MusicIP Mixer als Musikverwaltungsprogramm? (Teil 1: Analyse der Musiksammlung)

Wer eine große digitale Musiksammlung (über 10.000 Titel) sein Eigen nennt, verliert leicht den Überblick. Das Ablegen in einer bestimmten Ordnerstruktur (wie sie die meisten CD-Ripper anbieten) reicht bei dieser Größenordnung nicht mehr aus. Da muss ein Musikverwaltungsprogramm her.

Bei Wikipedia gibt es einen Überblick über Audio- und Videoabspielsoftware, von denen einige auch mehr oder weniger gut zur Verwaltung geeignet sind. Ich habe im Laufe der Jahre viele verschiedene ausprobiert. Die Verwaltung einer richtig großen Musiksammlung habe ich mehr oder weniger ausführlich mit folgenden Programmen getestet:

  • Mit iTunes habe ich angefangen, (fast) meine komplette CD-Sammlung ins mp3-Format umzuwandeln. Anfangs war ich schwer begeistert von den vielen praktischen Funktionen. Doch nach und nach fielen mir immer mehr Unzulänglichkeiten auf und auch der Store wurde immer aufdringlicher.
  • Vor knapp anderthalb Jahren habe ich MediaMonkey entdeckt und war noch mehr begeistert. Einerseits durch einige zusätzliche clevere Funktionen (fast beliebig durch Skripte erweiterbar) und andererseits durch die offenere Handhabung (praktisch alle mp3-Player können damit synchronisiert werden).
  • Ähnlich begeistert war ich von Amarok, das ich parallel unter Linux nutze.

Mehr als Verwalten

Zusätzlich zum reinen Abspielen und Verwalten meiner Musik, mag ich auch Services wie Pandora und Last.fm, wo es darum geht, ähnliche Musik aufgrund der bestehenden Vorlieben zu entdecken (Beiträge mit den Tags Pandora und Last.fm). Den Ansatz von Pandora, die Stücke musikalisch zu analysieren und darauf die Ähnlichkeit zu basieren, finde ich wesentlich besser. Aber Pandora gibt es ja erstens gar nicht mehr außerhalb der USA und zweitens ist das mehr wie Radio, die eigene Musiksammlung wird völlig außen vor gelassen.

Doch dies soll die Software MusicIP Mixer leisten. Die Basis dafür liefert MusicIP (Auszug aus der englischen Wikipedia, kein deutscher Artikel vorhanden):

MusicIP is a music search engine which uses an algorithm for generating unique acoustic fingerprints. From these fingerprints, songs can be identified by their acoustic signature regardless of differences at the digital data level (file format, data compression rates, etc). […]

MusicIP also features music analysis technology, recognising meaningful (to humans) musical attributes, so that the software is able to identify tracks that are perceivably similar. This feature forms the basis of MusicIP’s primary software application, MusicIP Mixer.

Nach gut einer Woche Testen habe ich eine ansehnliche Liste mit positiven und negativen Eigenschaften erstellt. Damit möchte ich natürlich nicht hinterm Berg halten, sondern präsentiere diese hier dem geneigten Leser.

Durchleuchtung der Musiksammlung

Ein großes Plus ist, dass MusicIP Mixer für Windows, Mac und Linux erhältlich ist. Getestet habe ich allerdings bisher nur unter Windows (XP und 2K), doch vielleicht reiche ich Linux (Kubuntu) noch nach. Außerdem gibt es ein Language-Pack. Die deutsche Übersetzung scheint komplett und korrekt zu sein (nur Genres wird mit Stile übersetzt).

MusicIP-ScreenshotAls erstes fällt auf, dass die Aufteilung der Oberfläche stark an iTunes angelehnt ist, wie man im Screenshot rechts (Klick für Vergrößerung) sehen kann.

Dadurch ist die Bedienung meist intuitiv und einfach. Nach der Installation wird man gleich auf das einzigartige Mix-Feature hingewiesen. Dazu gibt es im 2. Teil mehr.

Um Mixe zu erstellen, muss die Sammlung analysiert werden. Man wird während der Installation gefragt, ob man seine iTunes-Sammlung, seinen My Music-Ordner oder einen vorgegebenen Ordner analysieren möchte (oder erst mal nichts tun). Ich habe natürlich die dritte Option gewählt, da ich iTunes nicht nutze und sich meine Musik auf einer externen Festplatte befindet. Beim Zählen der vorhandenen Songs in dem Ordner ist das Programm zweimal abgestürzt, doch es ging zum Glück jedes Mal wieder da weiter, wo vorher aufgehört wurde.

Die Analyse dauert recht lang und ist prozessorlastig (Priorität ist einstellbar). Während der Analyse sollte eine Internetverbindung bestehen, denn die Songs werden mit einer Datenbank abgeglichen. Ohne geht es auch, aber es dauert wesentlich länger. Ich habe die Analyse mit hoher Priorität über Nacht laufen lassen bzw. über drei Nächte, dann waren meine knapp 20.000 Songs durchgelaufen.

Nach der Analyse kann man diese Informationen im Song selber speichern. Das ist z.B. hilfreich, wenn man dieselben Songs auf mehreren Rechnern, d.h. mit unterschiedlichen Instanzen der Software verwendet. Ich habe das nicht gemacht und auch nicht die entsprechende Option angekreuzt. Dennoch verlief die Analyse auf einem zweiten Rechner vergleichsweise schnell. Wahrscheinlich weil die Songs dann schon in der Datenbank vorhanden waren.

Verzeichnisüberwachung

Es gibt die tolle Option, bestimmte Verzeichnisse nach neuer Musik zu durchsuchen. Bei MediaMonkey ist dieses Feature nur in der gekauften Version verfügbar (von MusicIP Mixer gibt es übrigens auch eine Premiumversion). Es ist möglich, sowohl bei Programmstart die angegebenen Verzeichnisse zu durchsuchen als auch während der Laufzeit zu überwachen. Ich habe beide Optionen angekreuzt, doch so richtig scheint das Überwachen nicht zu funktionieren, denn eine Aktualisierung findet nicht statt.

Aber solange man nicht gleich ganze Alben während der Laufzeit verschiebt und erstellt (wie ich das getan habe), sollte diese fehlende Funktion nicht nachteilig sein, denn ein Schließen und anschließender Neustart behebt das Problem.

Da fehlt doch was!

Leider gibt es bei manchen Rechnern das Problem, dass die Icons praktisch nicht sichtbar sind (Forumsbeitrag). Das liegt wohl irgendwie am IE und ein paar DLLs. Bei mir trat das beim ersten Versuch, d.h. auf meinem Laptop auf, doch auf einem anderen Rechner sind die Icons schön bunt. Das Problem ist den Entwicklern bekannt und wird hoffentlich bald behoben.

Des weiteren vermisse ich noch einige lieb gewonnene Eigenschaften von anderen Playern. Dass Foxytunes. MusicIP nicht kennt, ist nicht tragisch, aber ich habe mich daran gewöhnt, dass im Firefox und in Thunderbird der aktuelle Song angezeigt wird. Tragisch wird es in Kombination mit der Tatsache, dass es im minimierten Zustand keine Informationen über den aktuellen Song gibt, weder im Titel des Fensters noch per Tooltip beim Mouseover. Bei einer Musiksammlung mit fünfstelligem Umfang weiß ich nicht bei jedem Song, was ich da gerade höre und es ist umständlich jedes Mal das Fenster aufzurufen.

Zudem kann das Fenster nicht in den Tray minimiert werden. Doch das ist Kleinkram, der nicht ausschlaggebend ist. Allerdings wäre sowas einfach zu realisieren und ziemlich nützlich. Da die Software aber erst in Version 1.8 vorliegt, darf man hoffen, dass solche Kleinigkeiten mit der Zeit noch dazukommen.

Fast hätte ich den MusicIP Mixer gar nicht zum Hören der Musik verwendet, weil ich dachte, dass es keine Anbindung an Last.fm gibt. Der Last.fm-Player erkennt nicht, wenn ein Song gespielt wird. Ja, das mag oberflächlich und narzisstisch klingen, doch ich habe mich daran gewöhnt. Zum Glück gibt es die gleiche Funktionalität wie bei Amarok, dass nämlich der MusicIP Mixer selber den Song an Last.fm übermittelt: ganz versteckt in den Player-Optionen gibt es die veraltete Bezeichnung Audioscrobbler-Account. Funktioniert einwandrei.

Vorläufiges Fazit

Bisher haben wir hier ein reguläres Musikabspiel- und -verwaltungsprogramm mit ein paar Kinderkrankheiten. Noch haben wir das aufregende neue Feature (Erstellen von Mixes) und die Vorteile davon nicht kennengelernt. Da dieser Text schon lang genug ist, gibt es diese in einem zweiten Teil. Vielleicht gibt es dann auch schon den Vergleich mit MediaMonkey. Wenn der Text allerdings zu lang wird, wird das auf einen dritten Teil ausgelagert.

