Doppelname für Frauen in der Politik Pflicht?!?

Oft haben Frauen in der Politik Doppelnamen, allerdings schaffen sie es immer nur bis kurz vor knapp ganz nach oben. Ein paar Beispiele (in Klammern die Tätigkeit, für die sie wohl – meiner Meinung nach – am bekanntesten sind):

Wie gesagt, ganz nach oben haben es diese Frauen nie geschafft. Schaut man sich Liste weiblicher Staatsoberhäupter und Regierungschefs an, so ist da keine einzige mit Doppelnamen dabei. Ob eine Frau Sauer-Merkel[2] wohl Bundeskanzlerin geworden wäre? Na gut, deutsch und international sollte man da nicht in einen Topf werfen, da der Doppelname völlig anders gehandhabt wird.

Also zurück zum Thema. In einem wer-weiss-was-Artikel gibt es noch eine ganze Menge mehr Politikerinnen mit Doppelnamen, die mir aber allesamt unbekannt sind – zumindest namentlich. Erstaunlicherweise sind von den 18 Namen nur drei von Bündnis 90/Die Grünen, der Partei, bei der man vorurteilsbehaftet die meisten Doppelnamen vermuten würde.

Interessante Einblicke zur Frage „Warum denn ein Doppelname?“ liefert die Arbeit Name und Schicksal, insbesondere Kapitel 8.1 Der doppelte Nachname. Dort heißt es z.B. (Hervorhebung von mir)

Interessanterweise sind es gerade Menschen mit einem hohen Bildungsniveau, die dazu neigen, sich Doppelnamen zuzulegen. Sie halten sich für besonders fortschrittlich und glauben unter anderem, der Doppelname zeige, daß sie ihre Frauen als gleichberechtigt ansehen.

Ein weiterer möglicher Grund (wieder die Hervorhebung von mir):

Manche intellektuelle Kreise legen großen Wert auf eine Abgrenzung gegenüber gewöhnlichen Sterblichen. Sie sind äußerst stolz darauf, wenn andere Menschen nicht fähig sind, ihren Namen richtig zu schreiben oder auszusprechen. Das gibt ihnen ein gewisses Überlegenheitsgefühl. Menschen, die sich in solchen Kreisen aufhalten müssen oder, aus welchen Gründen auch immer, aufhalten wollen, können schnell ins soziale Abseits geraten, wenn sie einen gewöhnlichen Namen tragen.

Kann man jetzt den Schluss ziehen, dass besonders hochnäsige Frauen/Menschen mit hohem Bildungsstand in die Politik gehen? Nun, das geht sicherlich zu weit.

Einen satirischen Blick auf die Problematik wirft Hans Metz im „endgültigen Schwerelosigkeitsmagazin“ Titanic in seiner DummBilanz 2006:

In so starker Männergesellschaft, von Kahn zum Papst, vermissen Sie was? »Von en frowen kumt alliu saelekeit« (Reimar von Brennberg, ca. 1270) – richtig, und auch der Humor, in Form v.a. der auch 2006 ragendsten Doppelnamen. Besonders stark ragten diesmal die Staatsanwältin Silke Schönfleisch-Bachofen, Christa Hausladen-Sombale, Nürnberg, und die gleichfalls norisbeheimatete Hebamme Christa Allewelt-Kreißl – oder wäre Ihnen Ursula Pfrommer-Kriegeskorte noch genehmer gewesen?

Und auch dieser (etwas ältere) Artikel der aetzpostille mit dem Titel Zu viele Frauen in der Politik? betrachtet das Ganze von der humorvollen Seite:

Die Kriterienverschärfung, dass diese nur noch mit Doppelnamen eine Chance haben, hat auch sehr schnell an Wirkung verloren. Die Liste mit traurigen Beispielen ist lang.

Der sehr lesenswerte Artikel berichtet über den Interessenverband MadMuFadH. Sehr amüsant und doppelt lesenswert sind auch die Kommentare, vor allem

Ne also irgendwie kann ich nicht glauben, dass das ernst gemeint sein soll … allein der letzte Satz klingt so un unglaubwürdig

Hach, sowas rettet mir den Tag!

Abschließend kann ich sagen, dass ich nichts sagen kann. Leider habe ich keine Statistiken zum Thema „Doppelnamen in der Politik“ oder überhaupt zum Vorkommen von Doppelnamen gefunden.

  1. Aus der Süddeutschen vom 24.09.2002: Die Altliberale Hildegard Hamm-Brücher ist aus Enttäuschung über ihre Partei nach 54 Jahren Mitgliedschaft aus der FDP ausgetreten. In einem vom Wahlsonntag datierten Brief an Parteichef Guido Westerwelle macht die 81-Jährige vor allem die antiisraelischen Äußerungen des inzwischen zurückgetretenen Parteivize Jürgen Möllemann für ihre Entscheidung verantwortlich. []
  2. Der Ehemann von Angela Merkel heißt Joachim Sauer. []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

Ein Gedanke zu „Doppelname für Frauen in der Politik Pflicht?!?“

Kommentare sind geschlossen.