Balance zwischen Kontaktdatenfreigiebigkeit und Privatsphäre

Gerade durfte ich wieder erleben, wie schwierig es ist, die richtige Balance zu finden, wieviel man im Internet von seiner Privatsphäre – speziell Kontaktdaten – preisgibt. Einerseits möchte man von Kollegen und Freunden gefunden werden, d.h. von Leuten, die einen kennen oder ein berechtigtes Anliegen zur Kontaktaufnahme haben. Ich finde dies wichtig und möchte es auf keinen Fall missen, Mitglied bei verschiedenen Plattformen zu sein. So habe ich z.B. bei StayFriends einige alte Schulfreunde wiedergefunden, was auf anderem Wege schwierig wäre, da ich öfter umgezogen bin. Und bei OpenBC habe ich eine Cousine wiedergefunden, mit der ich seit über zehn Jahren keinen Kontakt mehr hatte (Scheidung der Eltern etc) und das ist doch wirklich positiv.

Dann ist da die andere, dunkle Seite. Kontaktdetails wie E-Mail-Adresse werden skrupellos zum Spammen verwendet und man kommt da nie wieder raus, sobald man einmal in einer Datenbank stand. Außerdem weiß ich nicht, ob ich ruhig schlafen könnte, wenn ich meine kompletten Kontaktdaten (Adresse, Tel-Nr etc) öffentlich im Internet zur Schau stellen würde. Nachher wird man Ziel von einem Verrückten, obwohl die Wahrscheinlichkeit dafür natürlich geradezu winzig ist. Andererseits ist man gesetzlich dazu verpflichtet, seine Adresse anzugeben. Aber ich bin eine Privatperson und da ist es nicht zwingend erforderlich. (Solange keiner meckert, oder?)

Nun aber zum aktuellen Anlass. Ich habe bei OpenBC auch meinen Skype-Namen hinterlegt, weil das meiner Meinung nach für Geschäftskontakte von Vorteil ist. Nun hat mich ein „alter“ Freund dort gefunden und ich habe zugestimmt, dass ich ihn zu meinen Kontakten hinzufüge. An sich kein Problem, meine E-Mail-Adresse und Handy-Nr kennt er ja schon. Aber nun hat er mich auch geskypt und das hat mich doch nach zwei Jahren Funkstille ein wenig geschockt. Davor hat er mich öfter mit seinen Anrufen genervt. Das Schlimme dabei war, dass es nach dem Motto verlief reich den kleinen Finger und der ganze Arm wird abgehackt, d.h. ich nehme einen Anruf an und dann wird das zum täglichen Ereignis, bei dem auch keine berechtigten Ausreden (wie Das Gebäude brennt, ich muss gerade mal die Feuerwehr rufen.) mehr zählen. Was habe ich also beschämenderweise getan: ich habe den Kontakt bei Skype blockiert, d.h. ich erscheine immer offline und Anrufe kommen erst gar nicht bei mir an. Eigentlich schade, denn ein paar Minuten lockerer Small Talk wären sicher sehr nett. Aber am Arbeitsplatz zwei Stunden Psychotherapie und Lebensratgeber (auf englisch noch dazu) finde ich zuviel verlangt.

Ich komme ein wenig vom Thema ab. Das wird zu persönlich (der anderen Person gegenüber), ich wollte ja eigentlich über das Paradoxon des Gefunden-Sein-Wollens-Von-Den-Richtigen-Leuten-Aber-Nicht-Von-Allen-Anderen berichten. Ich befinde mich wahrscheinlich ziemlich weit am Kontaktdetails-Preisgeben-Ende der Möglichkeiten, aber (bisher!!!) bin ich ganz gut damit gefahren. (naiv?) Hoffentlich wird sich das auch nicht ändern.

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker