Hotel abgesetzt werden konnte. Der Bus sollte 300 Meter rechts zu finden sein. Im Dunkeln kann man sich in so einem Park mit vielen Weggabelungen leicht verlaufen. Sehr leicht! Und der sinnflutartige Regen machte das Zurechtfinden nicht einfacher. Diejenigen, die zum ersten Bus aufgebrochen waren, kehrten irgendwann völlig durchnässt und frustriert zurück und erzählten lauter Schauergeschichten.

Doch das kann den gemeinen Greifswalder natürlich nicht schocken und wir kämpften uns zu dritt durch den Regen und den Park. Wir bogen mal hier, mal dort ab und da war dann auch irgendwann ein Bus. Wir stürmten hinein und wurden begrüßt mit „Sie sind im falschen Bus!“ Ja, da waren wir im Bus der Hyp*vereinsbank gelandet, die wohl einen Betriebsausflug oder sowas gemacht hatten.

Also weiter gesucht. Dann stießen wir auf eine Menschenmenge. Bis auf zwei waren die alle von der Bank und suchten verzweifelt ihren Bus. Zum Glück konnten wir ihnen den richtigen Weg weisen. Die zwei, die übrig blieben, waren die Organisatoren unserer Konferenz und sie standen an der Stelle, wo der Bus jede Minute auftauchen sollte. Als es dann soweit war, wurden die restlichen Teilnehmer per Handy verständigt und dann tauchten nach kurzer Zeit ganz viele Menschen auf, die dann mit dem Spruch „Sind Sie auch von der Hyp*vereinsbank?“ sehr viel Spaß verbreitet haben.

Nach zwanzig Minuten in einem überfüllten Bus war die Geschichte dann glücklich überstanden und eine Horde völlig durchnässter Gestalten flüchtete sich auf dei Zimmer. Der Regen erwies sich übrigens als sehr hartnäckig, meine Hose war auch am nächsten Morgen noch nicht trocken!

Erstaunlicherweise scheine ich unbeschadet davon gekommen zu sein, denn auch nach knapp 48 Stunden bin ich noch kerngesund (*aufholzklopf*).

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker