Don’t Believe The Hype

Fast bin ich durch mit dem Buch von Sky Nonhoff[*], das den aufschlussreichen Untertitel „Die meistüberschätzten Platten der Popgeschichte“ trägt und kräftig abrechnet mit den allgemein als Meisterwerken angesehen Alben. Ich habe viele neue und interessante Dinge erfahren und sogar mir einige Inspriationen geholt – man glaube es nicht! Oft stimme ich dem Autor (bzw. den Autoren – es gibt einige Gastbeiträge) zu, aber oft bin ich auch der gegenteiligen Meinung und finde seine Darstellung ungerechtfertigt. Ganz besonders traf mich der Beitrag zu Bruce Springsteen’s Born To Run[*] mit dem Titel Gestohlen am 4. Juli. Was mich allerdings beruhigt ist ein kleiner Satz im letzten Absatz:

Von da an war es nur noch ein Katzensprung zum schwieligen Patrioten-Arena-Rock von „Born In The USA“[*], hier vorbereitet durch einen Neuaufguss des alten Erlösungs-Glorias vom Gummigeben bei der fetten Feierabendsause.

Das Wörtchen „Patrioten-Arena-Rock“ und auch der Titel, der sich auf den amerikanischen Unabhängigkeitstag bezieht (verwurstet mit einem Filmtitel…) ließen mich stutzen. Hat der Mann sich einmal das Album Born In The USA und speziell das Lied angehört? Ein einziges Mal aufmerksam dem Text gelauscht und solch ein Satz kommt einem nicht realistisch vor. Was ich meine? Nun, hier der Text um den es geht (bzw. die relevanten Textstellen):

Born down in a dead man’s town
The first kick I took was when I hit the ground
You end up like a dog that’s been beat too much
Till you spend half your life just coverin up

Come back home [from the war] to the refinery
Hiring man says „son if it was up to me“
Went down to the my V.A. man
He said „son don’t you understand now“

Down in the shadow of the penitentiary
Out by the gas fires of the refinery
I’m ten years burning down the road
Nowhere to run ain’t got nowhere to go

Soviel dazu! Für mich hört sich das nicht nach einem sehr patriotischen Lied an – eher im Gegenteil. Aber naja. Dadurch habe ich auch die anderen Beiträge im Buch nicht ganz so ernst genommen und mir meinen Teil gedacht.

Aber was ich sehr gut fand (was mich auch zum Schreiben dieser Zeilen veranlasst hat) ist ein Artikel von Nick Currie mit dem Titel „Schluss mit den Meisterwerken!“ im Anschluss an die Besprechungen bzw. Verisse der Platten. Es geht im Prinzip um den Überfluss an Musik und Listen, um Klassiker der Musikgeschichte, Meinungsmacherei und dass wir ja gar keine Chance mehr haben, Musik eingehend zu geniessen, weil es soviel und immer schneller immer mehr davon gibt. Ich bin da derselben Meinung. Obwohl ich sagen muss, dass diese Listen eine gewisse Geborgenheit geben. Keine absolute Wahrheit, aber man erspart sich das ermüdende und langwierige Zusammenstellen, das einem so abgenommen wird. Man muss ja nicht zu allem ja und Amen sagen, sondern diese Listen eher als Vorauswahl begreifen.

Schade ist dann nur, dass einen Vieles, was vielleicht gefallen würde, gar nicht erst erreicht. Aber da gibt es diese tolle Funktion von Amazon, dass man in ein Album mal reinhören kann. Und man muss nichtmal aufstehen und in den Laden gehen! Wer es etwas genauer mag, kann sich das Album über eine Tauschbörse runterladen und komplett testen. Ich sage bewusst „testen“, denn ich persönlich habe schon so manches Album käuflich erworben, das ich vorher nur als Datei auf der Festplatte vorliegen hatte. Aber was soll man denn machen, wenn ein neu erschienenes Album gleich 16 bis 18 Euro kostet? Das bin ich nicht bereit zu zahlen. Sobald es dann erschwinglich ist, so 10 Euro vielleicht, greife ich zu. Und ich habe so manche Perle entdeckt, z.B. die Cowboy Junkies, Nada Surf oder Ocean Colour Scene. Und auch bekannte Künstler, von denen ich ursprünglich kein so gutes Bild hatte, da ich nur die Singles aus Radio und Fernsehen kannte, konnte ich mir so erschließen und auch legal zulegen. Dazu zählen z.B. Green Day. Eine weitere Gruppe von Alben, die ich mir in letzter Zeit zugelegt habe, stammt von Künstlern, die eine ganze Menge Alben veröffentlicht haben. Die Anzahl übersteigt den durchschnittlichen Geldbeutel und oft sind auch nicht alle Werke empfehlenswert. Da muss man natürlich eine Vorauswahl treffen. Man kann sich natürlich die Greatest Hits oder Best Of zulegen, aber oft reicht das nicht aus. Man hört sich also an, was die Künstler so zu bieten haben und legt sich die besten Alben dann zu – die anderen sind gut genug für den mp3-Player. Dazu zählen z.B. Johnny Cash, Bob Dylan, Simon & Garfunkel, The Who, The Clash…

