Zeitlogik a la Tatort

Tatort 651 - Grab der Familie KuschmannNachdem der gestrige Tag recht frustierend verlief, wollte ich mir vollends die Kante geben und habe mir nochmal den Tatort Die Blume des Bösen angesehen, über den mich schon beim ersten Mal sehr aufgeregt habe. Und sind mir ein Dutzend weitere Ungereimtheiten aufgefallen. Einige davon sind nachzulesen bei Stralau. Allerdings muss ich einen Kritikpunkt bzgl. des Endes zurücknehmen, worauf Björn mich hingewiesen hat.

Über Kleinigkeiten will ich mich gar nicht aufregen, hier möchte ich nur speziell auf die verzerrte Zeitlogik eingehen. Der Grabstein der Tochter von Herrn Kuschmann (dem Täter) wirft drei Ungereimtheiten auf. Auf dem Grab steht

Stefanie Kuschmann
Geb. 13. November 1980
Gest. 15. Juni 1996

Ballauf hatte die Tochter damals erschossen und deswegen das ganze Katz- und Mausspiel vom Vater. Beim Sterbedatum liegt das Probelm.:

  • Ballauf sagt gegen Ende „morgen ist der 10. Todestag“. Das würde heißen, es ist Juni. Offensichtlich ist es aber Winter, es liegt Schnee und in einigen Szenen schneit es. Da fällt mir die erste Zeile eines Songs ein: „Sometimes the snow comes down in June“. Aber das ist hier wohl nicht gemeint.
  • Das Alter der Tochter wird mit 16 angegeben. Das wäre sie aber erst fünf Monate später gewesen.
  • Diese Daten lassen sich mit Ballaufs Lebenslauf nicht in Einklang bringen (dazu unten später mehr).

Die ersten zwei Kritikpunkte könnte man leicht lösen, indem man den Todestag einfach um sechs Monate nach hinten schiebt. Das ist einfach zu lösen. Kann ja auch sein, dass es der urprüngliche Plan so vorsah.

Aber ganz anders sieht es mit dem Lebenslauf des Kommissars aus. Seit der Folge Willkommen in Köln, die im Oktober 1997 ausgestrahlt wurde ermittelt Ballauf in Köln. Zu seiner Vorgeschichte heißt es beim Tatort-Fundus

Max Ballauf ist ein alter Bekannter. Als Kriminalhauptmeister bei der Kripo Düsseldorf ermittelte er an der Seite von Hauptkommissar Bernd Flemming und Kommissarin Miriam Koch, bevor er seinen Dienst quittierte und nach Kanada auswanderte. Nach zwei mißglückten Jahren in seinem „Hunting-and Fishing-Resort“ gab Ballauf auf und ging nach Amerika. Dort trat er eine Spezialausbildung bei der Drug Investigation Agency an. Vier Jahre härteste Schulung und Kampf gegen die internationale Rauschgiftmafia haben Ballauf verändert.

Das sind für mich insgesamt sechs Jahre Abwesenheit und damit ist er 1991 von Düsseldorf weg (abgesehen davon, dass die letzte Düsseldorf-Folge mit Ballauf im August 1994 ausgestrahlt wurde…). Dann kann er also nicht 1996 im Dienst Stefanie Kuschmann erschossen haben. Dass es während seiner Dienstzeit in Düsseldorf war, wissen wir, weil der Fall bei den Akten aus Düsseldorf dabei war. Diese zeitliche Ungereimtheit kann nun durch keine Anpassung erklärt werden.

Und die Dienstzeit in Düsseldorf wirft weitere Fragen auf. Da hat Ballauf Famile (Frau und Kinder), die ihn dann verlassen, als er nach Kanada geht. Darauf wird in den Kölner Folgen nie Bezug genommen. Ist das dramaturgische Absicht? Kommt da noch was nach? Einmal fragt Schenk ihn sogar, ob er Kinder hat (ich weiß nicht mehr welche Folge) und er verneint. Und in der hier verissenen Folge sagt er wehmütig: „Ich könnt jetzt auch eine Tochter in dem Alter haben.“ Ist das vielleicht als Schutz für die Zuschauer gedacht, die nicht noch mehr verwirrt werden sollen? Also ich bin mit dieser Version sehr viel mehr verwirrt. Man könnte die ganze Situation leicht mit ein paar Sätzen aufklären.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker

Ein Gedanke zu „Zeitlogik a la Tatort“

  1. So langsam wird das für mich zur Obsession, aber ich habe noch einige weitere interessante Beiträge gefunden, auf die ich (hauptsächlich für mich selber für später) noch verweisen möchte:
    Im Forum der ARD liefert kreatur_X eine ausführliche Liste mit weiteren Ungereimtheiten.
    Bei WZ newsline wird über den seltsamen Polizeischutz und anderes berichtet.
    Thilo Baum beschwert sich auch über die geklauten Plotideen. Bei einem Kommentar dieses Beitrags musste ich Tränen lachen. Wirklich herrlich!
    Zur Beziehungsunfähigkeit des Max Ballauf gibt es einen amüsanten Beitrag im Kultur-Blog des Focus .

Kommentare sind geschlossen.