Briefe frankieren 2.0 liefert teures Altpapier

StampIt-CodeWas tut der findige Internetnutzer von heute, wenn er dringend einen Brief verschicken muss und die Briefmarken statt in der Brieftasche (wie der Name schon sagt) zu Hause liegen hat? Natürlich das tolle StampIt benutzen!

(Bildquelle: Wikimedia Commons)

Doch halt, da muss man doch Registrierungsgebühren bezahlen, oder? Nein, diesen Monat nicht! Also schnell zur Registrierung geschritten und darüber informiert worden, dass ich nicht auf den neuesten Stand bin:

Derzeit unterstützte Betriebssysteme sind:

  • Microsoft Windows 98SE
  • Microsoft Windows Millennium Edition
  • Microsoft Windows 2000
  • Microsoft Windows XP (32 Bit)
  • MAC OS X (Version 10.4)

Derzeit unterstützte Browser sind:

  • Microsoft Internet Explorer 5.5 SP1
  • Microsoft Internet Explorer 5.5 SP2
  • Microsoft Internet Explorer 6.0 SP1
  • Microsoft Internet Explorer 6.0 SP2
  • Microsoft Internet Explorer 7.0
  • Mozilla Firefox 1.0.7
  • Mozilla Firefox 1.5 oder höher

Springt man ob dieser hochaktuellen Liste (Firefox gibt es mittlerweile in Version 2, schon mal was von Windows Vista gehört?) nicht sofort aus dem Fenster, kann man ja gnädigerweise die URL von Opera in den Feuerfuchs kopieren. Auch den erforderlichen Adobe Reader-Test (mind. Version 6.04) besteht mein PC mit Bravour.

Nach diesen bürokratischentechnischen Hürden durfte ich mich endlich registrieren. Ging sogar relativ einfach. Auch wenn der Bestätigungslink per E-Mail erst behauptete, dass sie meine Daten zwischendurch verloren hätten. War aber nur ein kurzfristiger Gag, den ein Reload zum Schweigen bringen konnte. Dann noch schnell das Guthaben aufgefüllt mit ein paar Euronen.

Und dann kam das große Abenteuer. Porto Brief national ausgewählt. Um die „Briefmarke“ zu drucken muss man Empfänger- und möglichst auch noch die Absenderadresse angeben. Dass der Absender bekannt ist, bleibt völlig unberücksichtigt, muss alles per Hand eingegeben werden.

Gut ist, dass man erstmal einen Probedruck machen darf. Wird aber nix. Mit dem Javascript-PDF-Druck-Befehl-Gedöns scheint das nicht so einfach zu sein. Das Muster wird immer abgeschnitten. Und das Papierformat ist auch völlig falsch. Ich will doch einen Briefumschlag bedrucken und kein DIN A4-Blatt! Bis ich rausgefunden habe, wo man das Format ändert ist schon einmal Porto abgezogen. Und dann stellt sich die Frage, welche von den dreitausend angebotenen Aufkleber- und DIN-Formaten denn das richtige ist. Hilfestellungen Fehlanzeige und nirgends ein Lineal aufzutreiben.

Mittlerweile werden stapelweise Blätter ausgedruckt mit dem halben und deshalb nutzlosen Pixel-Code. Und es wurde bereits dreimal Porto abgezogen. Langsam werde ich unruhig. Also habe ich schnell einen Briefumschlag ins Fach gelegt und gehofft. Schnell ergab sich, dass Fensterumschläge und Laserdrucker kein gutes Paar abgeben. Paperstau und vollständige Vernichtung des Fenstermaterials! Der Drucker fängt sich wieder und druckt munter weiter Seite um Seite aus. Kein Abbruch möglich bzw. jeder Versuch ergebnislos.

Mein nächster Gedanke: die hören von mir! Also nach Kontaktmöglichkeiten gesucht. Telefonisch für schlappe 4,90 EUR pro Anruf oder per Kontaktformular. Leider lässt sich das nicht laden und endet immer in einem Fehler 502 (auch im IE).

Da springt mir der Link Rückerstattung ins Auge. Dort gibt es ein Formular zum Ausdrucken. Gesagt, getan. Doch dann habe ich versucht zu verstehen, was man da von mir will. Oben steht da

Hinweis: Haben Sie Brief oder Paket Sendungen mit einem falschen Wert frankiert, oder ist der Frankierwert falsch gedruckt worden, füllen Sie bitte diesen Erstattungsbeleg aus.

Bis hierhin bin ich einverstanden, das ist schließlich genau das, was ich gesucht habe. Weiter heißt es

Senden Sie den Beleg zusammen mit den entsprechenden Frankiervermerken, einschl. Empfängeranschrift, mit dem besonderen Umschlag an die nachfolgende Anschrift.

Was sind Frankiervermerke und wo kriegt man so einen besonderen Umschlag her? Und wenn ich denen das zuschicke, wird dann das Porto dafür auch erstattet?!? Das würde ein dicker Brief mit dem ruinierten Umschlag und den ganzen Seiten Fehlausdrucke.

Eine plötzliche Wendung: der Pixel-Code wird richtig ausgedruckt! Und dann nochmal! Schnell einen Umschlag ins Fach gelegt und das ursprüngliche Ziel wurde endlich erreicht! Dann wird erneut gedruckt…. Das Komische daran: es handelt sich immer um denselben Code. Das darf doch nicht sein, oder? Wenn ich das Prinzip richtig verstanden habe, sollte beim zweiten Einlesen desselben Codes ein Problem auftreten, oder? Jedenfalls fängt sich der Drucker und hört auf.

Fazit: Dreifaches Porto bezahlt, fünf identische maschinenlesbare Briefmarken, 18 DIN A4-Blätter mit halben Codes, ein ruinierter Fensterumschlag und ein verwendbarer, frankierter Briefumschlag. Dazu ruinierte Nerven und eine Menge verschwendeter Zeit, in der ich locker nach Hause fahren, die Briefmarke holen und zum nächsten Briefkasten hätte fahren können.

Doppel-Fazit: Privatisierte Staatsunternehmen und Internet sind eine teure Kombination.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

2 Gedanken zu „Briefe frankieren 2.0 liefert teures Altpapier“

  1. Was hältst Du von stinknormalen Briefmarken? Die kleben inzwischen sogar ohne Spucke und ich kauf‘ meist 10 auf einmal 🙂

Kommentare sind geschlossen.