TV-Erinnerungen: ein paar Zahlen

Die Blog-Parade TV-Erinnerungen der Milchjunkies ist ja nun schon seit längerem abgeschlossen und die Auswertung wird nach und nach erweitert (momentaner Stand: es fehlen noch die ersten 50 Plätze).

Dazu passend habe ich am Wochenende eine Entdeckung beim Aufräumen gemacht. Früher habe ich immer die alten Fernsehzeitungen aufbewahrt, sowohl die meiner Eltern als auch die meiner Großeltern. Doch irgendwann habe ich die stapelweise weggeworfen. Alle? Nein, eine habe ich aufbewahrt. Nämlich den Gong, der zum 50-jährigen Jubiläum der Zeitschrift veröffentlicht wurde (Ausgabe 42/98). Darin finden sich sehr viele Artikel zum Thema Fernsehen von den Machern und auch Überblicke über die einzelnen Jahrzehnte Fernsehgeschichte.

Es gibt z.B. einen Überblick, wann es wie viele Fernsehgeräte und Sender gab und wie lange täglich gesendet wurde:

  • 1952: unter 1000 Fernsehgeräte, 1 Sender (NWDR), 3 Std. Programm täglich
  • 1957: 1 Mio Fernsehgeräte, 1 Sender (ARD), 5 Std. Programm täglich
  • 1963: 8 Mio Fernsehgeräte, 2 Sender (ARD + ZDF), 6 St. Programm täglich
  • 1967: 13,4 Mio Fernsehgeräte, 3 Sender (ARD, ZDF, die Dritten), 7 Std. Programm täglich
  • 1977: 18 Mio Fernsehgeräte, 3 Sender, 9 Std. Programm täglich
  • 1985: 21 Mio Fernsehgeräte, 8 Sender (3 + 3sat + Private), 13 Std. Programm täglich
  • 1998: 31 Mio Fernsehgeräte, ca 30 Sender, 24 Std. Programm täglich

Ein regelmäßiges Programm wurde ab dem 25. Dezember 1952 ausgestrahlt. Die Tagesschau gab es einen Tag später zum ersten Mal, allerdings zunächst nur dreimal die Woche. Erst ab Oktober 1956 gab es dann die tägliche Dosis.

Prognose von 1967

Nach der Funkausstellung 1967 gab der Gong folgende Fernsehprognose, die ja sozusagen fast wörtlich eingetroffen ist (Hervorhebungen von mir):

Bis zum Jahr 1980 wird es etwa zehn über Satelliten ausgestrahlte Fernsehprogramme geben. Um damit einigermaßen zu Streich zu kommen, wird sich eine Weltsprache, vermutlich Englisch, durchsetzen. Bestimmte Nationalstile der Fernseharbeit, die sich herausgebildet haben, werden abgebaut. Eine allgemeine Nivellierung, aber auch Propaganda-Feldzüge Ost gegen West können die Folge sein. Das meist lokal begrenzte Werbefernsehen wird bei weltweiten Programmen stark zurückgehen. In einer Wohnung werden mehrere Fernsehgeräte stehen. Man kann die Fähigkeit entwickeln, verschiedene Programme gleichzeitig zu sehen. In New York laufen jetzt schon 13 Programme.

Fernsehzeitungen bald überflüssig?

Wenn man bedenkt, dass das Programm immer individueller zusammenstellbar wird, mit Fernsehen on demand, DVDs etc., liegt doch die Prognose nahe, dass Programmzeitschriften bald überflüssig werden, oder? Aber mit Prognosen halte ich mich zurück, die treffen ja sowieso fast nie ein. Denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Seit Veröffentlichung dieser Ausgabe des Gong sind knapp neun Jahre vergangen und allein seit dem hat sich so viel verändert. Da ist es auch nicht verwunderlich, dass der damalige ZDF-Intendant Dieter Stolte, der auch einen der Artikel verfasste, darin meinte

Was ist im Blick auf das Jahr 2010 zu erwarten, dem Datum, das das Bundeskabinett als Umrüstungsende für die talen Fernsehnetze angepeilt hat? [Anmerkung: das ist wohl noch aktuell] Es wird auch weiterhin alle Formen des finanzierten Fernsehens geben. Der Funktionsrahmen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wird sich ändern; die Privaten werden sich auf wenige Großanbieter reduzieren: Die Konvergenz zwischen Fernseh- und PC-Schirm wird deutlich erkennbar, keineswegs aber schon abgeschlossen sein.
Und was wird mit dem Gong sein? Wenn er die Zeichen der Zeit erkennt, der Entwicklung voraus- und nicht hinterherläuft, wird er trotz zu erwartender elektronischer Programmführer unverzichtbar bleiben: für den Sender ebenso wie für den Empfänger.

Nun, die Reduzierung auf wenige private Großanbieter hat sich indirekt ergeben, denn es gibt meiner Meinung nach nur zwei große Sendegruppen. Aber die Notwendigkeit einer Fernsehzeitschrift sehe ich nicht mehr. Ich kaufe jedenfalls seit Jahren keine mehr und die elektronische Version (z.B. TVgenial) nutze ich nicht

Und ich glaube auch, dass sich bis 2010 noch so einiges tun wird. Wir dürfen gespannt sein. Ein paar Mal habe ich sogar mit dem Gedanken gespielt, dass ich mir keinen neuen Fernseher zulegen werde, sollte mein jetziger (zehn Jahre alter) kaputt gehen.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

3 Gedanken zu „TV-Erinnerungen: ein paar Zahlen“

  1. Ach so, als ich das vor Jahren mal ausprobiert hatte, war TVGenial noch kostenlos. Aber wie gesagt, nutze ich nicht. Wenn ich wissen will, was abends kommt, dann zappe ich während des Wetters der Tagesschau durch die einzelnen Programme und schaue im Videotext nach. Aber in 99,9% der Fälle entscheide ich mich dann dafür nix zu gucken.

  2. Hihi, ich habs, brauch es aber gar nicht. Ich schaue so selten Fernsehen in diesem Jahr, da lohnen sich die GEZ-Gebühren eigentlich gar nicht…

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