Was für ein Umweg!

Ein Beitrag in der gestrigen Tagesschau (Link zum Video) hat mich schwer beeindruckt und auch verwirrt. Dabei ging es um die Reise eines Spektrometers vom Bauort Deggendorf (Bayern) zum Einsatzort bei Karlsruhe (Baden). Das sind eigentlich nur 400 km, aber weil das Ding viel zu sperrig für den Landweg ist, musste man einen über 8000 km langen Umweg machen. Zur letzten Etappe heißt in einem Artikel bei SWR:

Das 24 Meter lange und zehn Meter hohe Spezialgerät konnte aufgrund seiner Größe nicht auf dem Landweg vom bayerischen Deggendorf zum Forschungszentrum Karlsruhe ins badische Eggenstein-Leopoldshafen gebracht werden. Auch der direkte Weg über die Donau und den Main-Donau-Kanal war nicht möglich, da das Spektrometer nicht unter den Brücken hindurch gepasst hätte. Daher musste es am 28. September von der Donau aus eine Seereise über 8.800 Kilometer rund um Europa antreten.

Das Spektrometer war in den vergangenen Wochen zunächst von Deggendorf aus über die Donau ins Schwarze Meer gebracht worden, danach mit einem Hochseeschiff weiter durch das Mittelmeer und den Atlantik nach Antwerpen. In der belgischen Stadt wurde die Anlage wieder auf ein Binnenschiff verladen und schippert nun über den Rhein Richtung Karlsruhe.

Umweg des SpektrometersHier eine Karte mit dem Umweg (Quelle: SWR). Wer denkt sich sowas aus und wer bezahlt dafür? Das kann man sich doch vorher überlegen, oder? Gab es keine Möglichkeit, kleinere Teile zu transportieren und die letzten Teilstücke vor Ort zusammenzusetzen? Allein für das letzte Teilstück von knapp sieben Kilometern brauchte man für den Transport viereinhalb Stunden. Da ist man ja schneller, wenn man gemütlichst zu Fuß geht. Außerdem wurden dafür vorrübergehend Ampeln, Verkehrsinseln und Straßenlaternen abgebaut, Hochspannungs- und Stromleitungen abgestellt, Stadtbahnen eingestellt und natürlich Straßen gesperrt. Und das alles nur, um die Masse von Neutrinos zu messen, im Rahmen des Karlsruhe-Tritium-Neutrino-Experiment (KATRIN).

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker