Songtext interpretieren ja, aber welchen Song?

Die Blog-Parade Songtext interpretieren hat sofort mein Interesse geweckt, da ich den Text eines Songs für mindestens genauso wichtig wie „den Rest“ halte. Ein ansprechender Text wertet einen Song auf und manch ein Lied würde mir eigentlich nicht gefallen, wenn der Text es nicht wettmachen würde.

Allerdings hat mich das Stichwort „Interpretation“ ein wenig abgeschreckt, das klingt so sehr nach Schule. Aber das ist bei mir nun acht Jahre vorbei und mittlerweile habe ich genug Abstand gewonnen (allerdings auch das Meiste vergessen) und diese Abneigung sollte einer solch tollen Idee für eine Blog-Parade nicht im Weg stehen.

Das nächste Problem war, welchen Song ich interpretieren würde. Mein erster Gedanke galt In the Ghetto, doch obwohl ich mit dem Song selber sehr viel verbinde, gilt dies nicht für den Text und der ist auch so eindeutig, da gibt es nicht viel hineinzuinterpretieren. Sehr viel mehr Stoff hätte Dear Mr. President geboten. Dieser Song wurde bei den Milchjunkies ausführlich diskutiert[1] und es besteht offensichtlich Erklärungsbedarf aufgrund von Wortspielen und geschichtlichen Referenzen. Ein paar Erklärungsversuche gibt es in den Kommentaren zu diesem Beitrag. Mittlerweile gibt es wohl genug Material, damit jeder eine eigene Interpretation anstellen kann und außerdem verbinde ich nichts Persönliches mit dem Song, so habe ich auch diese Idee wieder fallen lassen.

Als nächstes fiel mir Locomotive Breath ein, der ein wirklich typischer Song für eine Interpretation ist, so richtig mit versteckten Hinweisen und zu Spekulationen einladend. Doch das Wichtigste, was es über den Song zu wissen gibt, habe ich vor ca. zehn Jahren (in meinen Internet-Anfangstagen) schon an anderer Stelle gefunden. Und das einfach nur nachzuplappern bzw. zu übersetzen, wäre ja langweilig.

Damit hatte sich das Thema für mich eigentlich schon erledigt. Starker Kopfschmerzen zwangen mich dazu, einfach nichts zu tun und Radio zu hören. Dort kam ein Song, der mich immer wieder in Gute Laune versetzt und allen Schmerz vergessen lässt. Und ich dachte, das ist genau der richtige Song für diese Gelegenheit:

Billy Joel – An Innocent Man

Der Song ist auf dem gleichnamigen Album von 1983 enthalten und wurde auch als Single veröffentlicht. Den Text gibt es auf der offiziellen Seite von Billy Joel (kein direkter Link möglich, da flash-basiert).

Der Song beginnt relativ ruhig und in den ersten zwei Versen (heißt aus so bei Songs?) ist von Leuten die Rede, die wenig Selbstvertrauen und Risikobereitschaft an den Tag legen. Die Beschreibung erweckt dabei den Eindruck, dass man dadurch leider auch eine Menge verpasst.

Danach geht es über zum persönlichen Teil, jemand wird direkt angesprochen und es wird klar, dass der Sänger mit dem/derjenigen am Anfang einer Beziehung steht. Bzw. eine Beziehung beginnen möchte, aber der/die Angesprochene sich nicht darauf einlassen möchte, aus Angst erneut verletzt zu werden.

Der Sänger jedoch bietet an, dass er durchaus einen Teil des negativ Erlebten wieder gut machen kann. Und zwar weil er selber ein Unschuldiger ist (An Innocent Man) und er nicht unter Generalverdacht stehen möchte, nur weil er eine Beziehung eingehen will. Dabei gibt er zu, dass dies natürlich schief gehen kann, aber solange man es erst gar nicht versucht, kann man das nicht mit Sicherheit sagen.

Dieses Schema wird noch zweimal wiederholt und jedes Mal wird wieder betont, dass man es einfach versuchen soll, denn es könnte doch genauso gut gehen. Die positive Stimmung des Textes wird durch die energetische Melodie und den Gesang zur Geltung gebracht.

Ganz sicher bin ich mir bei dieser Interpretation nicht, aber für mich verbreitet der Song auf jeden Fall eine große Portion Optimismus und ist ein Garant für gute Laune, besonders wenn es mir mal nicht so gut geht. Wer kann bei solchen Worten widerstehen:

Some people say they will never believe
Another promise they hear in the dark
Because they only remember too well
They heard somebody tell them before
Some people sleep all alone every night
Instead of taking a lover to bed
Some people find that’s it’s easier to hate
Than to wait anymore

Mit diesen Worten schließe ich und empfehle dieses Video von An Innocent Man live in Tokyo, 2006:

Nachtrag zur Auswertung

Mittlerweile ist die Parade beendet und es gibt eine Auswertung bei Heuni mit der Liste der interpretierten Lieder und einer Zusammenfassung jeder Interpretation. Es haben nicht so viele mitgemacht, deshalb hier eine Auflistung:

  • Wu-Lan-Tong: Träume sind stärker von den Schürzenjägern
  • Liliana: Entering Eternity von Falconer
  • Cali: Eine Schönheit ist sie nicht von Klaus Hoffmann
  • Heuni: Rain King von den Counting Crows

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Now playing: Billy Joel – An Innocent Man
via FoxyTunes

  1. Interessant an dieser Stelle ist, dass flash den Song schon vor knapp einem Jahr vorgestellt hat, ich dann im April erwähnte, dass er als Single veröffentlicht wird und erst Ende Juni die Diskussion richtig losging und mittlerweile 127 Kommentare provoziert hat. Eine Klarstellung zur Lage gibt es bei USA erklärt. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

3 Gedanken zu „Songtext interpretieren ja, aber welchen Song?“

  1. Also ehrlich gesagt ist für mich die Musik wichtiger als der Text. Sänger werten für mich ein Musikstück, das sowieso schon gut sein muss, auf. Ohne entsprechender MUSIK ist der Text oft nichts wert. Selbstredend gibt es da natürlich auch ausnahmen…schon vorallem wenn wir die unterschiedlichsten Musikstile betrachten……da könnte man grad einen eigenen Post darüber schreiben 🙂

  2. Na dann mal ran an den Speck bzw. den Beitrag 🙂

    Ganz klar müssen beide Elemente eines Songs einigermaßen stimmen. Aber für mich erlangen bestimmte Songs nur deshalb eine solche Bedeutung (für mich), wenn mich der Text anspricht oder ich etwas Persönliches damit verbinden kann. Ansonsten ist es einfach nur ein guter Song.

    Das erinnert mich an den Film Music & Lyrics (der den schwachsinnigen dt. Titel Mitten ins Herz erhielt), wo es um dieses Thema ging. Sinngemäß hieß es dort: „Die Melodie ist wie wenn man einen Menschen zum 1. Mal trifft, während der Text wie das nähere Kennenlernen und Verlieben ist.“ Finde ich ganz passend 🙂

    Vielleicht finde ich aus diesem Grund auch hauptsächlich Künstler gut, die ihre eigenen Songs schreiben (hüftschwingende Ausnahmen bestätigen die Regel 😉 )

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