Bleibt noch zu erwähnen, dass ich durch einen Beitrag von Benedikt im Poplog auf die Software gestoßen bin.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

22 Gedanken zu „MusicIP Mixer als Musikverwaltungsprogramm? (Teil 1: Analyse der Musiksammlung)“

  1. Wo wird der iTMS denn aufdringlich? Wenn man diesen nicht nutzen möchte, wird man doch gar nicht erst davon behelligt.

    Also persönlich nutze ich nur iTunes, selbst vor meinem Umstieg au den Mac. Es gibt in meinen Augen kaum ein besseres Programm zum archivieren und verwalten.

  2. @Sascha
    Bei jeder Aktualisierung, wo ein neues Feature für den iTMS hinzukommt, ist er wieder an und man muss erst einige verschiedene Einstellungen vornehmen, um das abzuschalten.
    Vielleicht ist das mittlerweile nicht mehr so. Aber bei Version 4 oder 5 (als der Shop integriert wurde) und dann bei 6 mit den Videos ging jedes Mal der Spaß los, dass ich die entsprechende Option suchen musste.
    Ok, ist Geschmackssache, aber mir kam es wie Bevormundung vor (was ich generell als negativ empfinde 😉 ).

    Und dass du so begeistert bist, kann ich verstehen, ich war es ja auch lange Zeit – bis ich ein neues Programm entdeckt habe, das eben genau die Sachen besser machte, die ich bei iTunes nicht so gut fand.

  3. Die einzige Ordnerüberwachung die ich kenne und die wunderbar funktioniert besitzt Googles Picasa
    Eigentlich müsste Google eine Art Picasa für die Musiksammlung rausbringen
    Aber was erzähl ich, ich spiel Musik bis jetzt nur ab *lol*

    Zu dem Eintrag bei Golem.. brrrr.. nie wieder Kommentare lesen.. immer diese Fanatiker 😉

  4. @Uwe
    Die Ordnerüberwachung von MediaMonkey funktioniert super! Ist allerdings nur in der gekauften Version verfügbar. Das macht mich natürlich parteiisch, da ich 20 Dollar dafür ausgegeben habe. Scheint so, dass dies berechtigt war 🙂

    Doch ich muss sagen, dass MusicIP nur Probleme mit dem Erkennen neuer Songs hat und nicht mit bestehenden Songs. Wenn ich extern die Tags ändere, wird das sofort angepasst.

  5. Ja, auf Anfrage biete ich eine große Spannbreite in verschiedenen Preiskategorien an! Ich behalte mir allerdings vor, nicht der Meinung zu sein, wenn ich nicht der Meinung bin!

  6. So, wir entführen jetzt mal die Kommentare (Sorry, Sascha, wenn du das abonniert hast…) und es gibt Tacheles:

    Also wenn ich weniger als 1 Dollar zahle, bedeutet das nix. Bis 10 Dollar erwähne ich mal hier und da. Wenn ich bis 50 Dollar berappen muss, gibt es positive Bewertungen. Und wenn es noch teurer für mich wird, gipfelt das in Überschwang und Heiratsanfragen!
    [Fehler in dieser Kalkulation: ich habe ja auch für meine Windowsversionen indirekt bezahlt (OEM) und müsste da öfter mal positiv drüber schreiben! Uwe, jetzt hast du mich auch in die Krise gestürzt!]

  7. Bisher habe ich mich noch nie darum bemüht meine Musiksammlung noch weiter zu katalogisieren als eine feste Ordnerstruktur anzulegen. Jeder Künstler/Band hat einen Ordner und darin sind dann die Unterordner mit den Alben. OK, ich hab jetzt auch keine 20.000 Songs, aber 3.000 sind es trotzdem.
    Bei Winamp gibt es seit Version 5 ja auch die Medialibrary, die mich aber dermaßen gestört hat, dass ich letztendlich auf FooBar2000 umgestiegen bin. Jedoch hört sich das Programm ganz interessant an und ich denke, ich werde mal einen Blick riskieren. Löschen kann ich es ja immernoch wieder.

  8. caesar, das ist richtig! (das mit dem Löschen).
    Ich muss mich aber korrigieren. Ich habe „nur“ knapp 15.000 Titel, da habe ich mich beim Zusammenzählen vertan (Als studierte Mathematikerin darf ich das.)
    Gerade arbeite ich am zweiten Artikel und stelle die Vorteile des Programms vor. Danach solltest du wissen, ob es was für dich ist.

