Wann soll man das denn alles schaffen? Zum Zweiten

Nachdem ich neulich mich darüber ausgelassen habe, was man alles so hören kann und wie man das zeitlich schaffen soll, werde ich heute (kurz) zum Thema Lesen kommen. Allerdings auch nur in Ahnlehnung an den Artikel Feel free to browse im Guardian von John Sutherland (in einer Reihe zu seinem Buch How to read a novel[Amazon-Partner-Link]), in dem genau das Problem aufgeworfen wird, dass heutzutage ca. 2000 neue Bücher jede Woche veröffentlicht werden. Ich weiß jetzt allerdings nicht, ob das nur für das Vereinigte Königreich gilt, oder für englischsprachige Bücher oder weltweit.

Der Artikel beginnt damit, was passieren würde, wenn man William Caxton, den ersten englischen Buchdrucker in die heutige Zeit versetzen würde. Dessen Lebenswerk von 18.000 gedruckten Seiten wird heute täglich vom Stapel gelassen. Wie soll der unbedarfte Leser da Schritt halten bzw. wie trennt man die Spreu vom Weizen?

Es werden einige historische Versuche angeführt, Bestenlisten und Empfehlungen aufzustellen, welche Romane man lesen sollte. Aber es wird gleich darauf hingewiesen, dass man sich über Geschmack bekanntlich streiten kann und insofern ist der Leser nicht wesentlich weiter in seinem Bestreben. Vom Geschmack geht es zum Vorgeschmack, d.h. dass man im Buchladen auch mal ausprobieren darf. Und der Artikel beruft sich als Lösung auf die Regel von Marshall McLuhan (Kommunikations- und Literaturwissenschaftler, Medientheoretiker, Medienkritiker und Publizist). Und dieser rät, dass man die Seite 69 des Buches lesen soll und wenn einem gefällt was man liest, soll man das Buch kaufen. Das soll tatsächlich funktionieren.

Ausdrücklich wird darauf hingewiesen, dass man sich für seine zu prüfenden Objekte nicht die Bestsellerlisten vornehmen soll. Das kann ich nur unterschreiben. Und das erinnert mich auch an diese unsägliche Praxis von englischen (hauptsächlich amerikanischen) Büchern: statt des Inhalts werden auf dem hinteren Bucheinband nur irgendwelche Zitate von Literaturkritikern abgedruckt. Das nützt mir herzlich wenig, wenn John Soundso von der Zeitung XY das Buch als das Beste aller Zeiten in seiner Sparte bezeichnet. Ich will wissen, worum es geht! Aber ich schweife ab. Beim nächsten Buchkauf (Weihnachten rückt ja immer näher) werde ich das gleich mal ausprobieren.

Was ich mich frage: Warum gerade Seite 69? Wie kam der gute Marshall auf genau diese Zahl? Ich werde vielleicht eher die Seite 49 nehmen, weil 49 meine Lieblingszahl ist. Oder beide und vergleichen?!? Mal sehen, was dabei herauskommt.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker