Tatort enttäuschend

Erstmal frohes neues Jahr und ein schönes Weihnachten und einen guten Rutsch gehabt zu haben!

Szenenbild Tatort Die Blume des BösenNun aber zum gestrigen Tatort Die Blume des Bösen. War in einer gewissen 14-tägigen Programmzeitschrift sogar Tip des Tages. Hätte ich aber sowieso geguckt, weil sonst nichts Ansprechendes kam und das Team Ballauf/Schenk zu meinen Lieblingsteams gehört. Soviel also zu den Erwartungen. Aber die wurden mehr und mehr enttäuscht. (Bildquelle: WDR)

ACHTUNG SPOILER! Wer den Tatort noch nicht gesehen hat und das noch ungetrübten Genusses tun möchte, der sollte nicht weiterlesen. Oder vielleicht doch, denn man verpasst ausnahmsweise nicht allzu viel. Aber ich habe meine Plicht getan und gewarnt. Von nun an möge der geneigte Leser auf eigene Faust fortfahren.

Jedenfalls, die Misere fing damit an, dass die Beleuchtung und die ganze Stimmung zu sehr auf CSI getrimmt schien. Es war alles eher dunkel gehalten und das Licht ging stark ins Gelblich-Grünliche. Ab und zu gab es auch Fotoblitze und die Zeitraffer-Optik (obwohl es da andere Tatort-Folgen schlimmer getrieben haben). Nun, ich möchte nichts gegen CSI sagen – ich mag die Serie sehr (zumindest das Las Vegas-Original) – aber das ist eine amerikanische Serie mit ganz anderem Fokus. Da geht es um die wissenschaftliche Aufdröselung eines Falles und die Polizisten sind interessantes Beiwerk. Und hier (beim Tatort) ist es genau umgekehrt bzw. sollte es sein.

Die wissenschaftliche Seite wurde hier allerdings mit Füßen getreten. Alle Umschläge des Täters wurden immer und von Allen mit den Fingern angefasst. Geht man grundsätzlich davon aus, dass der so schlau war, keine Spuren zu hinterlassen? Dann macht Ballauf dieses Päckchen einfach so auf und bekommt dieses gelbliche Zeug ins Gesicht gespritzt. Und das nach diesem mysteriösen Anruf. Also das war wirklich Blödheit und zeugt nicht gerade von polizeilichem Erfahrungsschatz. Gar nicht fassen konnte ich das panische Gerenne zur Toilette nach dem zweiten Anruf.

Dann die gute Beatrice, die Cousine von Max. Er war mal früher in sie verliebt. Früher?!? Sie war lange im Ausland (Neuseeland) und hat (von dort?) eine Tochter im Grundschulalter. Sagen wir also, das war vor mindestens zehn Jahren. Nehmen wir jetzt mal das echte Alter der Schauspieler als Grundlage, dann erscheint mir das sehr unplausibel, weil die gute Beatrice dann fast noch im Teenageralter gewesen sein muss (abgesehen von 13 Jahren Altersunterschied).

Und angeblich weiß keiner davon. Keiner! Aber am Ende kommt raus, dass der böse, böse Täter, der es (anfänglich zumindest) auf die Verflossenen von Max abgesehen hat, sich ausgerechnet Beatrice als Hauptopfer auserkoren hat…

Wo wir nun schon mal beim Täter sind: Die Geschichte mit dem Rächen des Todes seiner Tochter hat man nun oft genug gesehen. Zuletzt eine gute Woche vorher auf demselben Sender (26. Dez auf ARD) bei Mankells WallanderDer unsichtbare Gegner. Dummer Zufall? Jedenfalls ärgerlich. Und dieser kurze Einschub, als sie alte Akten auf mögliche Täter hin untersucht haben und der Kommentar zur (natürlich richtigen) Akte so völlig unauffällig lautete „Die ist unrelevant.“

Dazu kamen weitere unlogische und konstruiert wirkende Begebenheiten. Das Betäuben mit Chlorophorm ist immer recht einfach und schnell. Sowohl am Anfang das erste Opfer, als auch gegen Ende der Polizist werden sofort ohnmächtig und sind ausgeschaltet. Aber die gute Beatrice lässt sich nicht leicht überwältigen und wehrt sich lange und gibt dem Täter auch noch eins übern Schädel. Glaub ich sofort. Schön beschrieben ist auch die Unzumutbarkeit der Szene mit den OP-Hauben und Mundschutzen im TV-Blog von TV Spielfilm. Und das Finale war doch nicht wirklich dramatisch, oder? Ballauf hat eine Schusswaffe, der Täter eine (naja, zwei) tödliche Spritze(n), mit der er den gefesselten Schenk bedroht. Die Tochter der schönen Cousine ist weit und breit nicht zu sehen (weil sie gerade Verstecken spielt – ach so ein Zufall) und somit außer Gefahr. Was ist daran so kompliziert? Erschieß den Täter und gut is!

So, jetzt habe ich mich ganz schön in Rage geredet (geschrieben). Sooo schlecht war der Tatort nun auch nicht. Die hanebüchene Story und das Ausleuchtungsproblem waren sehr ärgerlich, aber die schauspielerische Leistung war sehr gut von Allen. Und die grundsätzliche Idee war ja auch nicht übel. Rote Lilien und Gedichtband von Charles Baudelaires und so.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker