Was man bei einem Symposium so alles beobachten kann

Horst Köhler an der WandDie letzten drei Tage habe ich auf einem biologischen Symposium verbracht und da so einige interessante Beobachten angestellt.

Das fängt z.B. damit an, dass das Symposium in den Räumen einer Bundesanstalt (= deutsche Bundesbehörde) stattfand und so hat man das Vergnügen und die Ehre die ganze Zeit von Hotte angebelächelt zu werden. Davon musste ich natürlich ein Foto machen und da das nicht unbemerkt blieb, habe ich auch noch gleich eine interessante Unterhaltung in Gang gebracht über europäische Ausschüsse und Herausforderungen beim Übersetzen (von Texten und simultan).

Wo wir gerade beim Fotografieren sind: Mir ist aufgefallen, dass der Gebrauch einer Digitalkamera (mit Display) eine typische Kopfhaltung hervorruft, die mir allerdings ein wenig ungesund erscheint. Gibt es da schon Studien zu, ob das exzessive Digitalfotografieren Nackenschäden oder so verursacht? Oder hat man schon einen Namen für das Phänomen gefunden?

Zurück zum Symposium. Eine weitere Konsequenz der Politiknähe war, dass ein Minister ein paar einleitende Worte gesprochen hat. Der hatte allerdings Verspätung – nachdem sowieso wegen ihm die gesamte Veranstaltung um eine halbe Stunde verschoben worden war – und brachte so den Zeitplan vollends durcheinander.

Außerdem hielt er seine Ansprache in deutsch und hielt sich fast wortgetreu an den Text im Begleitheft. Man konnte praktisch mitlesen und damit fand ich den Auftritt völlig überflüssig. Er war aber nicht der Einzige, der auf deutsch vortrug. Von den vier Einleitungsvorträgen wurden nur zwei auf englisch gehalten, was sicherlich einen bleibenden Eindruck auf die ausländischen Gäste gemacht hat.

Aber bei so manchem englischen Vortrag hätte ich mir gewünscht, dass er in dieser unserer Muttersprache gehalten worden wäre. Das lag nicht unbedingt an der Aussprache (da ist man ja von Südostasiaten und Südeuropäern so Einiges gewöhnt), sondern am kreativen Gebrauch der englischen Grammatik. Folgendes ist mir besonders aufgefallen:

  • Das fehlende s beim Verb in der dritten Person singular (3. Pers. sing.). Fehlt es, so klingt es sehr komisch und man (zumindest ich) wird sehr nervös, wenn in jedem zweiten Satz das s beim Verb fehlt.
  • Der Gebrauch von since in Tateinheit mit einer Zeitdauer. In diesem Fall wird for verwendet![1]
  • Wörter wie used, acid, mice enthalten kein ti-äitsch und werden entsprechend mit einem stimmhaften s gesprochen.
  • Vorbild bei der Völkerverständigung: Several/Many peoples collarborated on this project

A propos Englisch. Im Publikum saß jemand, der sich mit einem Übersetzungscomputer bewaffnet hatte. Damit hat er dann alle naslang unbekannte Wörter nachgeschlagen. Während einer Diskussion fiel auch öfter ein Wort, das er wohl nicht kannte und er tippte fröhlich jank in seinen elektronischen Freund ein. Der gab aber wahrscheinlich keine befriedigende Antwort, da man Abfall mit u schreibt! Als biologisch Interessierter sollte man zumindest mal davon gehört haben.

Die Vorträge selber waren zum allergrößten Teil sehr informativ und interessant. Allerdings gab es meiner Ansicht nach einige grundsätzliche Dinge zu bemängeln:[2]

  • Einige der Vortragenden sollten mal ein Seminar in Farbenlehre belegen, sonst laufen sie Gefahr, irgendwann einmal ihre Zuhörer bzw. Zuschauer erblinden zu lassen.
  • Gilt nicht der Grundsatz, dass bei einem Vortrag nichts schlimmer ist, als die vorgegebene Zeit zu überziehen? Nun, die Damen und Herren, haben da geschlossen einen schlechten Eindruck hinterlassen und wir sind nicht einmal pünktlich aus einer Session gekommen.
  • Mehrfach habe ich mich am Ende gefragt „Was will uns der Autor damit sagen?“ Das sollte natürlich nicht passieren.

KugelschreibersammlungNeben den Vorträgen gab es auch einige Aussteller (Firmen, die ihre Produkte präsentiert haben) und die hatten natürlich Werbegeschenke dabei. Ich konnte einen schönen Haftzettel-Block und eine wunderschöne Tasse abgreifen. Mein Hauptinteresse galt aber den Kugelschreibern. Ich sammle die Prodir DS3 und einen habe ich erwischt. Diese Sammelleidenschaft stieß allerdings auf Unverständnis und an meinem Geisteszustand wurde offen gezweifelt („Sag mal, muss ich mir Sorgen machen?“)

Die Rückfahrt war auch noch mit Highlights gespickt. Im ersten Zug war alles voll und der Anschlusszug fuhr mir im wahrsten Sinne des Wortes vor der Nase weg, denn der Zug fuhr an, als ich die Treppe zum Gleis hochrannte. Der nächste kam zum Glück ein paar Minuten später. Zum Glück? Nein, denn das war so ein fahre-im-Schritttempo-und-halte-an-jeder-Milchkanne-Vertreter von Zug.

  1. Ich möchte nicht pedantisch erscheinen, aber wenn es von fast Jedem so verwendet wird, d.h. öfter falsch als richtig, dann fällt es auf. Außerdem bin ich durch durchgehend pedantische Englischlehrer geschult worden (9 Jahre inkl. LK). Wir haben ganze Übungen zum richtigen Gebrauch von since und for gemacht. Das ist ja nun wirklich nicht so schwer, denn es gibt eine eindeutige Regel und keinerlei Ausnahmen. []
  2. Solche Fehler macht man immer wieder, auch und gerade wenn man versucht alles richtig zu machen. Und Erfahrenheit schützt hier vor Torheit nicht. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

2 Gedanken zu „Was man bei einem Symposium so alles beobachten kann“

  1. Hi, ich bin seid Samstag nun auch glücklicher Besitzer einer Digicam und habe auch auf ein schön grosses Display beim Kauf und der Auswahl beachtet. Bis eben war ich eigentlich glücklich über die Kamera und nun berichtest Du von „Haltungsschäden“ 😮
    Ich kann noch nicht nachvollziehen welche Art von „seltsamer“ Haltung Du sprichst. Kannst Du mal ein Foto dazu online stellen? Wäre ja ein witziger Weg dies zu dokumentieren 😉
    Grüße
    Molar

  2. Molar, willkommen und keine Angst! Ich meinte damit, dass die Leute so seltsam von oben herab auf das Display gucken. Das finde ich sehr typisch bei Digitalkameras.

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