Vom Mythos, dass Islam und Terror gleichzusetzen sind

Die nicht-religiöse Tageszeitung The Christian Science Monitor[1] veröffentlichte letzte Woche einen interessanten Artikel von Kenneth Ballen.[2]

Der Artikel stellt zwei Umfragen in den USA und den bevölkerungsreichsten muslimischen Ländern (Indonesien, Pakistan, Bangladesh, Nigeria) gegenüber. Gefragt wurde nach „Bomben- und anderen Angriffen, die absichtlich gegen Zivilisten gerichtet“ sind. Antwortmöglichkeiten waren u.a., dass diese Angriffe „niemals gerechtfertigt“ oder „oft oder manchmal gerechtfertigt“ sind.

Die Umfrage in den USA wurde im Dezember 2006 vom Program on International Public Attitudes (PIPA) der Universität Maryland durchgeführt. Weniger als die Hälfte (46 Prozent) der Amerikaner antworteten „niemals“ und fast ein Viertel (24 Prozent) meinten „oft oder manchmal“.

In den muslimischen Ländern wurde die Studie von Terror Free Tomorrow durchgeführt. Das Ergebnis war, dass die drei asiatischen Staaten zu mindestens Dreivierteln solche Angriffe als „niemals gerechtfertigt“ sehen (Indonesien: 74 Prozent, Pakistan: 86 Prozent, Bangladesh: 81 Prozent). Die Zahl für Nigeria wird nicht erwähnt.

Weiter wird auf die negativen Folgen der wiederholten Stereotypisierung von Muslimen in den Medien und von der Minderheit der Radikalen selber hingewiesen. Dadurch ist es einerseits schwierig in muslimischen Ländern Unterstützung für den Krieg gegen den Terror zu finden. Andererseits bekommen dadurch die radikalen Gruppierungen weiter Futter für ihre Anschuldigungen gegen den Westen.

Die Organisation Terror Free Tomorrow hat in den letzten zwei Jahren mehr als zwanzig Studien in muslimischen Ländern durchgeführt mit teilweise erstaunlichen Ergebnissen (World’s Largest Muslim Countries Welcome U.S. Navy, American Aid Key to Favorable Muslim Public Opinion, und weitere).

Als gemeinsames Resultat dieser Studien kann gesagt werden, dass Muslime nicht nur mindestens genauso wie Amerikaner Terrorismus ablehnen. Sondern auch, dass diejenigen, die radikalen Ideologien offen gegenüber sind, durch amerikanische Aktionen, die „Goodwill“ und Hoffnung verbreiten, vom Gegenteil überzeugt werden können.

(Via Fefe, Kreativrauschen und Lernziel)

P.S. PIPA hat übrigens auch vor der letzten Präsidentenwahl 2004 eine Studie durchgeführt, in der Bush- und Kerry-Unterstützer befragt wurden. Das Ergebnis war, dass eine Mehrheit der Bush-Unterstützer dessen Einstellungen zu verschiedenen Themen in der Auslandspolitik falsch einschätzten. Die Kerry-Unterstützer dagegen haben dessen Einstellungen dagegen korrekt eingeschätzt.

  1. [I]t’s a real newspaper published by a church — The First Church of Christ, Scientist in Boston, Mass., USA. Everything in the Monitor is international and US news and features, except for one religious article that has appeared each day in The Home Forum section since 1908, at the request of the paper’s founder, Mary Baker Eddy. Quelle: About the Monitor []
  2. Kenneth Ballen is founder and president of Terror Free Tomorrow, a nonpartisan, nonprofit organization dedicated to finding effective policies that win popular support away from global terrorists. Quelle: The myth of Muslim support for terror []

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Vom Mythos, dass Islam und Terror gleichzusetzen sind“

  1. Wow, sehr interessanter Beitrag Julia!

    Ich glaube ich werde zu diesem Thema auch noch einen Beitrag verfassen. Diese Zahlen sollte man mal einigen Leuten unter die Nase reiben.
    Das Problem ist, daß die Menschen, die in muslimischen Ländern leben, in den westlichen Medien kaum ein Gesicht bekommen, viele setzen daher den Islam nur mit Terrorismus gleich.

  2. Indonesien ist ein gutes Beispiel für einen aufgeklärte muslimische Gesellschaft. Leider aber gewinnen auch dort, aufgrund der politischen Verhältnisse, extreme Islamisten mehr Einfluss. Allerdings nicht ohne deutliche Proteste. Die Gesellschaft dort läuft immer mehr auf eine deutliche Spaltung zu. Ein Beispiel dafür war das Anti-Porno-Gestz und die Reaktionen darauf in Bali.

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