Holeritis in Trier und Umgebung

Porta NigraGerade bin ich auf den Zwiebelfisch-Beitrag Wo holen seliger denn nehmen ist gestoßen, der von der Trierer bzw. moselfränkischen Eigenart berichtet, dass man anstelle des Verbs holen immer nehmen holt nimmt. Sehr amüsanter und interessanter Artikel. Und die darauffolgenden Einsendungen (Hart im Holen) mit weiteren Beispielen und Anekdoten haben mich mehrmals laut auflachen lassen. Wirklich empfehlens- und lesenswerte Artikel.

Nun aber zum Anlass dieses Beitrags, warum schreibe ich darüber? Nun, ich habe die letzten dreieinhalb Jahre meines Schuldaseins in eben dieser schönen Moselstadt verbracht. Wir sind dorthin gezogen, als ich mitten in der zehnten Klasse war und so wurde ich nicht nur mit dem Problem des Aufholens, sondern auch dem des Holens konfrontiert. Mir hat natürlich niemand von der Trierer Besonderheit berichtet und ich wunderte mich bei Gelegenheit sehr.

In der ersten Woche z.B. im Kunstunterricht sagte meine Tischnachbarin wiederholt „Welche Farbe hole ich denn jetzt?“ Und ich war völlig verwirrt, weil ich nicht wusste, wo sie die denn herholen will, weil ihr Farbkasten doch direkt vor ihr stand. Aber man hat mich dann irgendwann aufgeklärt und dann war alles klar. Ich habe mich allerdings nie daran gewöhnt zu sagen, dass ich einen Film auf Video aufgeholt oder Gewicht abgeholt habe. Da ich im Judoverein war, habe ich diese Formulierung des öfteren gehört. Mittlerweile gibt es ja nicht mehr soviele Telefone mit Hörer, sonst wäre es sicherlich in Trier immer noch Standard zu sagen, dass man den Telefonhörer aufgeholt hat.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

4 Gedanken zu „Holeritis in Trier und Umgebung“

  1. Ohja, Trier is schon a quant Gegend muss eisch sachen. Eisch wohn hier.. ne, mal normal jetzte.. Ich bin ja leider auch hier versackt, aber der Dialekt tröstet echt über vieles Hinweg! 🙂

  2. Du hörst dich tatsächlich original wie mein Bruder an! Der hat das auch drauf so zu reden. Ich finde den Dialekt allerdings extrem gewöhnungsbedürftig – ich habe mich nach der Schule zum entgegengesetzten Ende der Republik an die Ostsee abgesetzt. Dort bin ich dann auch versackt, aber wenigstens gibt es hier keinen nennenswerten Dialekt.

  3. Naja, glücklicherweise bin ich kein „original Trierer Jung“ und spreche die meiste Zeit Hochdeutsch. Selber rede ich so höchstens 1x im Monat aus Scheiss, aber finde es jedesmal Witzig wenn leute wirklich ganz ernsthaft so reden und garnicht anders können 😉

    Leute, die nich so gut Deutsch können sind hier sowas von aufgeschmissen.

  4. Wer Hochdeutsch kann (als Neig’schmeckter) ist immer klar im Vorteil. Das musste ich auch erfahren, als ich in der 4. Klasse ins Ländle gezogen bin und meine Klassenkameraden sich mir nicht verständlich machen konnten.

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