Nun sag, wie hast du’s mit Kategorien und Tags?

Diese Gretchenfrage grenzt sicherlich auch an Religion und hat sicher jeder Blogger schon mal öffentlich oder für sich gestellt und mehr oder weniger befriedigend beantwortet. Das Einordnen der Beiträge in Kategorien und das Versehen der Beiträge mit Tags haben beide Vor- und Nachteile. Wie soll man seinen Blog organisieren? Und sind einmal vergebene Kategorien und Tags in Beton gegossen, oder darf man da nachträglich noch was hinzufügen oder gar löschen?

Kategorisieren zum besseren Überblick?!?

Kategorien sind für mich grobe Einteilungen und eine Hilfe für den Leser, damit er ungefähr weiß, ob ihn der Beitrag interessieren könnte. So ähnlich wie die einzelnen Teile einer Zeitung (Aktuelles, Politik, Kultur, Sport, Regionales, …). Grundsätzlich halte ich das für die bessere Methode, denn speziellere Themen kann der Leser durch eine gezielte Suche herausfinden. Das ist ja gerade der Vorteil des elektronischen Publizierens.

Doch auf der anderen Seite bietet eine Übersicht über die in einem Blog verwendeten Kategorien wenig Information. Die meisten (persönlichen) Blogs beschäftigen sich mit den gleichen Themen in zugegebenermaßen unterschiedlicher Gewichtung. Aber wie soll man sich dadurch abgrenzen?

Die Vergabe von fantasievollen Kategoriebezeichnungen hilft hier, versprechen sie doch einen witzigen, kreativen Autor. Leider können diese Beschreibungen auch zu kryptisch und/oder zu lang sein. Das macht sie zudem unbrauchbar für Suchanfragen.

Weiterhin stellt sich die Frage, ob man einen Beitrag in mehrere Kategorien einordnet und wenn ja, bei welcher Anzahl man die Grenze zieht. Und soll man Unterkategorien verwenden? Unterkategorien haben den Vorteil, dass sie aussagekräftiger sind, allerdings kann die Einteilung schlecht gewählt sein.

Tagging zur genaueren Beschreibung?!?

Tags sind eine viel feinkörnigere Einteilung. Geht es bei den Kategorien um den Oberbegriff, werden hier Namen genannt. Es geht nicht mehr nur um Kultur, sondern der Buchtitel oder Prominente, der im Beitrag erwähnt wird, wird als Tag verwendet. Natürlich kann man sehr viel mehr Tags als Kategorien vergeben.

Ein Howto: Tags, Taggen, Tagging hat Mike Schnoor vor einigen Monaten verfasst. Darin geht es um die Vorteile des Tagging und vor allem um den richtigen Gebrauch von Tags. Sehr gute Einführung zum Thema!

Ich sehe in Tags allerdings den Nachteil, dass man schnell viel zu viele Tags hat. Man muss/kann/darf bis ins Detail gehen. Doch das tut man mit größter Wahrscheinlichkeit bei den meisten nur einmal. Weiß ich denn schon beim Verfassen, dass ich in Zukunft oft genug über ein bestimmtes Buch schreiben werde, dass damit ein bestimmtest Tag gerechtfertigt ist?

Gut, das ist ja in gewisser Weise Sinn der Tags, aber ein guter Beitrag geht so vielleicht unter, weil ich mich nur bei dieser einen Gelegenheit mit dem Thema beschäftigt habe. Mit Untergehen meine ich natürlich die berühmte Tag Cloud, in der die Tags in Abhängigkeit der verwendeten Häufigkeit größer oder kleiner geschrieben werden. Ein einmaliges Tag taucht wahrscheinlich gar nicht auf, weil sonst die Tag Cloud zu unübersichtlich wird.

Dieser Nachteil ergibt sich natürlich nur, wenn man bedenkt, dass ein Leser schon auf dem Blog ist. Betrachtet man das jedoch von der Warte aus, dass man Besucher mit spezifischen Themen anlocken möchte, können Tags gar nicht genau genug sein. Dann wiederum ist es besser, wenn ein Tag nicht so oft vergeben wurde, damit auch nur tatsächlich relevante Beiträge gefunden werden.

Auch im Software-Guide gab es vor gut einem Jahr einen Beitrag zum Thema Tagging in Blogs nicht zu Ende gedacht. Mittlerweile ist jedoch das angesprochene Problem des Suchens nach mehreren Tags für einen Beitrag gelöst im Simple Tagging Plugin (durch Michael Wöhrer selber).

Altmodisch vs. zeitgemäß

Oben habe ich die Kategorien mit der Einteilung einer Zeitung verglichen, diesem Urgestein des Publizierens. Als solches sollte man Kategorien auch verstehen. Das ist allerdings nicht negativ gemeint, sondern es bedeutet, dass das ein bewährtes System ist. Das Tagging dagegen ist eine relativ neue Sache, oft im Zuge des ominösen Web 2.0 genannt und man kennt es von del.icio.us und Technorati.

Grundsätzlich würde ich vielleicht sagen, dass Kategorien zur Navigation in einem Blog geeignet sind und Tags zur Suche nach einem bestimmten Beitrag.

Wie habe ich das hier gelöst?

Die Fragen über mehrere Kategorien pro Beitrag und zu Unterkategorien und habe ich beide mit ja beantwortet. Die Grenze habe ich hoffentlich bei drei Kategorien pro Beitrag gezogen (vier in begründeten Ausnahmefällen bei längeren Beiträgen).

Die Anzahl meiner Kategorien hat sich im Laufe der letzten zweieinhalb Jahre immer mehr vergrößert auf fast 50. Da kann man nun nicht mehr von grober Einteilung sprechen und das soll reduziert werden. Ein Grund dafür ist, dass sich die Kategorien in Richtung Tagging bewegt haben. Das liegt einerseits daran, dass das Tagging in meinem Blog lange nicht funktioniert hat und ich andererseits irgendwann nicht mehr eine weitere Art der Einteilung einführen wollte. (Zum vollständigen Umsteigen ist es zu spät). Ich habe also versucht, beides mit den Kategorien abzuhandeln.

Ab der Version 2.3 soll WordPress von sich aus das Tagging unterstützen und ich bin gespannt, wie das Zusammenspiel von Kategorien und Tags gelöst wird. Hoffentlich wird das nicht so ein Desaster wie beim Zusammenlegen von Beitrags- und Blogrollkategorien!

Der aufmerksame Leser wird es vielleicht bemerkt haben, dass ich mittlerweile auch Tags verwende. Einige Beiträge sind auch schon nachträglich getaggt worden. Noch sind die Tags aber nur in der Einzelansicht eines Beitrags sichtbar, nicht in der Archivansicht. Es wird noch einige Zeit dauern, bis ich meine fast dreihundert Beiträge getaggt habe. Denn ich werde nicht die Kategorien in Tags umwandeln. Die Kategorien sollen bleiben, denn sie erfüllen einen anderen Zweck.

Beim Vergeben der Tags bin ich auf das Problem gestoßen, wie feinkörnig die sein sollen im Unterschied zu den Kategorien. Und welche Tags ich schon vergeben habe. Zwar bietet das Simple Tagging Plugin Vervollständigung und Vorschläge an. Doch dafür muss ich erstens wissen, wie ein evtl. brauchbares Tag anfängt und zweitens schon genug Tags vergeben haben, damit Vorschläge generiert werden können.

Darf man löschen?

Wie angesprochen, möchte ich einige Kategorien entfernen bzw. in Tags umwandeln (obwohl ich 15 eindeutig für zu wenig halte). Außerdem werden sicherlich auch im Lauf der Taggisierung meines Blogs einige Tags nur kurzlebiger Natur sein. Darf man das? Wenn jemand einen Link gesetzt hat oder die Kategorie abonniert hat, könnte das zum heillosen Durcheinander führen! Nein, so schlimm ist es natürlich nicht. Wenn ich es richtig überlege, überwiegen die Vorteile der besseren Information die evtl. auftretenden Nachteile.

Wie seht Ihr das?

Wie handhabt Ihr die Organisation Eures Blogs? Löscht Ihr Kategorien? Dann abstimmen bzw. kommentieren! (Umfrage geht wieder nicht!)

Ergebnis der Umfrage zu Kategorien und Tags

Hinweis: da das Umfrage-Plugin mittlerweile nicht mehr aktiv ist, ist hier ein Screenshot des Ergebnisses zu sehen

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

13 Gedanken zu „Nun sag, wie hast du’s mit Kategorien und Tags?“

  1. Ich nutze keine Tags – auf anderen Blogs als Leser nicht (außer es gibt keine Kategorien), also auch auf meinem Blog nicht. Mir fällt da schon andernorts selten etwas sinnvolles ein oder es werden zu viele …
    Die Kategorien sind bis auf ein paar wohl ganz gut zu durchschauen – wenn mir mal etwas für „R“ einfallen würde, könnte ich auch weitere hinzufügen … (Es soll mal für jeden Buchstaben eine Kategorie geben.)
    Ist schon nicht so ganz leicht, mit den Kategorien und tags – bisher kamen aber noch keine Klagen.

  2. Du hast dir also auch viele Gedanken gemacht 🙂 Pro Buchstabe eine Kategorie hat was für sich!

    Ich verbuche dich unter „nur Kategorien“ 🙂

  3. Da darfst du mich auch verbuchen, denn bisher habe ich noch keinen Sinn gesehen meinen Blog bzw. die Beiträge mit Tags zu versehen. Meine meisten Beiträge sind thematisch ja eh recht ähnlich. Allerdings bin ich auch schon sehr gespannt auf das WordPress-eigene Tagging und werde das dann vll auch mal benutzen. Aber vorerst belib ich bei meinen Kategorien.

  4. Geht klar, caesar. Das nächste WP wird wohl tatsächlihc einigen Aufruhr verursachen. Bin mal gespannt, ob da so mancher Blog durchschossen wird!

  5. Oh eine erste Parteiergreifung für die Tags!
    Bei WordPress geht das ja ganz einfach mit Plugin(s). Da muss man als Blogger nur noch die Tags bestimmen 🙂

  6. Ja, aber ich habe eine eigene Blogengine, selbstgeschrieben. Deswegen muss ich wissen, wie so Taggingsysteme umgesetzt werden.

  7. Danke für den hilfreichen Beitrag! Jetzt blogge ich seit über einem Jahr mit großer Leidenschaft & beschäftige mich erst jetzt eingehender mit Themen dieser Art… *shame on me*

  8. Dafür ist es ja nie zu spät 🙂 Ich habe mir da die ersten Monate auch überhaupt keine Gedanken drüber gemacht.

    PS: deine Liverpool-Einträge habe ich gerade mit ganz großem Neid gelesen 😀

Kommentare sind geschlossen.