To go Klebold

Um nicht noch einen Artikel aus der Distanz über die Schießerei in Virginia zu verfassen, möchte ich nur kurz äußern. In der Schule (im English-LK) haben wir uns auch mit dem Thema befasst, allerdings ging es damals hauptsächlich um das Jonesboro Massacre, wo zwei Jungen im Alter von 13 und 11 mehrere Schüler töteten und verletzten. Es gibt übrigens bei Wikipedia eine eigene Rubrik dafür (Category:School shootings in the US perpetrated by students), wie ich gerade mit Entsetzen feststellen musste. Und auch bei BBC News gibt es eine Timeline: US school shootings.

Die Schießerei an der Columbine High habe ich noch gut in Erinnerung, weil dies an meinem letzten Schultag geschah, nur wenige Stunden nachdem ich mein letztes Zeugnis in Händen hielt. Die zwei Täter, Eric Harris und Dylan Klebold, sind mittlerweile namentlich in die Alltagskultur der Amerikaner übergegangen. Einmal durch den Film Bowling for Columbine, aber auch als „Verb“, wie folgendes Zitat zeigt. Es ist aus dem Buch, das ich gerade lese (Special Topics in Calamity Physics)[Amazon-Partner-Link]. Zwei Schülerinnen unterhalten sich über eine Lehrerin:

„She’s tweaked. Wouldn’t be shocked if she went Klebold.“

Dazu gibt es keine weiteren Erklärungen, d.h. vom Leser wird selbstverständlicherweise erwartet, das er das versteht. Würde mich mal interessieren, wie das in der deutschen Ausgabe (Die alltägliche Physik des Unglücks) gelöst ist. Wahrscheinlich muss da eine längere, erklärendere Phrase her.

Update: Ein Artikel vom 30. Mai zum Thema gibt es bei USA erklärt: Kurz erklärt: Going Postal, wo es heißt

Der Begriff ist Teil der amerikanischen Populärkultur geworden (die Wikipedia führt Buch über Anspielungen) – so sehr sogar, dass ihn selbst britische Fantasy-Autoren als bekannt voraussetzen.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

2 Gedanken zu „To go Klebold“

  1. Ich denke es wird mit amoklaufen übersetzt. Die englische Sprache ist da insgesamt kreativer und bewegter. Going Postal hat ja auch kein Äquivalent im Deutschen, obwohl die Telekom wohl ähnliche Frustration hervorruft wie die US-Post. Wahrscheinlich gibt es in Deutschland einfach zu wenig Waffen und deshalb Amokläufe, weshalb wir da einfach zu wenig Begriffe für haben.

  2. A propos Post: Gestern im ARD Brennpunkt wurde eine ehemalige Abgeordnete gezeigt, die meinte, dass schärfere Waffengesetze sinnlos wären, weil solche Schießereien in Orten stattfänden, in denen Waffen verboten sind, wie z.B. Schulen und Postämter. Und weiter meinte sie, dass sowas nicht passieren würde, wenn Lehrer Waffen tragen und sich verteidigen könnten.
    Da kann man Charlton Heston und seinen Freunden nur gratulieren: „Gut gemacht, Jungs!“

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