  9. Julia, die Krise geht jetzt erst richtig los dennnnnn; dir bedeutet (X-K-E-Irgendwas)Ubuntu NICHTS, Windows hingegen möchtest du mehr als heiraten! 😉

    Mediamonkey macht nen sympathischen Eindruck, den werde ich „später“ mal angucken..wobei ich Foobar jetzt auch schon ins Herz geschlossen hab
    (Kennt jemand noch Winamp 2.x? Oder gar noch älter? Das waren noch Zeiten!)

  10. @Uwe
    FooBar ist wirklich ein richtig tolles Programm. Es kann zwar nichts weiter als Musik spielen und Playlisten verwalten, aber mehr muss ein Player ja auch nicht können. Kein Winamp5-Grafik-Gedusel, keine großartige Library dafür aber ein simples GUI. Ich liebe dieses Teil mittlerweile.
    Winamp hab ich ab Version 2.28 oder ähnlich verwendet und bin ihm auch bis Version 5 treu geblieben, aber als es immer aufgeblähter wurde und plötzlich auch Videos spielen konnte und eine riesige Öberfläche zur Verwaltung der Dateien hatte, hab ich mich davon verabschiedet. Musikplayer sollten genau das können: Musik spielen und das wars.

  11. caesar,
    jup!
    Was will ich Bilder von Alben angezeigt bekommen oder sonstigen Schnickschnack, wenige Sachen soll es können und die dafür gut

    Die Urform des Winamps war doch auch nur Abspielen und Stoppen, oder so ähnlich?

  12. Genau, das war toll das Teil. Wobei mich schon damals gestört hat, dass die Oberfläche zu überladen war. Aber viel mehr als Abspielen und Playlist verwalten ging damit nicht.

  13. Jungs, Musik abspielen können Dutzende. Wenn ihr ein gutes Programm dafür gefunden habt, dann sollte man es sich nicht antun, ein anderes zu „erlernen“, was dann doch das Gleiche kann.
    Mir geht es aber um mehr, um die Verwaltung, bequeme Organisation und einigen schönen Schnickschnack.
    Das kann MusicIP ganz gut und MediaMonkey noch besser.
    Aber das ist meine Meinung und das sind meine Ansprüche an so ein Programm.
    Zum reinen Abspielen sind die beiden überqualifiziert.

  14. Hallo,
    was für ein Programm könnt ihr empfehlen, wenn es ums ausmisten von Musik geht? Ich habe eine Menge Songs auf meinen Rechner die ich nicht mehr höre. Da ich aber nicht nach Titel lösche, sondern wie mir das Lied gefällt, ist es nicht so leicht was zu finden.
    Einfach anspielen, wenn mir das Lied nicht mehr gefällt mit Entf löschen. Und das nächste. Vielleicht habt ihr ja einen Tipp. THX

  15. Hi, Doc! Also was das Ausmisten von Musik betrifft, die DU nicht magst, da gibt es kein Programm für, da musst du wohl oder übel jeden Song anhören.
    Songs direkt löschen kannst du mit den meisten Musikabspielprogrammen, das ist nicht das entscheidende Problem.

  16. RDP,leider kann ich dir auch nicht weiterhelfen. Ich hatte in Erinnerung, dass die Sprache eingestellt werden kann, aber das stimmt nicht.

    Da MusicIP Mixer nicht mehr entwickelt wird, gibt es die Seiten auch nicht mehr.

  17. Sicher das es eingestellt wurde?
    Ich habe es von der Hersteller Webseite.
    Da ich kein englisch kann wäre es sehr nett wenn mir da jemand helfen könnte.
    Has du nicht evtl. auf deiner Sicherungs Festplatte die sprache irgend wo liegen?
    Oder hast das Programm noch in deutsch auf den Rechner und kannst mir evtl. die Files kopieren???
    Sorry für meine bitte aber versuchen muss ich es ja mal. 🙂

  18. RDP, welche Herstellerseite? Ich habe gerade nochmal gesucht und keine Ergebnisse bei Google bekommen. Direkt (musicip.com oder musicdns.org) gibt es nur „Seite nicht gefunden“.

    Ich habe das Programm von einer Software-Download-Seite. Die deutsche Sprachdatei hattte ich mal vor vier Jahren (als dieser Artikel entstand). Da ich die Übersetzung für sehr schlecht halte (siehe nachfolgender Artikel), habe ich diese wieder gelöscht. Da ich mittlerweile einen neuen Computer habe, gibt es auch auf keinen eine Möglichkeit der Rettung. Tut mir leid, ich kann dir wirklich nicht weiterhelfen.

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