Was ich im Prinzip damit sage will: ich kaufe eine ganze Menge CDs und lade trotzdem das eine oder andere runter. Was ich gar nicht leiden kann – zumindest in der jetztigen Konzeption – sind elektronische Musikläden, wie z.B. iTunes MusicStore, T-Onine MusicLoad etc. Für ein ganzes Album zahlt man 10 Euro – und kriegt dafür die Songs als kopiergeschützte Dateien. Toll! Ich bin jemand, der die CD für die physische Existenz schätzt. Und dass man ein ordentliches Booklet – hoffentlich mit Texten – bekommt. Wenn ich jetzt bezahle, damit die Musik als Dateien vorliegen habe, die ich u.U. nicht mal auf eine solche CD oder tragbaren mp3-Player bekomme, dann fühle ich mich betrogen. Und wenn ich eine bestimmte Anzahl auf CD brennen darf, sieht das doch wieder wie selbstgebrannt aus. Was es ja auch ist – man kann da nicht unterscheiden. Womit ich für erwärmen könnte ist ein System, das bisher nur probeweise existiert: es soll für jedes Album verschiedene Editionen geben, wie bei DVDs. Man kann sich für den Minimalpreis die CD im Laden brennen lassen, dann hat man nur die Musik auf einem CD-Rohling. Oder man kann die Standard-CD, wie man sie heute kennt erwerben. Und für die echten Fans gibt es dann noch die Deluxe-Edition mit Extras, die z.B. aus zusätzlichen Songs und/oder einem besonders dicken Booklet bestehen können. Das finde ich echt gut. So kann man für jedes Album entscheiden, was man möchte. Und anscheinend kommt das auch gut an. Muss das mal recherchieren.

So, jetzt bin ich etwas vom Thema abgekommen. Ich wollte eigentlich eine Liste machen, mit Liedern, die ich irgendwann mal stundenlang gehört habe – auf Repeat gestellt. Das habe ich seit Jahren nicht mehr getan. Also ich meine so richtig stundenlang ein- und dasselbe Lied gehört. Ganz früher auch mit Walkman immer wieder zurückgespult. Ja, heutzutage habe ich über 8000 Lieder in meiner iTunes-Bibliothek, da kann ich mehrere Wochen lang hören, ohne dasselbe Lied zweimal ertragen zu müssen. Ich erinnere mich sicher nicht an alle Lieder, aber die Liste kann ich ja im Laufe der Zeit erweitern. Ich möchte noch darauf hinweisen, dass ich evtl. das eine oder andere Lied nicht mehr ganz so gut finde!

  • Elvis Presley – In the ghetto
  • Elton John – Your song
  • Bon Jovi – Never say goodbye (und andere)
  • The Beatles – Oh! Darling (und andere)
  • Bruce Springsteen – Glory days (und andere)
  • INXS – Beautiful girl
  • Dakota Moon – Another day
  • Roxette – Vulnerable
  • Fury In The Slaughterhouse – Seconds to fall
  • Julian Lennon – Saltwater
  • Savage Garden – I want you

Und da fallen mir meine vom Radio aufgenommenen Kassetten wieder ein! Ich hatte immer eine Leerkassette im Deck und die Tasten auf Record+Pause, damit ich sofort aufnehmen konnte. Damals habe ich Moderatoren gehasst, die immer bis zur letzten Sekunde ins Lied reingesprochen haben und Falschfahrer, die dann mitten im Lied als Verkehrsfunk erscheinen. Oder wenn die Kassette zu Ende war, bevor das Lied vorbei war. Ach ja, die guten alten Zeiten. Und dann gab es noch eine spezielle Kassette mit meine absoluten Lieblingsliedern. Die wurde ständig weiterentwickelt. Und irgendwann hatte ich dann drei von diesen „Favorite Hits“-Kassetten. Folgende Lieder sind da in der letzten Version drauf. Heute höre ich keine Kassetten mehr, ich kann gar nicht, weil 2002 meine Anlage kaputt ging und meine neue hat kein Tapedeck. Und außerdem habe ich jetzt einen tragbaren mp3-Player und brauche keinen Walkman mehr. Hier aber die Songs, die mal meine Lieblingssongs waren (und teilweise noch sind).

Oder auch nicht! Ich habe eine dreiviertel Stunde mein Zimmer auf den Kopf gestellt und weder die Original-Kassetten, noch mein altes Heft, wo ich die Texte reingeschrieben habe, gefunden. Dann eben nicht! Und dabei dachte ich, dass alle meine alten Sachen nun endgültig in Greifswald angekommen sind, da mein altes Zimmer bei meinen Eltern nicht mehr existiert und komplett ausgeräumt wurde. Hmm, da muss wohl noch die eine oder andere Kiste mit meinem Kram im Keller meiner Eltern rumstehen. Muss beim nächsten Besuch mal einen Blick in die unterirdischen Hallen werfen. Das kann aber noch dauern und im Moment kann ich nix machen….

Und das ist ein gutes Stichwort um diesen Beitrag zu beenden. Ich werde das aber weiterverfolgen!

P.S: Diesen Beitrag schrieb ich übrigens mit der Untermalung der Musik von Jerry Lee Lewis – der wurde in dem Buch nicht erwähnt, nur sein berühmterer Sun-Kollege, der dann zu RCA gewechselt ist. Und danach waren dann die Libertines dran, die allerdings im Buch vorkamen.

[*] = Amazon-Partner-Link

Veröffentlicht von

juliaL49

Wilde Mischung aus musikinteressiertem Konzertbesucher, fernsehbegeistertem Whovian, radfahrendem Läufer, fotografierendem Atheisten und ausgewandertem Bioinformatiker